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Bürgermeister macht Winterdienst: Wie Panketal das Ausnahmewetter erlebt

6. Februar 2026 13:52:04

Im Kampf gegen Schnee und Eisglätte hat sich Maximilian Wonke (SPD) selbst in ein Räumfahrzeug gesetzt. Der Bürgermeister der brandenburgischen Gemeinde Panketal erzählt im Interview, was er im Einsatz gelernt hat.

Maximilian Wonke mit Räumfahrzeug

Panketals Bürgermeister Maximilian Wonke machte sich selbst ein Bild vom Winterdienst in seiner Gemeinde.

DEMO: Um den Winterdienst zu unterstützen, haben Sie sich selbst in ein Räumfahrzeug gesetzt. Haben Sie es auch gesteuert, wie in einer Zeitung zu lesen war?

Maximilian Wonke: Nein, aber ich habe auf dem Beifahrersitz gesessen und die Tourpläne gemacht. Die Gemeinde hat seit Anfang der Woche ein Online-Portal, über das vereiste Gehwege und Straßen gemeldet werden können. Die eingegangenen Meldungen sind wir jetzt abgefahren. Ich war auch mit den Kolleginnen und Kollege draußen und habe Bushaltestellen und so weiter vom Schnee befreit.

Wie kam es zu der Aktion?

Als Bürgermeister muss man im Blick behalten, wann der Punkt erreicht ist, an dem man sich eine Sache zu eigen machen muss. Das war jetzt der Fall. Wir hatten in der Gemeinde Panketal einen anhaltenden Eisregen, der dazu führte, dass auch normalerweise unkritische Wege – wie kleinere Stich- oder Sandstraßen – zu Schlittschuhbahnen wurden. Die Leute kamen von ihren Grundstücken nicht mehr herunter.

„Dieser Winter war außergewöhnlich.” (Maximilian Wonke)

Eis und Schneeglätte machen Brandenburg seit Wochen zu schaffen. War die Situation in Panketal eine andere als in vergangenen Wintern?

Ja, dieser Winter war außergewöhnlich. Nicht nur wegen der Kälte, sondern auch wegen des vielen Eisregens, der lange liegengeblieben ist. Der normale Splitt, der ausgebracht wurde, hat kaum noch etwas bewirkt. Denn er ist auf den Eisflächen nicht liegengeblieben, sondern einfach weggekullert.

Was bedeutet so eine Ausnahmesituation für den Alltag der Menschen, die für die Gemeinde den Winterdienst leisten?

Sie mussten ihren Alltag umstellen und teilweise über Wochen sehr früh aufstehen. Man darf nicht vergessen: Sie sind auch die ersten, die frühmorgens auf den Straßen sind, wenn sie selbst zum Betriebshof fahren. Sie fahren also selbst auf Wegen, an denen noch nichts gemacht wurde. Die Mitarbeitenden machen das aber gerne und freuen sich, wenn die Gemeinde über den Tag hinweg viel schafft und den anderen Verkehrsteilnehmenden wieder ermöglicht, am normalen Leben teilzunehmen.

Der Gesprächspartner

Maximilian Wonke (SPD) ist seit 2018 Bürgermeister von Panketal. Die Gemeinde hat rund 20.000 Einwohner*innen und liegt an der nördlichen Stadtgrenze Berlins. Wonke ist auch Landesvorsitzender der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) Brandenburg. Als Bürgermeister stellt er sich im April 2026 erneut zur Wahl.

Porträtaufnahme Maximilian Wonke

Wegen der Wetterumstände musste immer wieder neues Streugut ausgebracht werden. Gibt es in Panketal Engpässe?

Ja, die gibt es. Die Lieferungen verzögern sich immer mehr. Deshalb müssen wir priorisieren, welche Straßen wir abfahren. Es gab Straßen, die durch das Eis überhaupt nicht mehr befahrbar waren. Dort haben wir nachgebessert. Im Moment scheint sich die Lage etwas zu entspannen, weil wir eine frische Schneeschicht haben. Auf Schnee fährt es sich besser als auf Eis. Trotzdem bleibt die Situation herausfordernd.

„Bei uns muss der Bürger auch selbst zur Schaufel greifen.” (Maximilian Wonke)

Der Winterdienst ist nicht nur eine Aufgabe der Gemeinde. Auch Hauseigentümer*innen müssen vor ihren Grundstücken einen Beitrag leisten und Wege freiräumen. Wie gut hat die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung funktioniert?

Die meisten haben es gut gemacht. Aber nach den Erfahrungen der vergangenen Tage werden wir noch einmal eine Informationskampagne starten, wie der Winterdienst auszuführen ist. Wir haben viele Zugezogene, vor allem aus Berlin. Die sind es gewohnt, dass irgendwann ein Räumfahrzeug kommt und den Gehweg oder die Straße frei macht. Bei uns muss der Bürger auch selbst zur Schaufel oder zum Besen greifen. Das sind nur wenige Minuten Arbeit, dann ist das erledigt.

Welche weiteren Lehren haben Sie aus dem Ausnahme-Winter gezogen?

Wir müssen unseren Betriebshof noch besser aufstellen. Im Moment stehen die Fahrzeuge draußen, das tut ihnen überhaupt nicht gut. Deshalb werden wir viel Geld in die Hand nehmen müssen, um die Technik ordentlich unterstellen zu können. Unsere Straßenreinigung müssen wir auch überarbeiten.

Was für Erkenntnisse nehmen Sie aus ihrem persönlichen Einsatz beim Winterdienst mit?

Ich war gestern und heute von 3.45 bis 12 Uhr auf dem Betriebshof und im Einsatz. Es ist immer besser, die Geräte selbst zu sehen und nicht nur auf die Listen zu schauen, was wo gemacht werden muss. Wenn man im Räumfahrzeug sitzt, bekommt man ein anderes Verständnis dafür, wie Prozesse effizienter gestaltet werden können. Oft hilft es, etwas mehr Vertrauen zu den Mitarbeitern zu haben und weniger zu regulieren. Dabei kann es um Kleinigkeiten gehen, wie unsere Tankkarten: Wenn die auf 200 Euro pro Tag limitiert sind, kommt man damit bei den aktuellen Spritpreisen nicht mehr weit. Wenn man solche kleinen Details sammelt und anpackt, kann das zusammengenommen auch viel bewirken.

Anmerkung der Redaktion: Das Gespräch wurde am Freitagmittag (6.2.) geführt.

Autor*in
Porträtfoto Mann mit Brille und dunkelblonden Haaren
Carl-Friedrich Höck

ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.

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