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Mit Anlauf in ein neues Leben

Patrik Lauer 04. Januar 2018
Landrat Patrik Lauer über ein einzigartiges Projekt für junge Arbeitslose in seinem Landkreis.

„Wir nehmen die jungen Menschen an die Hand und lassen sie nicht mehr los, bis sie sich ein selbstbestimmtes Leben aufgebaut haben“ – so erklärt der Saarlouiser Landrat Patrik Lauer ein einzigartiges Projekt für junge Arbeitslose in seinem Landkreis. In der Karl-Ludwig-Balzer-Allee 13–15 in Saarlouis, auch „Startbahn 25“ genannt, finden junge Leute ohne Arbeit Unterstützung unter einem Dach. Persönliche Coaches, Sozialpädagogen, Lehrer, Mitarbeiter des Jobcenters, Psychologen – sie alle sind da, sind Teamplayer und direkte Ansprechpartner, wenn es darum geht individuelle Lösungswege für jeden einzelnen jungen Menschen zu finden. „Bei vielen Jugendlichen ist die Arbeitsaufnahme gleich durch mehrere Faktoren gehemmt. Wir legen unser Augenmerk nicht nur auf ein Problem, sondern betreuen ganzheitlich. Ein perfekt aufeinander abgestimmtes Hilfesystem ermöglicht kurze Wege, um Schwierigkeiten aufzufangen und Talente herauszufinden“, berichtet der Landrat.

Die Startbahn 25 als eigener Organismus

Besonders ist dabei außerdem ein Ansatz, der weit über theoretische Bewerberfragebögen hinausgeht: Auf etwas mehr als 2.000 Quadratmetern können sich die Jugendlichen in der Praxis ausprobieren. Wer will, kann sich an der Holz- oder Metallbank versuchen. Die Malwerkstatt hält Angebote für Kreative bereit und im kaufmännischen Bereich können Teilnehmer im Echtbetrieb mitarbeiten. Etwa 230 Jugendliche durchlaufen die Startbahn zurzeit, die wie ein eigener Organismus aufgebaut ist. Wer in den Werkstätten eingeteilt ist, kümmert sich um die Inneneinrichtung und die Reparaturen. Für Logistik und Beschaffung sind die Jugendlichen in der kaufmännischen Abteilung zuständig und es gibt auch einen hauswirtschaftlichen Bereich.

Werktags öffnet die Startbahn um acht Uhr ihre Türen – das heißt dann auch Anrücken für die Teilnehmer. Landrat Lauer betont dabei, wie wichtig es sei, junge Leute zu fördern und zu fordern: „Bei Nichterscheinen reagieren wir sofort. Das ist bei uns keine Option. Und falls doch mal jemand nicht auftaucht, klopft der Aufsuchende Dienst der Startbahn Zuhause an.“ Die meisten kämen aber gerne und freiwillig, weiß Lauer. In schwierigeren Fällen gehe es oft erstmal darum, eine Tagesstruktur aufzubauen, frühes Aufstehen und Termine einhalten zu trainieren.

„Hier findet sich immer jemand, der sich kümmert“

Dazu gehört auch das gemeinsame Essen, denn in der Startbahn wird täglich gekocht. Es sind junge Leute wie Janine Winter, die zeigen, dass es funktioniert. Die 24-jährige Mutter hat hier in der Startbahnküche ihre Freude am Kochen und einen Plan für ihre berufliche Zukunft gefunden. Vor der Geburt ihres Sohnes hatte sie den Hauptschulabschluss gemacht, das anschließende Freiwillige Soziale Jahr jedoch abgebrochen. „Viele Jugendliche hier sind schon einmal im Leben gescheitert“, berichtet Lauer. Manchmal fehle einfach ein familiäres Umfeld, das Halt gibt. Umso wichtiger sei der Zusammenhalt in der Startbahn: „Ob große oder kleine Schwierigkeiten, hier findet sich immer jemand, der sich kümmert.“

Jugendarbeitslosigkeit auf 0,1 Prozent gesenkt

Insgesamt konnte die Jugendarbeitslosigkeit im Landkreis Saarlouis durch das Projekt „Startbahn 25“ von 4,8 auf 0,1 Prozent abgesenkt werden. Damit das so bleibt, lässt sich der Landkreis dieses aufwendige Zusammenspiel einiges kosten. „Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, jedes Jahr knapp zwei Millionen Euro in die Startbahn zu geben. Denn wenn Erwerbsbiografien schon am Anfang schief laufen, verbleiben viele für Jahre im Leistungsbezug. Das ist keine Alternative für uns und erst recht nicht für die Zukunft der jungen Leute“, betont Lauer.

www.startbahn25.de

 

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