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Umweltministerin Schulze: „Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“

In dieser Woche dreht sich alles ums Reparieren, Ressourcen sparen und Wiederverwenden: Die Europäische Woche der Abfallvermeidung findet seit 2009 in ganz Europa statt. Sie ist die größte Kampagne rund um das Thema Abfallvermeidung und wird in Deutschland vom VKU koordiniert.
von Karin Billanitsch · 22. November 2021
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„Abfallvermeidung ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung“, betonte am heutigen Montag Bundesumweltministerin Svenja Schulze zum Auftakt der Woche der Abfallvermeidung in ihrer Keynote-Rede. Die Bvölkerung solle dafür sensibilisiert werden, genauso wie Entscheider*innen und Entscheider in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Stärkerer Fokus auf Abfallvermeidung

Deutschland und die EU legen ihren Fokus stärker auf die Abfallvermeidung, erläuterte die Ministerin und zählte bereits erzielte Erfolge auf: Nach dem geänderten Verpackungsgesetz gilt ab dem 1. Januar 2022 ein Verbot von leichten Kunststofftragetaschen. Schon seit 2021 sind bestimmte Einwegkunststoffprodukte, wie etwa Einweggeschirr, verboten. Außerdem gibt es für bestimmte Kunststoffprodukte, für die es keine leicht verfügbare Alternativen gibt, eine Kennzeichnungspflicht, so Schulze.

Das Bundeskabinett habe zudem die Fortschreibung des Abfallvermeidungsprogramms des BMU und der Länder beschlossen, merkt Schulze an. „Mit dem Titel Wertschätzen statt wegwerfen gibt es die Richtung vor für einen bewussteren Umgang mit Produkten“, so die Ministerin. Im Zentrum stehen „wichtige Stoffströme wie Kunststoffe oder Lebensmittel und Konzepte, die Abfall vermeiden, wie Reparatur und Wiederverwendung. „Mit unserem aktuellen Lebensstil verbrauchen wir Deutschen zu viele Ressourcen. Die hohen Abfallmengen sind schlecht für die Umwelt und teuer für die Volkswirtschaft“, so die Ministerin.

Zahlen zeigen die Dimension des Abfallproblems: Der weltweite Ressourcenverbrauch hat zwischen 2014 und 2019 um 17 Prozent zugenommen. In diesem Zeitraum ist die jährliche Menge an Siedlungsabfällen um 700 Millionen Tonnen auf 2,7 Milliarden Tonnen gewachsen. Deutschland ist laut BMU mit etwa 50 Millionen Tonnen daran beteiligt.

Weitere Informationsangebote

Um die Bevölkerung zu erreichen, gibt es neben der Fortschreibung des Abfallvermeidungsprogramms, weitere Angebote: Eine Abfallvermeidungsseite auf der Website des BMU, eine Bürgerbroschüre und auch die Abfallvermeidungswoche, zählt Schulze auf. „Wir gemeinsam für weniger Abfall, unsere Gemeinschaft für mehr Nachhaltigkeit“ ist das diesjährige Motto. Die Woche der Abfallvermeidung wird in Deutschland vom Verband kommunaler Unternehmen im Auftrag des BMU koordiniert, mit vielen Aktionen, die vor Ort stattfinden.

„Wir haben mannigfaltige Beispiele in unserem Alltag, wo wir sehr gute Ansätze realisieren können, die wirklich zur Abfallvermeidung führen“, sagt Patrick Hasenkamp, Präsident des VKU. Jeder To-go-Becher, Einweggeschirr und Besteck ist durch Mehrwertalternativen zu ersetzen.“ Er nennt auch so genannte „Unverpackt-Läden“ als Beispiel für ressourcenschonendes Einkaufen.

Bei langlebigen Gegenständen gebe es eine ganz große Ressourcenverschwendung, so Hasenkamp und warb dafür, Gebrauchsgüter zu kaufen, die reparierbar sind. Dann könnten sie öfter wieder ertüchtigt, im Second Hand verkauft und so Abfälle vermieden werden. Ein ganz großes Problem sei die Flut von „Fast Fashion“, also minderwertiger Kleidung. Hasenkamp: „Alle sind gefordert, über unser Kosumverhalten nachzudenken.“ Schulen, Vereine, Kirchen und Betriebe forderte Hasenkamp auf, sich Gedanken zu machen, „wie wir Abfallvermeidung im Sinne unserer Nachhaltigkeitsziele erreichen können“. Das Nachhaltigkeitsziel 12 beschäftigt sich mit nachhaltiger Konsum. „Ich hoffe auf viele Menschen, die uns tatkräftig unterstützen – natürlich auch über die Woche hinaus mitmachen“, so der VKU-Präsident.

Netzwerk von Reperatur-Initiativen

Interessierte finden zum Beispiel auf der Homepage von Anstiftung.de viele Hinweise, was alles möglich ist. Die Stiftung fördert und vernetzt zum Beispiel Reparatur-Initiativen und offene Werkstätten. „Allen ist gemein, dass sie ehrenamtlich arbeiten, nicht kommerziell und dass sie auch Hilfe zur Selbsthilfe geben wollen, also zeigen, wie man etwas reparieren kann“, sagt Ina Hemmelmann von der Anstiftung. Wenn man die Lebensdauer der Gegenstände verlängere, helfe das, Abfall zu vermeiden. Außerdem bekommen die Produkte mehr Wertschätzung: „Nach dem Motto: Was Du nicht reparieren kannst, das gehört Dir nicht.“

Das Problem: Viele Dinge können gar nicht mehr richtig repariert werden, etwa weil sie nicht geöffnet werden können, ohne zerstört zu werden, weil sie verklebt sind. Oder es ist Spezialwerkzeug nötig, oder es gibt keine Ersatzteile. Das Netzwerk organisiert sich deshalb auch politisch beim runden Tisch Reparatur, der sich für eine gesetzliche Verankerung eines Rechts auf Reparatur stark macht, so Hemmelmann.

Kooperationen mit kommunalen Abfallbetrieben

Auf lokaler Ebene gibt es ebenfalls viele Möglichkeiten, zur Abfallvermeidung beizutragen. Es gibt zum Beispiel lokale Netzwerke, in denen die Reparaturinitiativen agieren: Sie arbeiten gemeinsam mit Volkshochschulen, mit Schulen oder mit Mehrgenerationenhäusern. Es gibt aber auch Kooperationen mit Abfallwirtschaftsbetrieben vor Ort.

Ein Beispiel ist der Abfallservice Osterholz nördlich von Bremen, den Hemmelmann nennt. Er pflegt mit den Reparaturinitiativen im Landkreis einen engen Kontakt und unterstützt die Vernetzung vor Ort. Gemeinsam wurde ein regionaler Informationsflyer erstellt, mit Informationen über die Reparaturcafes im Landkreis und Termine der Initiativen erscheinen mit im regulären Abfallkalender. Auch in Jena sind beispielsweise die Reparaturcafes mit den kommunalen Services im Austausch.

Autor*in
Karin Billanitsch

ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.

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