Bildung

Studie: Viele Kita-Plätze fehlen

Vera Rosigkeit Karin Billanitsch28. November 2023
Vor allem Fachkräftemangel erschwert es Kitas laut einer Studie, ihren Bildungsauftrag zu erfüllen.
Trotz erkennbaren Fortschritts beim Kita-Ausbau fehlen in Deutschland 430.000 Betreuungs-Plätze. Das hat eine neue Bertelsmann-Studie „Ländermonitor frühkindliche Bildungssysteme“ festgestellt.

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung unterstreicht die Notwendigkeit, mehr in Bildung zu investieren. Denn trotz erkennbaren Fortschritts beim Kita-Ausbau fehlen in Deutschland Betreuungs-Plätze. Aktuellen Berechnungen des „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ zufolge sind es bundesweit insgesamt 430.000 Kita-Plätze, die fehlen, um den gesetzlich vorhandenen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung zu erfüllen. „Die Situation ist für Kinder und Eltern wie auch für das vorhandene Personal untragbar geworden", sagt Anette Stein, Expertin der Stiftung für frühkindliche Bildung zur Veröffentlichung der Studie.

Danach ist der Platzmangel mit 385.900 fehlenden Plätzen in westdeutschen Bundesländern besonders hoch, in Ostdeutschland fehlen 44.700 Plätze. Dort sei allerdings der Personalschlüssel deutlich ungünstiger. Während eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in Ostdeutschland für 5,4 Kinder in Krippengruppen und für 10,5 Kinder in Kindergartengruppen verantwortlich sei, sind es in Westdeutschland 3,4 bzw. 7,7 Kinder auf eine Fachkraft. Um Chancengerechtigkeit und Bildungsqualität zu ermöglichen, müssten Empfehlungen zufolge die Personalschlüssel bei 1 zu 3 sowie bei 1 zu 7,5 liegen.

Fachkräftemangel als Ursache

Vor allem der Fachkräftemangel erschwere es Stein zufolge zunehmend, die Rechtsansprüche zu erfüllen und in den Kitas den Bildungsauftrag umzusetzen. In einem „Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule“ hat die Stiftung zudem untersucht, wie sich das Angebot und der Bedarf an Fachkräften in den kommenden Jahren entwickeln wird. So bestehe laut Stein aufgrund sinkender Kinderzahlen die Aussicht „auf vergleichbare Personalschlüssel in Ost und West“. Dafür müssten die Länder allerdings jetzt die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Kitas mehr Fachkräfte beschäftigen können. In den westdeutschen Bundesländern werde es schwieriger sein, bis 2030 steigende Bedarfe seitens der Eltern und auch kindgerechte Personalschlüssel zu erfüllen.

Es gelte, beim Ausbau mehr Tempo zu machen. Für alle Bundesländer gilt: „Es braucht eine langfristige Strategie für mehr und gut ausgebildetes Fachpersonal“, so Stein. Auch die Arbeitsbedingungen müssten attraktiver werden. Dafür müssten Bund, Länder, Kommunen und Träger „Hand in Hand arbeiten“ und der Bund seine finanzielle Beteiligung dauerhaft zusichern. Tendenziell positiver wird die Situation in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein eingeschätzt. Laut Prognose könne Hamburg bis 2030 Elternbedarfe und kindgerechte Personalschlüssel erfüllen, für Niedersachsen sei es realistisch und, mit etwas mehr Anstrengungen, auch für Schleswig-Holstein.

Städtetag: "Städte haben bereits viel getan"

Als Reaktion auf diese Veröffentlichungen sagte Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, mit dem Fachkräftemangel und dem unterschiedlichen Stand des Ausbaus in den Bundesländern werde es schwer, in allen Kommunen die Rechtsansprüche für Kita- und Grundschulkinder im Jahr 2030 zu erfüllen. Er wies aber auch darauf hin, dass die Schätzungen zur Zahl der benötigten Betreuungsplätze im Jahr 2030 "mit großen Unsicherheiten behaftet" seien. Hier spielen die steigende Nachfrage nach Betreuungsplätzen und die Bevölkerungsentwicklung eine Rolle, bei der zum Beispiel die Zuwanderung stark ins Gewicht fällt.

Die demografische Entwicklung macht es seiner Meinung nach nicht leichter, weil ältere Beschäftigte in Rente gehen werden, was den Fachkräftemangel weiter steigert. Dedy bekräftigte aber, die Städte hätten bereits viel getan, um die pädagogischen Berufe attraktiver zu gestalten.

Eine weitere Stellschraube sind dem Städtetag zufolge zusätzliche Ausbildungskapazitäten, für die die Länder sorgen könnten. Eine Chance böte sich demnach auch durch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger und weitere Beschäftigte: zum Beispiel Kinderpflegerinnen und -pfleger, Verwaltungs- und Haushaltskräfte. 

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