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Meisterfeier in Leverkusen: „Wir haben die Balkone in den Herzen”

Bayer 04 Leverkusen ist Deutscher Fußballmeister. Einen Rathausbalkon für die Meisterfeier gibt es nicht. Oberbürgermeister Uwe Richrath sieht darin kein Problem und erzählt, was der sportliche Titel für die Stadt bedeutet.
von Carl-Friedrich Höck · 2. Mai 2024
Am 14. April nach dem Spiel gegen Werder Bremen stand der Titel für Leverkusen fest – und die Fans stürmten den Platz

DEMO: Glückwünsch, Herr Richrath! Ihre Stadt stellt mit Bayer Leverkusen den neuen deutschen Fußballmeister. Welche Rolle spielt die Stadtverwaltung bei der anstehenden Meisterfeier?

Uwe Richrath: Wir stimmen uns eng mit der Fußball-GmbH (Bayer 04 Leverkusen, d. Red.) ab. Das betrifft zum einen das Sicherheitskonzept. Und es wird natürlich einen ganz offiziellen Akt geben, nämlich den Eintrag der Mannschaft ins Goldene Buch der Stadt. Geplant ist außerdem ein großes Eventprogramm. Auch dazu sind wir in der Abstimmung: wie ist die Ordnungssituation, welche Genehmigungen sind nötig und wie bewerben wir das Ganze gut?

Üblicherweise werden sportliche Erfolge auf dem Rathausbalkon gefeiert. Das Leverkusener Rathaus hat aber keinen Balkon. Dabei könnten mit dem DFB-Pokal und der Europa League noch weitere Titel dazukommen. Haben Sie schon einmal über einen Anbau nachgedacht?

(Lacht) Das alte Rathaus hatte einen Balkon, das haben wir im Jahr 1971 abgerissen. Ich sage immer: Wir haben die Balkone in den Herzen, das ist die Hauptsache. Und feiern können wir Rheinländer gut. Dafür finden wir immer schöne Plätze, das gilt auch für die Meisterfeier. Wir werden den Titel also gemeinschaftlich mit dem Team und der Bevölkerung feiern können. Da freue ich mich sehr drauf! (Anm. d. Red.: Die Feier wird am 26. Mai in und um die BayArena stattfinden.)

Sie wollten sich zu einer möglichen Meisterfeier nicht öffentlich äußern, bis der Titel offiziell feststeht. Wann haben Sie intern begonnen, sich Gedanken zu machen, wo so etwas stattfinden kann?

Schon relativ lange, bevor der Titel feststand, weil die Vorbereitung Zeit benötigt. Dazu muss man wissen: Wir sind durch unsere Geschichte stark vorbelastet. (Bayer Leverkusen verspielte 2002 in den letzten Tagen der Saison drei mögliche Titel, d. Red.) Trotzdem haben wir schon lange verschiedene Möglichkeiten ausgelotet. Wir rechnen mit sehr vielen Menschen und müssen einen Platz finden, wo wir so eine Veranstaltung mit maximaler Sicherheit durchführen können. Es wird ein großes Event, wie wir es vorher noch nie in der Stadt gehabt haben. Deshalb mussten wir uns intensiv mit der Werkself und allen Sicherheitskräften austauschen. Welche Euphorie der Titel in der gesamten Stadtgesellschaft ausgelöst hat, hat man nach dem Spiel gegen Bremen gesehen, als Bayer 04 den Titel vorzeitig gewonnen hat. Es war schon Wahnsinn, was da auf den Straßen los war. Ich bin gebürtiger Leverkusener, aber so etwas habe ich hier noch nicht erlebt.

Was bedeutet der Titel für die Stadt?

Zum einen, dass wir unser Trauma überwinden konnten, den Spitznamen „Vizekusen“. Wir erhalten aber jetzt auch eine ganz andere Aufmerksamkeit. Ich habe noch nie so viele internationale Presseanfragen bekommen. Der Titelgewinn hat eine Strahlkraft, die durch ganz Europa reicht. Leverkusen hat seit jeher ein starkes Image als Leistungssport-Stadt. Das betrifft nicht nur den Fußball. Gerade unser unsere Parathleten bringen bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zahlreiche Medaillen nach Hause. Aber auch in anderen Sportarten sind wir stark. Ich denke beispielsweise an die zahlreichen Erfolge der Leichtathleten, die Handball-Elfen, die Basketballerinnen der WINGS Leverkusen oder die Herren der GIANTS. Der grandiose Erfolg der Werkself setzt nun der Sportstadt Leverkusen die Krone auf. Nun wird sichtbar, dass Leverkusen seit jeher Spitzensport in die Welt exportiert. Ein Branding, das wir als Stadt nun intensiv nutzen werden.

Wie fördert die Stadt den Spitzensport und was tut sie für den Breitensport?

Sport generell spielt in Leverkusen eine große Rolle. Wir verfügen über eine gewachsene, große Vereinslandschaft, die wir als Stadt, auch über das Ehrenamt, unterstützen und fördern. Nach und nach werden Ascheplätze durch Kunstrasen ersetzt. In den Grünanlagen und entlang beliebter Laufstrecken bauen wir in Partnerschaft mit Sponsoren und Förderern kostenlose Trainingsanlagen für Kraftsport. Ein Gymnasium mit ausgewiesenem Leistungssportschwerpunkt zieht gerade junge Talente in die Stadt und ein vereinseigenes Sportinternat des TSV Bayer 04 Leverkusen bildet Spitzensportler unterschiedlichster Disziplinen aus. Events wie der Leverkusener EVL-Halbmarathon zieht jährlich tausende Sportler*innen auf die Strecke. Sport als Gemeinschaftserlebnis, das ist Teil unserer DNA. Darauf sind wir stolz und das zeigen wir.

Zum Schluss eine touristische Frage: Was sollten sich Fußballfans, die für einen Tag nach Leverkusen kommen, unbedingt anschauen?

Erstens natürlich das Stadion. Zweitens das Bayer-Kreuz. Und eine Besonderheit ist, dass Leverkusen 13 fantastische kleine Stadtteile hat. Aus diesen wurde die Stadt zusammengesetzt. Mein Stadtteil zum Beispiel ist um 1100 gegründet worden und liegt direkt am Rhein. Sie haben dort wunderbare Perspektiven auf den Fluss. Leverkusen hat die Romantik des Bergischen Landes und das Aufgeregte einer Industriestadt. Wir sind der größte chemische Standort in Europa, mit einer idyllischen Natur. Außerdem haben wir mit dem Museum Schloss Morsbroich eine bedeutende Sammlung zeitgenössische Kunst, die 1951, gleich nach dem Zweiten Weltkrieg als erster seiner Art eröffnet wurde.

Autor*in
Porträtfoto Mann mit Brille und dunkelblonden Haaren
Carl-Friedrich Höck

ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.

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