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Wie der Radwege-Ausbau beschleunigt werden kann

Wenn die Verkehrswende gelingen soll, müssen Radwege schneller als bisher ausgebaut werden. Das Projekt „InnoRADQuick” untersucht Maßnahmen aus Städten weltweit, die das Radfahren attraktiver gemacht haben. Ein Gastbeitrag von Sarah Karge vom ADFC.
von Sarah Karge · 27. Dezember 2022
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Die nächsten Jahre sind für Klimaschutz und Verkehrswende entscheidend. Schlechte Luft, Lärm, Leerstand – auch das Thema Stadtentwicklung, gerade in monofunktionalen Zentren, beschäftigt Städte weltweit. Der Ausweg, den ambitionierte Kommunen gefunden haben, lautet: Mehr Platz für Menschen sowie eine wachsende aktive Mobilität durch Fuß- und Radverkehr. Um diese Transformation im Verkehrsbereich zu schaffen, muss häufiger das Fahrrad auf Strecken zum Einsatz kommen, die heute noch mit dem Auto zurückgelegt werden.

In der Praxis zeigt sich, dass Deutschland in Sachen Radwegeausbau deutlich schneller werden muss, damit die Verkehrswende gelingt, die Klimaschutzziele im Verkehr erreicht werden und Deutschland bis 2030 Fahrradland ist.

Deutschland soll von anderen Ländern lernen

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e. V. hat in den letzten Jahren erfolgreich dazu beigetragen, wichtige Impulse zur Radverkehrsförderung aus der internationalen Praxis in den deutschen Diskurs zu tragen. Die Projekte „InnoRADQuick“ und dessen Vorgänger „InnoRAD“ untersuchten innovative Maßnahmen aus verschiedenen Städten weltweit, welche innerhalb kürzester Zeit viel für den Radverkehr erreicht haben.

Im Zentrum des Projektes „InnoRAD – Innovative Radverkehrslösungen auf Deutschland übertragen“ stehen Infrastrukturlösungen – wie die Superblocks in Barcelona oder die Mini-Hollands in London – durch die es gelungen ist, in überschaubarer Zeit sehr viele Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad zu motivieren. Auch hierzulande werden vielerorts Radverkehrsanlagen benötigt, die es ermöglichen, dass Menschen aus allen Alters- und Bevölkerungsgruppen sicher und komfortabel Radfahren können, insbesondere Familien mit Kindern, Frauen und ältere Menschen.

Ausbau geht auch schnell und unbürokratisch

Das Nachfolgeprojekt „InnoRADQuick – Innovative Radverkehrslösungen und Radnetze schnell auf Deutschland übertragen und implementieren“ zeigt, wie Radverkehrsinfrastruktur mit Schnellausbaumethoden zügig umgesetzt werden kann. Der ADFC hat sich hierbei innovative Maßnahmen in verschiedenen internationalen Städten angeschaut, die sehr schnell ihre Radinfrastruktur ausgebaut haben, wie die niederländische Stadt Utrecht, das spanische Sevilla oder US-amerikanische Städte, wie Houston oder Memphis. Sie alle feierten mit ihren unbürokratischen Schnellausbaumaßnahmen große Erfolge.

Auf dem ADFC-Symposium „Mit Schnellausbau zum Fahrradland 2030“ am 06.12.2022 wurden die konkreten Erfolgsfaktoren der Best Practice-Beispiele vorgestellt. Neben dem politischen Willen und dem Mut Veränderung herbeizuführen – auch bei Gegenwind aus der Bevölkerung – braucht es ebenso mehr Dynamik und modernere Strukturen in den Verwaltungen vor Ort, um Planungsprozesse zu beschleunigen. Elemente des Schnellausbaus, wie beispielweise Pop-up-Nutzungen, machen Veränderungen schnell erlebbar, überzeugen Kritiker*innen oft frühzeitig und ermöglichen eine spätere Anpassung der Maßnahmen dank direktem Feedback der Nutzer*innen. Aber auch eine positive Kommunikation, die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie die Projektevaluierung waren ausschlaggebend für den Erfolg der Maßnahmen und Projekte.

Kommunen brauchen mehr Spielräume

Veränderung ist möglich und immer mehr Politiker:innen weltweit haben das erkannt. Lebenswerte Städte und die Verkehrswende können schneller erreicht werden, aber noch fehlen Städten und Gemeinden oft die entscheidenden Werkzeuge: Neben einer deutlichen Erhöhung der Fördermittel von Bund und Ländern benötigen die Kommunen größere rechtliche und planerische Spielräume. Dazu bedarf es einer grundlegenden Neuausrichtung des Straßenverkehrsgesetzes und der Straßenverkehrs-Ordnung an Zielen des Klima- und Umweltschutzes, der Gesundheit und der städtebaulichen Entwicklung sowie moderne Regelwerke.

Außerdem sind engagierte Politiker:innen sowie zusätzliches Personal und ausreichend Ressourcen in den Verwaltungen dringend notwendig, um die Verkehrswende voranzubringen. Kreativität und Entschiedenheit beim Beschleunigen von Planungs- und Umsetzungsprozessen sind ebenfalls unabdingbar.

Wir hoffen, dass Ihnen die Erkenntnisse aus den Projekten InnoRAD und InnoRADQuick tatkräftige Unterstützung bei Ihrem Engagement für mehr Radverkehr bieten. Damit wir gemeinsam das Fahrradland Deutschland bis 2030 Wirklichkeit werden lassen.

 

Mehr Informationen:

Die Broschüren der Projekte mit allen Best-Practice Beispielen finden Sie unter:

Das Projekt InnoRADQuick wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz und dem Umweltbundesamt im Zuge der Verbändeförderung gefördert.

Autor*in
Sarah Karge

ist Referentin für Verkehrspolitik beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC)

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