Digitale Verwaltung

Der digitale Archivar

Uwe Roth02. Dezember 2020
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeit in den öffentlichen Verwaltungen.
Wie künstliche Intelligenz die Arbeit im städtischen Archiv in Heillbronn verändert.

Eine Million Fotos lagern im Archiv der Stadt Heilbronn. Das ist ein wertvoller Schatz. Doch was nützt der historische Bildbestand Archivaren, wenn die Datenbank nicht weiß, wer oder was auf den Bildern zu sehen ist? Miriam Eberlein ist Mitarbeiterin des städtischen Archivs. Seit ­Januar erprobt sie als ­Projektverantwortliche eine Software, die es weitgehend selbstständig schafft, Gebäude und Gesichter zu erkennen und zu benennen. Künstliche Intelligenz (KI) beschleunige die Verschlagwortung und Recherchierbarkeit, versprechen die Programmentwickler. „Es verändert unsere Arbeit“, antwortet Eberlein eher vorsichtig auf die Frage nach einer ersten Bilanz. Ihr Projekt endet im Oktober 2020. Die Kosten von mehr als 134.000 Euro teilen sich die Stadt und das Land Baden-­Württemberg.

Software musste trainiert werden

Nun war es nicht so, dass die Anbieter­firma ihre Software DeepVA auf den kommunalen Rechnern installiert hat und die Archivmitarbeiterinnen und -mitarbeiter loslegen konnten. „Die Software musste für Heilbronn erst trainiert werden, um überhaupt brauchbare Daten zu liefern“, sagt sie. Dass heißt, das Programm musste die wichtigsten Persönlichkeiten und Gebäude der Stadt kennenlernen. Die Erkennung von Gesichtern ist nunmehr kaum noch ein Problem. Für diese Art von Software gibt es inzwischen viele Verwendungsmöglichkeiten, die auch in den sozialen Medien verbreitet sind. Probleme machten allerdings Fragen des Datenschutzes. Auf Fotos mit einem Prominenten stehen möglicherweise Personen, die noch leben. „Wir haben uns das Thema Datenschutz sehr gut angeschaut“, ­versichert sie.

Erkennen von Gebäuden

„Eine größere Herausforderung als die Gesichtserkennung ist aber die Benennung von Gebäuden“, so Eberlein. Das Programm müsse mit den architektonischen Merkmalen eines Gebäudes ­vertraut gemacht werden. Erst dann bestehe überhaupt die Chance, dass es – ­fotografiert aus den unterschied­lichsten Winkeln – von der KI erkannt werden kann. Ist sich das Programm seiner ­Sache nicht sicher, macht es zumindest Vorschläge, welche Motive zu sehen sein könnten. „Am Ende muss weiterhin ein Mensch entscheiden, ob die KI ­richtigliegt“, ist so eine Erfahrung aus den ersten Testwochen.

Die Änderung in der Arbeit erklärt die Archivarin so: Bislang werden Fotos in die Datenbank eingepflegt, wenn Zeit oder ein Praktikant vorhanden sind. Wird etwas nicht erkannt, kann die ­Archivrecherche nach der richtigen Person oder dem abgebildeten Gebäude ziemlich aufwendig werden. „Schlimm ist es, wenn Archivare nach vielen ­Berufsjahren in Rente gehen. Damit ­nehmen sie viel Wissen mit.“

Die Software DeepVA soll in Heilbronn jedenfalls noch lange im Einsatz bleiben und ihr Wissen mit jedem abgelegten Foto vergrößern – so dass es in Zukunft nicht mehr verloren gehen kann.

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