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Drei neue „Hauptstädte des Fairen Handels“

Sankt Peter-Ording, Ingelheim und München sind „Hauptstädte des Fairen Handels“ 2023. Der Preis wird im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums verliehen.
von DEMO Redaktion · 9. Oktober 2023
Ingelheim ist Hauptstadt des Fairen Handels

Sankt Peter-Ording ist eine kleine 4.000-Seelen-Gemeinde in Ostfriesland. Auf den ersten Blick hat sie wenig mit Ingelheim in Rheinland-Pfalz (35.000 Einwohner*innen) oder Bayerns Landeshauptstadt München gemein. Doch eines verbindet die drei Kommunen: Sie alle dürfen sich von nun an „Hauptstadt des Fairen Handels“ nennen.

Am 5. Oktober wurden sie in Fürth ausgezeichnet. Der Preis wird seit 20 Jahren durch die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) verliehen. Alle zwei Jahre wird damit herausgehobenes lokales Engagement von Kommunen im Themenfeld Fairer Handel und Faire Beschaffung gewürdigt.

Kreative Projekte gewürdigt

Bärbel Kofler, Parlamentarische Staatssekretärin im BMZ, kommentierte: „Kommunen spielen eine große Rolle für die globale Entwicklung. Wenn Kommunen in Deutschland sich für fairen Handel und nachhaltige Beschaffung entscheiden, hat das Auswirkungen auf die Lebensrealitäten von Menschen im Globalen Süden.“ Dieses Engagement solle der Preis fördern.

Laut einer Mitteilung des BMZ werden im Wettbewerb um den Preis „Hauptstadt des Fairen Handels“ besonders kreative und wirkungsvolle kommunale Projekte rund um die Themen Fairer Handel und Faire Beschaffung gesucht und ausgewählt. Insgesamt 125 Kommunen haben sich für den diesjährigen Wettbewerb beworben.

Fairtrade ist in Münchener Verwaltung tief verankert

„München überzeugte die Jury mit einer breiten wie tiefen strukturellen Verankerung des Fairhandels-Gedankens im Verwaltungshandeln“, teilt das BMZ mit. So würden der Faire Handel und eine sozial-ökologische Beschaffung durch einen SDG-Analysebericht (Sustainable Development Goals) und ein Rahmenkonzept für kommunale Entwicklungszusammenarbeit in das städtische Handeln einbezogen. Ihr Beschaffungswesen entwickele die Stadt auch unter Einbeziehung gendergerechter Kriterien stetig weiter in Richtung nachhaltigen und fairen öffentlichem Einkauf, etwa für Produktgruppen wie Berufskleidung oder IT-Produkte sowie Sportbälle für alle 320 kommunalen Schulen der Stadt. Vorbildlich sei auch die Kooperation mit den drei Münchener Weltläden.

München steht somit in der Kategorie „Großstädte“ auf Platz 1. Unter den Mittelstädten setzte sich Ingelheim durch. Die Stadt konnte die Jury mit einem umfassenden Fairhandels-Engagement beeindrucken. Mit der im Ort ansässigen Fridtjof-Nansen-Akademie für politische Bildung verfügt Ingelheim über ein Weiterbildungszentrum, das gesellschafts- und entwicklungspolitische Themen beleuchtet und dabei auch die Ideen des fairen Handels an die Bevölkerung trägt – und zwar an alle Altersgruppen schon ab der Kita.

Punkten konnte Ingelheim zudem mit einem Nachhaltigkeitskonzept, in dem ein faires Beschaffungswesen für städtische Einrichtungen strukturell verankert sei, so das BMZ. Mit einer fairen interkulturellen Woche würden auch die migrantischen Akteur*innen der Stadt angesprochen. Ingelheim nehme darüber hinaus in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt das Thema „Geschlechtergerechtigkeit und Fairer Handel“ in den Blick.

Nachhaltiger Tourismus

Die Kleinstadt Sankt Peter-Ording liegt nah am Meer und ist selbst vom Klimawandel bedroht. Laut BMZ-Mitteilung verbindet die Gemeinde in vorbildlicher Weise Tourismus mit fairem Handel. Gastronomie, Einzelhandel und Hoteliers würden mit Events eingebunden. Faire Stadtmarketing-Produkte und faire Stadtschokolade tragen ebenfalls zum Bild eines nachhaltigen und fairen Tourismusortes bei. „Für Sichtbarkeit sorgen unter anderem eine Fairtrade-App, Stadtwetten mit dem Bürgermeister und zahlreiche Veranstaltungen“, vermeldet das BMZ.

Erstmalig wurden auch ein Sonderpreis zum Thema „Geschlechtergerechtigkeit und Fairer Handel“ sowie ein Publikumspreis verliehen. Der Sonderpreis geht an die Stadt Speyer mit ihrem Projekt des Partnerschaftskaffees „Inshuti“ (auf Deutsch: „Freundschaft“). Bereits seit 1982 pflegt die Kommune Partnerschaften mit ruandischen Kommunen. Der Publikumspreis geht an die Stadt Ebern, die nach Einwohner*innenzahl bereinigt die meisten Stimmen holte.

Die Siegerkommunen und ihre Preisgelder:

Kategorie Großstädte:
1.         Platz München (35.000 Euro),
2.         Platz Heidelberg (20.000 Euro),
3.         Platz Bremerhaven (15.000 Euro)

Kategorie Mittelstädte:
1.         Platz Ingelheim (35.000 Euro)
2.         Platz Markkleeberg (20.000 Euro)
3.         Platz Landkreis Cochem-Zell (15.000 Euro)

Kategorie Kleinstädte:
1.         Platz Sankt Peter-Ording (35.000 Euro)
2.         Platz Herrieden (20.000 Euro)
3.         Platz Gemeinde Köngen (15.000 Euro)

Insgesamt vier Sonderpreise wurden mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Neben Speyer und Ebern gingen Sonderpreise themenunabhängig nach Amberg und Monheim am Rhein. Amberg wurde der Preis für die Initiative „Zukunftsakademie“ verliehen, die bei Unterrichtsausfall das Thema Fairer Handel in Schulen einbringt. In Monheim am Rhein wurde die Aktion „Faire Kamelle“ im Straßenkarneval gewürdigt.

Autor*in
DEMO Redaktion

Die Redaktion der DEMO - Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik  

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