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„Keine flächendeckenden Versorgungsengpässe bei Trinkwasser“

Mit dem Temperaturen steigt auch der Wasserverbrauch. In einigen Gebieten wurde die Trinkwasser-Nutzung beschränkt, sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Liebing. Die Versorgung sei aber im Wesentlichen selbst bei großer Hitze gesichert.
von Carl-Friedrich Höck · 14. August 2020
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Das Trinkwasser kommt in Deutschland überwiegend von kommunalen Wasserwerken. Über die aktuelle Hitzewelle sprachen wir mit Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU).

DEMO: Im Niedersächsischen Lauenau sind vergangene Woche die Wasserspeicher leer gewesen. Die Bürgerinnen und Bürger mussten ihren Verbrauch drastisch reduzieren. Ist das ein Einzelfall oder droht auch anderen Kommunen das Wasser auszugehen?

Ingbert Liebing: Wir reden hier von Einzelfällen, bei denen die Situation vor Ort angespannt ist. Wir alle sind es gewohnt, dass das Wasser tagein tagaus qualitativ hochwertig aus dem Hahn kommt. Passiert das dann einmal nicht, ist das natürlich ein Thema – auch und vor allem medial.

Aber: In Deutschland drohen auch bei langanhaltenden Trockenperioden und großer Hitze keine flächendeckenden Versorgungsengpässe bei Trinkwasser. Wir haben eine sehr gute und auf Generationen ausgelegte Wasserversorgung: Die kommunalen Trinkwasserversorger konnten und können Wetterextreme weitgehend so kompensieren, dass es nicht zu wesentlichen Versorgungsausfällen gekommen ist und kommt.

Richtig ist, dass in einigen wenigen Gebieten örtliche Wasserversorger die Nutzung des Trinkwassers mit Blick auf die anhaltende Hitzeperiode beschränkt haben. So wurde unter anderem gebeten, Gärten nicht zu bewässern oder Pools neu zu befüllen, selbst wenn das ungewohnte Komforteinbußen mit sich bringt. Teilweise wurde dies sogar untersagt. Die Wasserversorger machen in solchen Fällen alles richtig und handeln nachvollziehbar nach der Faustregel: Erst Mensch und Tier, dann der Rasen. Trinkwasser sollte zuerst Mensch und Tier als Lebensgrundlage dienen.

Wie wirkt sich die Hitze auf die Wasserunternehmen aus?

Laut Klimaforschern können Extremwetterereignisse wie langanhaltende Dürren, aber auch Starkregen- und Hochwasserereignisse zunehmen. Klimaveränderungen sind Stresstest und Herausforderung für die kommunalen Wasserver- und Abwasserentsorger.

Klimaextreme werden sich dauerhaft auf sämtliche Handlungsbereiche der kommunalen Wasserwirtschaft auswirken – und tun es schon heute: Sowohl die Trinkwasserressourcen als auch andere Rahmenbedingungen, beispielweise Wasserrechte – also die Wassermenge, die ein Wasserversorger entnehmen darf – unterscheiden sich regional teilweise stark voneinander. Auch die Wassernachfrage ist örtlich und zeitlich unterschiedlich. Die erforderliche Wassermenge hängt vom Bedarf von Verbrauchern, Gewerbe, Industrie und anderen Nutzern ab.

Wie regieren die Wasserwerke auf die Veränderungen?

Aufgabe der kommunalen Wasserversorger ist es, ihre Systeme noch klimarobuster zu machen: Dazu gehört unter anderem, dass sie ihre Infrastrukturen prüfen und anpassen sowie mit anderen Versorgern kooperieren, um gemeinsame Lösungen wie zum Beispiel Verbundsysteme zu schaffen. Die Trinkwasserversorgung muss zudem in vielen Regionen mit einem steigenden Wasserbedarf Schritt halten. Steigender Zuzug sowie die Ansiedelung von Handel und Gewerbe führen insgesamt zu einer größeren Abgabemenge. Die Erhöhung ihrer Wasserrechte ist für viele Versorger daher notwendig, um die Versorgung auch in Dürreperioden zu sichern.

Bei allen Anpassungen müssen mögliche Interessenkonflikte eingeplant und gelöst werden. Der Versorgungsauftrag der öffentlichen Trinkwasserversorgung kann mit den Interessen von Anrainern und Landwirten, Industrie und Gewerbe kollidieren. Nutzungskonkurrenzen sind da vorprogrammiert. Wenn das Wasserdargebot nicht für alle gewünschten Nutzungen ausreicht und damit eine Priorisierung notwendig wird, muss die Sicherung des heute nutzbaren Dargebots für die Trinkwasserversorgung Vorrang haben. Das legen auch das bundesweite Wasserhaushaltsgesetz und die Wassergesetze der Länder fest. Der im Wasserhaushaltsgesetz angelegten Interessenabwägung zugunsten der öffentlichen Trinkwasserversorgung muss bei konkreten behördlichen Entscheidungen wieder sehr viel stärker Geltung verschafft werden.

Was unternehmen die Stadtwerke, um Bürgerinnen und Bürger zum Wassersparen zu animieren? Oder ist das im Regelfall gar nicht notwendig?

Wichtig ist es, ein Bewusstsein für die Ausnahmesituation zu schaffen und an die Bürger zu appellieren, verantwortungsbewusst mit dem Trinkwasser umzugehen, zumal das Trinkwasser in der Regel ja weiterhin zur Verfügung steht.

Unabhängig von den genannten Ausnahmesituationen gilt generell: Wir sollten nicht am, sondern mit dem Wasser sparen. Beispielsweise, indem man seinen Durst mit gutem Trinkwasser aus der Leitung stillt. Zudem heißt ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit Wasser in der Regel nicht, an der Menge zu sparen, sondern es möglichst wenig mit Dingen zu befrachten, die nicht hineingehören. Entsorgen Sie beispielsweise (alte) Arzneimittel nicht über die Toilette, sondern über den Restmüll oder über gesonderte Schadstoffsammelstellen. Die Toilette ist keine Müllkippe.

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Porträtfoto Mann mit Brille und dunkelblonden Haaren
Carl-Friedrich Höck

ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.

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