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Nahverkehr stärken – das Gebot der Stunde

Thomas Jung18. Februar 2019
Thomas Jung
Thomas Jung
Förderprogramme für den ÖPNV setzen an der falschen Stelle an, meint Fürths Oberbürgemeister Thomas Jung. Für die Kunden seien Qualität, Geschwindigkeit und Preis entscheidend und nicht, ob man das Ticket per App kaufen kann. Jung nennt auch eine Bedingung, damit der Umstieg auf E-Mobilität gelingen kann.

Aus Berlin gibt es viele schöne Programme zur Stärkung des Nahverkehrs, die attraktiv und sinnvoll klingen. Bei näherer Betrachtung kommen jedoch Zweifel auf. So gibt es beispielsweise viel Geld für die „Digitalisierung“ des Nahverkehrs. Wenn aber in einem Landkreis der Bus nur zweimal am Tag kommt, dann ist es für die Bürgerinnen und Bürger egal, ob sie das Ticket dafür online oder am Automaten kaufen.

Gut, schnell und günstig muss der Nahverkehr sein

Besser wäre es, wenn der Bus dreimal oder öfter kommen würde. Es ist ein krasses Beispiel dafür, dass Mittel in Programmen gebunden werden, die letztlich für die Bürgerinnen und Bürger keinen schnellen Fortschritt bewirken und damit auch nicht für die Umwelt. Das Geld sollte viel eher in die Modernisierung und in eine umweltgerechte Erneuerung der Fahrzeugflotten im Nahverkehr gesteckt werden. Zugleich sollten die Träger so ausgestattet werden, dass Fahrpreissenkungen möglich sind.

Die Qualität und die Geschwindigkeit des Transports sowie der Preis sind aus meiner Sicht die entscheidenden Faktoren für einen starken Umstieg von Pendlern, welche das Auto nutzen, auf den öffentlichen Nahverkehr. Dies kann gelingen, wenn die versprochenen Milliarden schnell, unbürokratisch und zielgerichtet in den kommunalen Verkehrsbetrieben ankommen. Darauf wollen wir auf der kommunalen Ebene mit Nachdruck drängen. Denn in immer mehr Verdichtungsräumen ist neben der Wohnungsnot das Thema Verkehrsbelastung für die Bewohner das größte Ärgernis. Neben einem Zuwachs im Nahverkehr kann auch der gebotene Umstieg auf die Elektromobilität gelingen. Dieser bietet riesige Chancen für Lärm- und Abgasreduzierungen in unseren Städten und Gemeinden.

Der Umstieg weg von Diesel und Benzin muss gelingen

Dazu müsste allerdings ein Enddatum für den Verbrennungsmotor beschlossen werden, denn genauso gelang die Energiewende: Mit dem Enddatum für die Atomkraftwerke. Diesem Prinzip folgen auch immer mehr andere Länder, zuletzt Dänemark mit der Festlegung für ein Ende des Verbrennungsmotors im Jahr 2030. Auch in Deutschland müssen die Diskussion um das Thema sowie eine Einigung auf einen Zielkorridor im gesellschaftlichen Konsens gelingen. Dabei braucht es natürlich genug Zeit, um unser Land auch ohne wirtschaftliche Krisenerscheinungen in der Schlüsselbranche Automobilwirtschaft umzustellen. Andere Länder gehen diesbezüglich unbeirrt voran – auf Dauer führt kein Weg an diesem Fortschritt vorbei. Deutschland als Automobilland Nummer 1 sollte sich an die Spitze der Bewegung setzen und nicht mit dem Diesel als Letztes ankommen.

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