Mieten deutlich unter dem Marktpreis

Mit günstigen Werkswohnungen verschaffen sich die Kölner Verkehrs-Betriebe einen Standortvorteil und locken Personal in die Stadt. Wenn es nach der SPD geht, könnten bald noch mehr Menschen von Werkswohnungen profitieren.
von Maicke Mackerodt · 9. Juli 2021
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Die Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB AG) verliert in den kommenden Jahren mit mehr als 1.500 Mitarbeitern fast die Hälfte des Personals, rein altersbedingt. Um neue Angestellte für sich zu gewinnen, setzen die Kölner mit Hilfe der Wohnungs­gesellschaft der Stadtwerke Köln verstärkt auf Mitarbeiterwohnungen – mit Mieten deutlich unter dem Marktpreis.

Fürs Personal wird gebaut

In zentraler Lage mitten in Köln-Sülz, auch Beverly-Sülz genannt, entstehen 41 Wohnungen für KVB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter. Mit Bäckerei samt ­Café, einer vierzügigen Kindertagesstätte mit begrüntem Dach sowie einer Tiefgarage für 61 Autos, etwa 80 Räder sowie zehn Lastenräder. Die Werkswohnungen, gleich an der Endhaltestelle der Linie 9, liegen in einem quirligen ­Familien-Veedel mit viel Grün und sollen Ende 2022 fertig sein. Der Neubau kostet 16,35 Millionen Euro.

Die KVB AG ist eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Köln und kann aktuell auf 700 Wohneinheiten der Wohnungsgesellschaft der Stadtwerke, kurz WSK, zurückgreifen. Die Stadtwerke Köln mit ihren insgesamt 12.500 Beschäftigten zählen zur schwindenden Schar jener Unternehmen, die überhaupt noch über Mitarbeiterwohnungen verfügen. Der Grundgedanke dahinter ist alt und denkbar simpel. Fachkräfte sind knapp, bezahlbarer Wohnraum auch, vor allem in teuren Großstädten wie Köln.

„Wir wollen mit Werkswohnungen kein Geld verdienen, sondern Personal akquirieren und das war lange aus der Mode gekommen“, weiß Bernd Preuss. „Für uns sind Werkswohnungen ein Personalwirtschaftliches Instrument, Rendite steht nicht im Vordergrund. Weil die Stadtwerke Köln nicht umziehen können, müssen wir die Menschen mit bezahlbaren Wohnungsangeboten nach Köln holen“, so Bernd Preuss. „Wir bieten ihnen Sicherheit und setzen durch gemeinsames Wohnen mit Kollegen auf eine höhere Identifikation mit dem Unternehmen.“

SPD wünscht sich Wohnungen für Stadt-Angestellte

Im Rathaus wird immer wieder mal ­darüber gesprochen, dass die WSK ihre Bautätigkeit verstärken und ihren Mieterkreis auf Angestellte der Stadt Köln erweitern sollte. Für Christian ­Joisten, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion Köln, sind bezahlbare Werkswohnungen in der Nähe des Arbeitsplatzes, wie das Bauprojekt der KVB, „eine sozial­demokratische Kernforderung, die gerade ein erfolgreiches Comeback erlebt und für alle ein Gewinn ist“.

Die Kölner SPD will nicht nur das eigene städtische ­Instrument weiter stärken, sondern sich auch mit Nachdruck dafür einsetzen, das Angebot an Mitarbeiterwohnungen in Köln wieder zu erhöhen. Der Bau von Werkswohnungen ist für den SPD-Fraktionschef Christian Joisten, der seit 2014 Ratsmitglied ist, „ein gutes Modell für öffentliche wie auch private Unternehmen, um neue Mitarbeiter zu ­gewinnen“.

Dass die Immobilie ein wichtiger Standortfaktor im Wettbewerb um gesuchte Fachkräfte ist, war lange in Vergessenheit geraten. Nach ihrer Gründung vor gut 50 Jahren baute die WSK anfangs vor allem öffentlich geförderte Wohnungen. „In den 60er Jahren sind wir fulminant gestartet, dann haben wir den Bestand gehalten, aber nichts in die bauliche Substanz investiert“, erinnert sich WSK-Leiter Bernhard Preuss. Die Folge: Die Belegung durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städtischen ­Gesellschaften wie der Hafengesellschaft HGK oder der Abfallwirtschaftsbetriebe war erst rückläufig, Anfang 2010 brach die Nachfrage drastisch ein.

„Wohnungen sind Gold wert“

Wir haben uns zu meiner Freude entschieden, die Mitarbeiterwohnungen wieder als Potenzial zu sehen und viel in Generalsanierungen und Modernisierung der alten Wohnanlagen investiert“, so Bernd Preuss. Der kasernenhafte Charakter sei weg, da es längst nicht mehr nur darum geht, warm und trocken zu wohnen. „Wir achten auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das heißt mit dabei sind immer auch Kitas, Sharing-Fahrzeuge oder Leih-E-Bikes zur Community-Belebung. Und da die KVB mit ihren Fahrern im Schichtdienst ­darauf angewiesen ist, dass diese jobnah wohnen, sind Werkswohnung in zentraler Lage letztendlich Gold wert.

Unter den geplanten Neubauten befindet sich auch das im Norden gelegene prestigeträchtige Projekt im Clouth-Quartier in Köln-Nippes, wo 145 Wohnungen und ein Theater entstehen sollen. Zu den 13 federführenden Entwicklern gehört die Stadtwerke-Tochter „Moderne Stadt“. „Dort realisieren wir 60 Wohnungen. An der Amsterdamer Straße sind 85 neue Wohnungen geplant. Der Bauantrag ist gestellt, nur die Genehmigungsverfahren dauern elendig lange“, formuliert Bernd Preuss vorsichtig.

Rund zehn Prozent der Stadtwerke-Belegschaft sind in unternehmens­eigenen Wohnungen untergebracht: Bis 2025 wollen die Stadtwerke Köln 140 Millionen Euro in Sanierung und Neubau von Werkswohnungen investieren. Das Angebot „Job plus Wohnung“ soll bei der Mitarbeiter-Bindung helfen: Für Christian Joisten (SPD) „wirken Werkswohnungen, vor allem im mittleren Preissegment, preisdämpfend auf die überhitzen Wohnungsmärkte“.

Autor*in
Maicke Mackerodt

ist Journalistin, Audio-Biographin und Coach. Lebt in Troisdorf bei Köln, arbeitet seit 1996 frei für den Öffentlich-Rechtlichen Hörfunk (WDR5) und schreibt regelmäßig für die DEMO. Homepage: www.rhein-reden.de

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