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Wassermanagement an Spree und Schwarzer Elster

Mit dem Klimawandel drohen extreme Niedrig- oder Hochwasserphasen. Die Region will sich dagegen wappnen.
von Harald Lachmann · 11. Dezember 2020
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Geht der Lausitz das Wasser aus? Dieser brandenburgisch-sächsischen Region, aus der auch das Trinkwasser für Berlin kommt, prophezeit man wegen des Klimawandels schon ­lange „die Versteppung“. Aktuell hat sich die Niedrigwassersituation im Oberlauf der Spree und in den Zuflüssen auf sächsischem Gebiet verschärft. Es ist nicht auszuschließen, dass einzelne Flussabschnitte im Einzugsgebiet der Spree austrocknen.

Zwischen Hoyerswerda und Senftenberg ist die Schwarze Elster trockengefallen, warnen die zuständigen Ministerien von Sachsen, Brandenburg sowie die Berliner Senatsumweltverwaltung besorgt.

Deshalb tagt auch regelmäßig eine länderübergreifende Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Extremsituation“. „Die bisher eingeleiteten Maßnahmen reichen nicht mehr aus, um den extrem angespannten Abflussverhältnissen in den Einzugsgebieten von Spree und Schwarzer Elster zu begegnen“, hieß es nach dem letzten Treffen Mitte August.

„Klimawandel begrenzen“

Gisela Reetz, Staatssekretärin im sächsischen Umweltministerium sagte: „Wir haben in den sächsischen Speichern deutlich weniger Wasser und die Situation spitzt sich zu. Deshalb gilt es kurzfristig, Wasser zu sparen. Zugleich zeigt die Lage, wie wichtig die gute und enge Zusammenarbeit mit Brandenburg und Berlin ist.“ Mit den größten Wassernutzern, den Fischereibetrieben, ist die Landesverwaltung nach eigenen Angaben schon seit 2018 im Gespräch, „um den notwendigen Wasserbedarf zur Bewirtschaftung der Teiche auf ein Minimum zu reduzieren, ohne dabei größeren Schaden zu verursachen“. Für Reetz wird deutlich, „wie dringlich wir den Klimawandel begrenzen müssen“.

Das Wasserproblem in der Lausitz ist auch eine Folge des Braunkohlebergbaus. In der Wasserbilanz der Region macht sich etwa auch die Oberflächenverdunstung der großen Tagebauseen bemerkbar. „Sie verdampfen in jeder Sekunde 15 Kubikmeter Wasser!“, weiß Roland Socher. Er ist Vorsteher des kommunale Wasserverbands Lausitz (WAL). Dieses Nass fehle dann ebenfalls in den Flüssen. Abhilfe schaffe aber der Braunkohlebergbau, der abgepumptes Grundwasser aus den Tagebauen in die Flüsse einleitet und aktuell stabilisierend wirkt.

Wasserverbrauch seit zehn Jahren stabil

Zum kommunalen Wasserverband Lausitz hatten sich in den 1990er Jahren Städte und Gemeinden aus den brandenburgischen Landkreisen Ober-Spreewald-Lausitz und Elbe-Elster zusammengetan, inzwischen sind es 26 Mitglieder. Von Anrufen verunsicherter Bürgermeisterinnen und Bürgermeister oder Reglementierungen der Einwohnerinnen und Einwohner in Bezug auf die Trinkwasserentnahme – etwa für Rasenpflege oder Swimmingpools – kann Socher nichts berichten. „Ich spitze es mal etwas zu: Selbst wenn es die nächsten 30 Jahre nicht regnet, können wir noch immer stabil versorgen.”

Als Hauptgrund für diesen Optimismus gibt er die Tiefe an. „Die Region wird vom Lausitzer Urstromtal mit ergiebigen Grundwasservorkommen durchzogen“, erläutert der promovierte Chemiker, der sich sein ganzes Berufsleben mit Wasser beschäftigt. Ohne den Klimawandel negieren zu wollen, hält er die momentane Panik für eine Art medialen Zeitgeist. „Wir vergessen zu schnell!“, so Socher. Denn laut Statistik seien in Senftenberg, wo der WAL sitzt, „in den vergangenen zehn Jahren sieben Sommer feuchter als der langjährige Durchschnitt“ gewesen.

Obgleich die Lausitz nach 1990 ein Viertel der Bewohner verlor, hält sich der Wasserverbrauch seit gut zehn Jahren stabil. „Kommunen und Industrie verbrauchen wieder mehr, als prognostiziert war“, so der WAL-Vorsteher. Doch Probleme bereite das seinem Verband nicht. Dank kluger Investitionen seitens der Mitgliedskommunen betreibt man heute in Tettau das größte Wasserwerk Brandenburgs. Dessen Förderpumpen heben nicht nur an besonders heißen Tagen bis zu 40.000 Kubikmeter aus dem Erdreich – gut die Hälfte davon liefert man sogar nach Sachsen. Im Gegenzug haben sich sächsische Gemeinden 2019 finanziell an der Erweiterung des Werks um eine zusätzliche Aufbereitungskapazität von stündlich 1.000 Kubikmetern beteiligt. „Das spült auch gleich noch 10 Cent pro Kubikmeter in den Potsdamer Landeshaushalt“, verrät Socher.

Berlin bereitet Masterplan vor

So befindet sich auch der Verband in ­einer wirtschaftlich stabilen Lage und gibt dies auch an die Bürgerinnen und Bürger weiter. Die SPD-Bürgermeister Andreas Fredrich (Senftenberg) und Thomas Zenker (Großräschen) sowie ihre Amtskollegen im neunköpfigen WAL-Vorstand legen Wert darauf, dass sich seit dem Jahr 2000 die Wasser- und Abwassergebühren nicht erhöhten haben.

Die drei Bundesländer nehmen indes die Lage sehr ernst: Der Klimawandel werde „zu einschneidenden Maßnahmen im Spreewaldgebiet zwingen“, teilt Brandenburgs Umweltstaatssekretärin Silvia Bender mit. In Brandenburg werde an einem Niedrigwasserkonzept gearbeitet, der Entwurf soll dieses Jahr vorgelegt werden. Auch Berlin bereitet sich vor und arbeitet an einem Masterplan, um in den kommenden Jahrzehnten gewappnet zu sein. Dazu gehören auch Investitionen in die Wasserinfrastruktur zur Bewältigung extremer Wetterlagen, etwa in Wasser- und Pumpwerke sowie die Regenwasserbewirtschaftung. Auch Socher fordert Investitionen: Es fehle im Spreewald­gebiet an Speichern und Handhaben, um die Abflüsse zu regulieren. Außerdem beunruhigt Roland Socher ein Zuviel an Nass. Er ist sicher: Die nächste Flut kommt bestimmt – vielleicht schon bald.

Autor*in
Harald Lachmann

  ist diplomierter Journalist, arbeitete zunächst als Redakteur bei der Leipziger Volkszeitung, zuletzt als Ressortleiter Politik, und schreibt heute als freier Autor und Korrespondent für Tages-, Fach- sowie Wirtschaftszeitungen. Für die DEMO ist er seit 1994 tätig.
 
 

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