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Warum eine 18-jährige Schülerin für die SPD als Bürgermeisterin kandidiert

Andere in ihrem Alter wissen noch nicht, was sie werden wollen, Marie Meißner schon. Sie kandidiert am Sonntag in der kleinen Gemeinde Weitenhagen in Mecklenburg-Vorpommern als Bürgermeisterin. Dafür hat die 18-jährige Schülerin gute Gründe.
von Jonas Jordan · 7. Juni 2024
Die 18-jährige Schülerin Marie Meißner kandidiert für die SPD als Bürgermeisterin der Gemeinde Weitenhagen in Mecklenburg-Vorpommern.

Dort leben, wo andere Urlaub machen. Das gilt wohl für die kleine Gemeinde Weitenhagen mit ihren rund 2.000 Einwohner*innen. Sie liegt vor den Toren Greifswalds im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern. Im Vergleich zu anderen Regionen des Bundeslandes hat sich die Einwohnerzahl von Weitenhagen seit der Wiedervereinigung fast verdoppelt. Und noch etwas ist hier besonders: Zwei Frauen liefern sich einen Wettkampf um das Amt der Bürgermeisterin. Entschieden wird er am Sonntag parallel zur Europawahl.

Haustürwahlkampf mit Ministerpräsidentin

Eine der beiden ist Marie Meißner. Sie kandidiert für die SPD und fordert die amtierende Bürgermeisterin heraus. „Ich bin in Weitenhagen aufgewachsen, in den Kindergarten gegangen und habe ganz, ganz viele Jahre in einem Sportverein mitgemacht. 2022 bin ich in die SPD eingetreten und wurde seitdem politisch immer interessierter. Jetzt möchte ich meiner Gemeinde etwas zurückgeben“, sagt die 18-jährige Schülerin im Gespräch mit dem „vorwärts“.

Ausschlaggebend für ihren Eintritt in die SPD war die Bundestagsabgeordnete Anna Kassautzki, wie Meißner berichtet. Mehrmals besuchte sie Kassautzki in Berlin und lernte im vergangenen Jahr durch ein Praktikum den politischen Betrieb im Bundestag kennen. „Anna hat mich überzeugt, in die SPD einzutreten“, sagt Meißner. Nicht nur von Kassautzki, auch von deren Bundestagskollegen Erik von Malottki und der Ministerpräsidentin des Bundeslandes erhält sie Unterstützung im Wahlkampf. Im Endspurt drei Tage vor der Wahl kam Manuela Schwesig vorbei und machte mit ihr Haustürwahlkampf.

Großer Wunsch: bessere Verkehrsanbindung

„Vor ein paar Wochen habe ich das Angebot bekommen. Ich war schon sehr überrascht, dass Manuela vorbeikommen möchte. Das ist natürlich nicht selbstverständlich, dass eine Ministerpräsidentin in so eine kleine Gemeinde kommt und dort von Tür zu Tür geht. Ich fühle mich schon sehr geehrt“, sagt Meißner, bei der kurz vor der Wahl die Nervosität langsam steigt. Der Wahlkampf sei sehr stressig und zeitaufwendig. Doch ihre Eltern unterstützten sie ebenso wie Freunde und die Jusos aus Greifswald.

Im Kontakt mit den Menschen bekomme sie überwiegend positive Rückmeldungen. Nur von wenigen bekomme sie Rückmeldungen wie „Du bist zu jung“ oder „Was soll das eigentlich?“. Doch davon lässt sie sich nicht unterkriegen und kämpft für eine bessere Anbindung ihrer Gemeinde an die nahe und doch manchmal kaum erreichbare Universitätsstadt: „Die Radwege müssen ausgebaut werden, damit die Jugendlichen auch mit dem Rad nach Greifswald zur Schule fahren können. Wir haben aber auch sehr viele ältere Menschen bei uns in der Gemeinde und keine vernünftige Busanbindung nach Greifswald. Das stellt für einige ein sehr großes Problem dar. Das ist der erste Punkt, den ich in Angriff nehmen würde.“

Meißner: „Ein tolles Signal“

Den Wahlsonntag wird sie zu Hause mit ihren Eltern und ihrer Schwester verfolgen, die extra aus Hamburg anreist. Eine bestimmte Prozentzahl als Zielmarke hat sich Meißner nicht gesetzt. Und wenn es wirklich klappen sollte, dass sie als Bürgermeisterin gewählt wird? „Ich würde mich auf jeden Fall darüber freuen“, sagt sie bescheiden. Und wenn nicht? „Dann bin ich hoffentlich in der Gemeindevertretung von Weitenhagen und kann den jungen Menschen so eine Stimme geben.“ Auf jeden Fall sei ihre Kandidatur ein tolles Signal: „Das drückt auch aus, dass die SPD auch für Jugendliche wirklich offen ist.“

Dieser Text ist zuerst auf vorwaerts.de erschienen.

Autor*in
Jonas Jordan

ist Redakteur des vorwärts im Berliner Vorwärts Verlag. Er hat Politikwissenschaft studiert.

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