Umfrage zum Digitaltag

Drei von vier Deutschen sehen Künstliche Intelligenz als Chance

Carl-Friedrich Höck05. Juni 2024
Der Siegeszug von ChatGPT hat für eine breite Öffentlichkeit sichtbar gemacht, welche Potenziale in Künstlicher Intelligenz stecken. KI ist auch das Schwerpunktthema des Digitaltages 2024.
Künstliche Intelligenz kann kommunale Verwaltungen moderner machen. Aber lassen sich die Bürger*innen auf die neue Technik ein? Eine Umfrage zum Digitaltag zeigt: Grundsätzlich sind die Deutschen aufgeschlossen für KI.

Für Landrat Christian Engelhardt steht fest: „Künstliche Intelligenz wird unser Leben verändern“. Und sie könne für das Gemeinwohl eingesetzt werden. Als Vertreter des Deutschen Landkreistages setzt Engelhard große Hoffnungen in die Technologie. Das erklärte er bei einem Online-Pressegespräch zum bevorstehenden Digitaltag am 7. Juni 2024.

Neue Chancen für Kommunen

Gerade den Verwaltungen böte die Digitalisierung große Chancen, zeigte sich Engelhardt optimistisch. Dort herrsche Fachkräftemangel. Manche automatisierbaren Aufgaben könnten auf Maschinen übertragen werden, sagte der Landrat des Kreises Bergstraße. Chatbots und Sprachmodelle könnten dafür sorgen, „dass eine Verwaltung rund um die Uhr erreichbar ist“. Und zwar niedrigschwelliger als bisher, indem sich die Angebote dem Sprachlevel der Kund*innen anpassen.

KI könne aber auch dem Staat helfen, Prozesse besser zu steuern, ergänzte Engelhardt. Als Beispiel verwies er auf Müllfahrzeuge, in denen Handys angebracht sind, die während der Fahrt mittels KI den Zustand der Straßen auswerten. So könnten Gelder für die Straßenreparatur effizienter eingesetzt werden. KI biete also viel Potenzial für die Kommunen, meinte Engelhardt. Aber: „Es braucht die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich darauf einzulassen.“

Bitkom-Umfrage zur Digitalisierung

Die Voraussetzungen dafür stehen nicht schlecht. Das zeigen Ergebnisse einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom, die dessen Präsident Ralf Wintergerst am Mittwoch präsentierte. Demnach betrachten 74 Prozent der Deutschen KI als Chance. Nur 24 Prozent nehmen sie überwiegend als Gefahr wahr.

Bitkom fragt alljährlich auch die Einstellung der Deutschen zur Digitalisierung allgemein ab. In diesem Jahr gaben 86 Prozent der Befragten an, sie stünden der Digitalisierung grundsätzlich positiv gegenüber. Es sei erstaunlich, dass die Zahlen über alle Altersgruppen hinweg ähnlich seien, kommentierte Wintergerst.

Dagegen wird das Tempo der Digitalisierung unterschiedlich bewertet. Insgesamt sagten 59 Prozent der Befragten, es gehe ihnen in Deutschland zu langsam voran. 22 Prozent antworteten, sie empfänden das Tempo der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft als zu schnell. In der Altersgruppe über 75 Jahre steigt dieser Wert auf 47 Prozent – da kommt also fast jede*r Zweite nach eigenem Eindruck mit der rasanten Entwicklung nicht mehr mit.

Volkshochschulen vermitteln KI-Kompetenzen

Wer Rat sucht, kann sich unter anderem an die Volkshochschulen wenden. Darauf wies die Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes Annegret Kramp-Karrenbauer hin. Die Volkshochschulen legten Wert darauf, mit ihren Angeboten kritische Medienkompetenz zu vermitteln. Dazu gehöre selbstverständlich auch das Thema Künstliche Intelligenz.

Der Digitaltag wird von der Initiative „Digital für alle“ ausgerichtet. Sie wurde 2019 gegründet und wird von 25 Organisationen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen getragen, darunter die kommunalen Spitzenverbände, die AWO oder die Gewerkschaft Verdi. Ziel ist es, die digitale Teilhabe in Deutschland zu fördern.

Prämierte Digital-Projekte

Zum Digitaltag 2024 hat die Initiative einen Preis für digitales Miteinander ausgelobt. Unter 200 Bewerbungen wurden zwei Projekte ausgewählt, sie erhalten je 5.000 Euro Preisgeld. Gewonnen hat zum einen das Projekt „Digital Coaches – digitale Hilfe für Seniorinnen und Senioren von Jugendlichen“. Es wird vom Verein „Sonay soziales Leben“ aus Berlin durchgeführt. Die Idee: Junge Menschen zwischen 14 und 18 Jahren werden zu Coaches ausgebildet und schulen anschließend Senior*innen zu Themen wie Online-Banking oder E-Rezept.

Der zweite Sieger ist das Projekt „Online gut beraten: anonym, traumasensibel, datensicher“ des Vereins KARIO aus Plauen. Er bietet eine anonyme Online-Beratung an für Menschen, die schwerste Gewaltformen erlebt haben. Das Projekt soll auch Menschen erreichen, die für klassische Hilfsangebote nicht zugänglich sind, beispielsweise aus Zeitgründen. Es steht Betroffenen deutschlandweit und kostenfrei zur Verfügung.