Hitze, Starkregen, Dürre

Forscher drängt auf „Klima-Planungswandel“ in den Rathäusern

Carl-Friedrich Höck13. Mai 2024
Hochwasser in Nordrhein-Westfalen im Januar 2024: Kommunen müssen sich auf häufigere Fluten und Hitzewellen einstellen.
Die Städte und Gemeinden tun zu wenig, um sich gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der RPTU Kaiserslautern im Auftrag der Baustoff-Branche. Dringender Handlungsbedarf bestehe in mehreren Bereichen.

Die Städte, Gemeinden und Landkreise sind auf die Auswirkungen des Klimawandels nicht vorbereitet und müssen sich umbauen. So lautet das Fazit einer Studie der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU Kaiserslautern). In Auftrag gegeben wurde sie von der Initiative „Verantwortung Wasser und Umwelt“. Diese wird vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel getragen.

„Vom Starkregenrisikomanagement zur klimaresilienten Stadt“ lautet der Titel der Studie. Erstellt hat sie Theo G. Schmitt, Professor am Fachbereich Bauingenieurswesen der RPTU. Klimaschutz werde nicht verhindern, dass der Klimawandel sich negativ auf die deutschen Kommunen auswirkt, erklärte er am Montag bei einer Pressekonferenz in München. Schmitt erwartet zunehmende Hitze, Trockenheit, Stürme, Starkregen und Fluten.

Risikokarten sollen genaue Informationen liefern

Der Experte meint: „Deutschland braucht dringend eine Klima-Risiko-Analyse für alle Städte und Gemeinden.“ Unter anderem sollten alle Kommunen Gefahren- und Risikokarten für Starkregen erstellen – und die Bürger*innen über die Ergebnisse informieren. Auf den Risikokarten soll bis aufs Haus genau eingetragen werden, wie groß die Überflutungsgefahr ist. Dabei soll die Kapazität der Kanalsysteme genauso berücksichtigt werden wie die lokale Topografie, also zum Beispiel Gefälle oder Grünflächen, auf denen Wasser versickern kann.

Diese Informationen würden es einerseits den Hausbesitzer*innen ermöglichen, Schwachstellen zu erkennen und ihr Haus umzubauen. Zum anderen hält Schmitt auch einen systematischen kommunalen Hochwasserschutz für notwendig: mit Regenbecken, Flutmulden oder Notwasserwegen.

Der Klimawandel verstärkt nicht nur das Flut-Risiko, sondern führt auch dazu, dass sich weniger Grundwasser neu bildet, es also zu Wasserknappheit kommen kann. Darauf müssten die Kommunen mit sogenannten Schwammstadt-Konzepten reagieren, betont Schmidt. Gemeint sind: Wasserdurchlässige Beläge, Versickerungsmulden, unterirdische Zisternen und weitere Maßnahmen, die dafür sorgen, dass Wasser lokal gespeichert wird. Schmitt plädiert auch dafür, Regenwasser und leicht verschmutztes Abwasser verstärkt als Brauchwasser zu nutzen – zum Beispiel für die Toilettenspülung.

Mehr Hitzeschutz

Mehr tun müssen Kommunen nach Meinung des Forschers zudem für den Hitzeschutz. Schmitt rät Kommunen dazu, Klimakarten zu erstellen, die deutlich machen, wo sich die Hitze an warmen Tagen besonders staut – um im zweiten Schritt Gegenmaßnahmen zu treffen. Dazu gehören Grünanlagen, Frischluftschneisen und Schattenplätze. Und auch Architekturbüros und Baustoffhersteller seien gefragt, weil sie zum Beispiel mit Dach- und Fassadenbegrünung die Temperatur in Innenräumen senken könnten. Und Kraftwerke sollten sich möglichst im Verbund koordinieren, um Engpässe bei der Kühlwasserversorgung überbrücken zu können.

Die Politik hat das Thema Klimaanpassung zunehmend auf der Agenda. Im November 2023 hat der Bundestag ein Klimaanpassungsgesetz verabschiedet. Es verpflichtet die Kommunen, flächendeckend Klimaanpassungskonzepte zu erstellen. Für Schmitt steht fest: Es dürfe nicht bei Konzepten bleiben. Die Kommunen müssten darauf aufbauend auch Maßnahmen priorisieren und umsetzen.

Die Initiative „Verantwortung Wasser und Umwelt“ fordert Bund und Länder auf, den Kommunen dafür genügend Geld zur Verfügung zu stellen und sie fachlich zu begleiten. Fördertöpfe gibt es bereits, etwa das Programm „Anpassung Urbaner Räume an den Klimawandel“. Dass längst nicht alle Gemeinden die Klimaanpassung verschlafen haben, darauf verweist Roman von Urbanowicz von der Initiative hin. Die Stadt Bamberg oder der Landkreis Ebersberg hätten zum Beispiel schon ein Klimaanpassungskonzept. Und es gebe in manchen Kommunen Klimamanager, bei denen die Fäden zusammenliefen. „Es braucht immer einen Kümmerer, damit etwas passiert, ansonsten wird nur geredet“, meint Urbanowicz.

 

Weitere Informationen
Das Umweltbundesamt hat 2022 Handlungsempfehlungen zu Klimarisikoanalysen auf kommunaler Ebene veröffentlicht. Diese können auf umweltbundesamt.de kostenlos heruntergeladen werden.

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