Bund unterstützt Umbau mit 75 Millionen Euro

Barrierefreie Bäder und Sensoren für Notfälle: Wie Wohnungen altersgerecht werden

Carl-Friedrich Höck13. Juli 2023
Andreas Rieger vom DAI-Labor erklärt Bauministerin Klara Geywitz, wie die Laborwohnung funktioniert.
Auch im Alter wollen viele Menschen in ihrer Wohnung bleiben. Mit Zuschüssen unterstützt der Bund den notwendigen Umbau. Zum Start der neuen Förderperiode informierte sich Bauministerin Geywitz, wie digitale Anwendungen denn Alltag von Pflegebedürftigen erleichtern können.

Wer eine Wohnung für ältere Menschen umrüsten will, kann auch weiterhin staatliche Zuschüsse beantragen. Für das Programm „Altersgerecht umbauen“ stehen in diesem Jahr 75 Millionen Euro zur Verfügung. Anträge können seit diesem Donnerstag bei der Förderbank KfW gestellt werden.

Das Programm sei eines der beliebtesten Programme ihres Hauses und werde sehr stark nachgefragt, sagte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) zum Start der neuen Förderperiode. „Für viele ist es ein Herzenswunsch, dass sie zuhause wohnen bleiben können.“ Seit 2009 wurden rund 360.000 Wohneinheiten mithilfe der Förderung umgebaut. Im kommenden Jahr sollen die Mittel auf 150 Millionen Euro verdoppelt werden, sofern der Bundestag dem neuen Haushaltsplan zustimmt.

Geld für ein barrierefreies Bad oder digitale Warnsysteme

Die Förderung richtet sich an Privatpersonen. (Für Wohnungsunternehmen und Genossenschaften gibt es ein ähnliches Förderprogramm mit vergünstigten Krediten.) Der Zuschuss beträgt zehn Prozent der Investitionskosten – maximal 2.500 Euro gibt es vom Staat. Wer nicht nur einzelne Maßnahmen umsetzt, sondern den Standard „altersgerechtes Haus“ erreicht, wird mit 12,5 Prozent bezuschusst (maximal 6.250 Euro Förderung).

Das Geld kann zum Beispiel genutzt werden, um einen Aufzug oder eine bodengleiche Dusche einzubauen. Aber auch die Installation von altersgerechten Assistenzsystemen und Smart-Home-Anwendungen wird unterstützt.

Was digitale Systeme schon heute leisten können, erfuhr Geywitz bei einem Besuch im „Kompetenzentrum Pflege 4.0“ in Berlin. Es ist im Jahr 2020 auf Initiative der damaligen Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) entstanden und soll „Wissen in die Breite tragen“, wie Projektleiter Simon Blaschke erklärt. Welche digitalen Assistenzsysteme gibt es bereits, wie können sie finanziert werden und was muss man zum Datenschutz wissen? Darüber soll das Zentrum aufklären.

Labor-Wohnung zeigt, was technisch möglich ist

Sensoren an der Gardine, ein Bildschirm mit aktuellen Gesundheitsdaten hinter dem Spiegel: Geywitz in der Laborwohnung.

Konkrete Beispiele können im DAI-Labor an der TU Berlin betrachtet werden. Die Forschungseinrichtung hat eine komplette Labor-Wohnung mit modernen Systemen eingerichtet. Jemand vergisst, die Herdplatte auszustellen? Sofort meldet sich ein Alarmsystem. Ein Sturz im Wohnzimmer? Ein Sensor unter der Decke registriert es und informiert auf Wunsch Angehörige. Sogar die Trinkflasche ist digital und misst, wie viel Flüssigkeit der Bewohner oder die Bewohnerin schon aufgenommen hat. Das DAI experimentiert auch mit Robotern, die nachsehen, ob die Tür abgeschlossen ist und Unterhaltungen führen können, wie der Informatik-Professor Şahin Albayrak erklärte.

In der Breite durchgesetzt haben sich solche Systeme bisher kaum, erfuhr Geywitz bei ihrem Besuch. Nicht alle älteren Menschen sind aufgeschlossen für die neue Technik, auch der Datenschutz bremst manche Neuentwicklung aus. Zudem fehlt es an geschulten Handwerker*innen und Elektriker*innen, die die Systeme im großen Stil einbauen können.

Dabei haben digitale Systeme viele Vorteile, meint zumindest Simon Blaschke. Sie ermöglichten es, länger in der eigenen Wohnung zu bleiben, entlasteten die Angehörigen und machten den Pflegeberuf attraktiver.

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