18. DEMO-Kommunalkongress

Die Verleihung der Kommunalfüchse

Ulf Buschmann09. November 2023
Demo-Kommunalfuchs
Strahlende Gesichter nach der Verleihung des DEMO-Kommunalfuchses in Berlin.
Zum DEMO-Kommunalkongress gehört die Verleihung der Kommunalfüchse. Für ihr Engagement wurden in diesem Jahr die AsF Erfurt, Stefan Sternberg, Landrat von Ludwigslust-Parchim und Roland Schäfer für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Saskia Esken hatte spontan ihren Terminkalender umgeworfen. Weil die SPD-Co-Vorsitzende am Freitag zu einer namentlichen Abstimmung im Bundestag erscheinen muss und nicht über das Thema „KI in der Verwaltung“ diskutieren kann, kam Esken am Donnerstagabend als Laudatorin zur Verleihung des DEMO-Kommunalfuchses. Dass es gerade eine Gruppe der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) ist, die geehrt wurde, freute Esken besonders. „Stadt der Frauen“ heißt das Projekt der AsF Erfurt. Mit Claudia Michelfeit und Astrid Baumann waren zwei der Initiatorinnen nach Berlin ins "Umweltforum Besondere Orte" gekommen.

In Zeiten großer Herausforderungen mit aufeinanderfolgenden Krisen sei es wichtig zu wissen, dass Politik vor allem vor Ort gemacht werde, hob die Co-Parteivorsitzende in ihrer Laudatio hervor: „Es ist die große Kraft der SPD, dass es auf kommunaler Ebene so viele Engagierte gibt.“ Die Sozialdemokratie gebe den Menschen unter anderem durch Teilhabe und Bildung Sicherheit. Sie wiederum „ist die Grundlage dafür, dass wir uns Veränderungen zutrauen“.

Erfurt, die weibliche Stadt

Veränderungen in der Stadtgesellschaft ist das, was die AsF Erfurt erreichen möchte – „ohne Mandat, aber mit Macht“, freute sich Esken. Mit dem Mandat soll es indes anders werden: Der neue Stadtrat soll nach der Kommunalwahl im kommenden Jahr weiblicher werden. Esken lobte das Engagement von in erster Linie fünf Frauen, diese und ihre Bedürfnisse sichtbar zu machen. „Nur eine Stadt für Frauen ist eine Stadt für alle“, brachte es die SPD-Co-Vorsitzende auf den Punkt. Und: „Mit Eurem Engagement gelingt es, Eure Stadtgesellschaft zu wenden.“

Konkret haben sich die Initiatorinnen zum Ziel gesetzt, in erster Linie die Stadtplanung so zu verändern, dass nicht nur die männliche Sicht in den Fokus genommen wird. „Dabei sollen auch die Wünsche und Vorstellungen von Älteren und Jüngeren, Familien und Menschen ohne Kinder oder mit Beeinträchtigungen einfließen“, heißt es hierzu in einem Informationsblatt.

Vorhaben „empathische Kommunikation“

Zu den insgesamt fünf Vorhaben gehört es ebenso, dass die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung „empathischer“ mit den Menschen kommunizieren – mit „dem Blick für die Perspektiven von Eltern und neu Zugezogenen“. Und: „Bei Ausweichquartieren von Schulen, bei eingeschränkten Betreuungszeiten der Kindergärten und bei knappen Betreuungsplätzen wünschen sich Eltern verlässliche Informationen und Beteiligung. Mitarbeitende der Stadtverwaltung sollen für Sprachbarrieren, Traumaerfahrungen oder Mobilitätseinschränkungen sensibilisiert werden, um damit besser umgehen zu können.“

Stefan Sternberg: Bewährungsprobe Waldbrände

Als Preisträger Nummer zwei wurde Stefan Sternberg, Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim, mit dem Kommunalfuchs ausgezeichnet. Sein Laudator konnte, sehr zum eigenen Bedauern, nur per Videobotschaft dabei sein: Michael Ebling, Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz und langjähriger Vorsitzender der Bundes-SGK. Er lobte die erfolgreiche Arbeit Sternbergs. So habe dieser beim Umgang mit den Flüchtlingen die Balance zwischen Chance und Förderung einerseits sowie die Schaffung eines Ordnungsrahmens andererseits hinbekommen.

Bekannt hingegen wurde der Landrat durch den Ausbruch der großen Waldbrände in Mecklenburg-Vorpommern. Sternberg habe diese in seiner Intensität bis dato ungewöhnliche Lage nicht nur gut gemanagt, sondern gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden auch für die Zukunft die richtigen Schlüsse gezogen habe. Aufgrund der Erfahrungen der ersten Waldbrand-Welle hätten alle Verantwortlichen des Landkreises danach gewusst, wie solch ein Ereignis abzuarbeiten sei.

Ebling nahm die Erfahrungen von Sternberg, seinem Team und allen beteiligten Einsatzkräften zum Anlass, um dafür zu werben, „den Katastrophenschutz aus seiner Nische herauszuholen“. Dieses sei eine Aufgabe für alle Menschen. An denen sei der Landrat dran, wie er selbst in seiner kurzen Dankesrede meinte. Um gerade in solch schwierigen Zeiten ins Gespräch zu kommen, sei es wichtig, vor Ort zu sein.

Kommunalfuchs: Ehrung fürs Lebenswerk

Zur guten Tradition der Verleihung der Kommunalfüchse gehört es auch, Menschen für ihr Lebenswerk zu ehren. In diesem Jahr war es Roland Schäfer. Der Sozialdemokrat war unter anderem von 1998 bis 2020 hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Bergkamen. Darüber hinaus engagierte sich Schäfer im Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen, im Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie in diversen Interessenverbänden. Logisch, dass mit Ralph Spiegler, gleich einer der Oberen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes nach Berlin gekommen war: Er ist dessen 1. Vizepräsident.

„Im kommunalpolitischen Bereich klingt Dein Name wie ein Donnerhall“, hob er in seiner kurzen Rede hervor. Drei „Prüfsteine“ habe Schäfer in seiner Laufbahn bestanden: den als Bürgermeister, als Mitglied der SGK des Deutschen Städte- und Gemeindebundes und schließlich dem als Sozialdemokrat. Schäfer war 1983 in die Partei eingetreten. Ihre Ideale Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit habe Schäfer auf allen Ebenen gelebt – „als Lehrmeister, Wegbereiter und Begleiter“, freute sich Spiegler.

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