Bürgermeister*innen

Wo die SPD in Hessen noch Wahlen gewinnt

Carl-Friedrich Höck10. Oktober 2023
Die Landesflagge Hessens
Die hessische Landtagswahl ist für die SPD enttäuschend verlaufen. Doch am Wahlabend konnte sie auch Erfolge feiern – bei Bürgermeisterwahlen. Ein Überblick. (Aktualisiert)

Ein Azubi schlägt seinen Chef. Diese ungewöhnliche Geschichte ist im hessischen Lautertal wahr geworden. Der Sozialdemokrat Lukas Becker hat dort am vergangenen Sonntag die Bürgermeisterwahl gewonnen, mit einem klaren Ergebnis von 60,1 Prozent. Die Wahl fand einen Tag nach seinem 26. Geburtstag statt. Damit wird Becker, wenn er im kommenden Jahr sein Amt antritt, der jüngste Bürgermeister Deutschlands sein, wie das Netzwerk Junge Bürgermeister*innen mitteilt.

Das Nachsehen hatte Amtsinhaber Dieter Schäfer (unabhängig), der aus dem Amt gewählt wurde. Kurios: Bis vor kurzem war Schäfer noch der Vorgesetzte seines Herausforderers. Denn als Becker seine Kandidatur erklärte, war der junge Sozialdemokrat Auszubildender in der Lautertaler Gemeindeverwaltung. Mittlerweile hat er seine Prüfungen bestanden.

Zahlreiche SPD-Bürgermeister gewählt

Beckers Wahlsieg war nicht der einzige Erfolg der hessischen SPD am vergangenen Wahlsonntag. Insgesamt verlief der Tag für die Partei zwar niederschmetternd, sie fuhr 15,1 Prozent der Stimmen ein und verlor sämtliche Direktmandate. Auf kommunaler Ebene aber weiß die SPD die Wähler*innen zu überzeugen. Bei diesen Bürgermeisterwahlen landeten Sozialdemokraten vorn:

  • In Bickenbach holte SPD-Politiker Markus Hennemann 60,7 Prozent der Stimmen.
  • 65,0 Prozent erreichte der Sozialdemokrat Frank Kohl in Gorxheimertal.
  • In Haina (Kloster) gewann Alexander Köhler sogar mit 82,3 Prozent der abgegebenen Stimmen die Bürgermeisterwahl.
  • Noch besser schnitt Winfried Steinmacher in Kiedrich ab: 86,4 Prozent der Wähler*innen votierten für den Sozialdemokraten – er war hier der einzige Kandidat.
  • Mario Gerhold trat ebenfalls ohne Konkurrenz an und bekam bei der Bürgermeisterwahl in Körle 81,7 Prozent.
  • Philipp Rottwilm war einziger Kandidat in Neuental und holte 80,8 Prozent.
  • In Niederdorfelden stimmten 80,8 Prozent für den einzigen Kandidaten Klaus Büttner.
  • Mit 84,1 Prozent setzte sich SPD-Mann Christian Somogyi in Stadtallendorf gegen einen Kandidaten der Freien Wähler durch.
  • In Wölfersheim wurde Eike See ohne Konkurrenz mit 75 Prozent zum Bürgermeister gewählt.

Stichwahlen

In Flörsbachtal ist die Sozialdemokratin Sibylle Hergert mit 48,1 Prozent in die Stichwahl eingezogen. Auch in Frankenberg (Eder) kann sich mit Barbara Eckes noch eine SPD-Frau Chancen ausrechnen (41,5 Prozent). Jörg Rüddenklau schaffte es in Groß-Gerau mit 36,4 Prozent in die Stichwahl. In Oestrich-Winkel ist Carsten Sinß mit 46,6 Prozent weiter im Rennen. Sebastian Münscher holte in Rotenburg an der Fulda 34,2 Prozent und darf noch auf das Bürgermeisteramt hoffen. Dasselbe gilt für Birgit Kannegießer, die in Seeheim-Jugenheim 38,3 Prozent erreichte. Lukas Sittel ist in die Stichwahl in Witzenhausen eingezogen (45,1 Prozent).

„Bei den Direktwahlen zeigt sich, dass die Stärke der Sozialdemokratie weiterhin in der kommunalen Verankerung liegt”, sagt Christoph Degen, Generalsekretär der SPD Hessen.

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