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Studie deckt auf, welche Kommunen digitale Bürgerbeteiligung nutzen

11. Februar 2026 12:49:09

Ein Studienprojekt hat untersucht, wie viele Kommunen digitale Beteiligungsformate einsetzen. E-Partizipation ist in Großstädten wesentlich häufiger verbreitet als in kleinen Gemeinden. Ein anderes Ergebnis hat die Forscher*innen überrascht.

Handy mit Logo von WhatsApp

Smartphone mit Logo des Anbieters WhatsApp: Landgemeinden nutzen häufiger Messengerdienste als Großstädte.

Es war ein Mammutprojekt, das sich die Forscher*innen vorgenommen hatten. „Wir waren getrieben von der Idee herauszufinden, was eigentlich auf der kommunalen Ebene in Sachen digitale Partizipation passiert“, erklärt die Politikwissenschaftlerin Marianne Kneuer von der Technischen Universität Dresden. Ebenfalls beteiligt waren Universitäten aus Düsseldorf, Koblenz und Leipzig. Gemeinsam wollten sie Daten über die digitale Partizipation in allen deutschen Kommunen zusammentragen – das sind mehr als 10.000.

Manch einer habe das für eine verrückte Idee gehalten, erzählt Kneuer. Doch nach jahrelanger Arbeit konnten am Mittwoch (11.2.) in Berlin die Ergebnisse der Studie „Lokale digitale Bürgerbeteiligung” präsentiert werden. Die Stichprobe kann sich sehen lassen: Immerhin 22 Prozent der angeschriebenen Kommunen haben die Fragen der Wissenschaftler*innen beantwortet – fast 2.400 Kommunen. Repräsentativ sind die Daten trotzdem nicht. Denn während fast alle Großstädte sich an der Studie beteiligt haben, meldete sich nur jede zweite Mittelstadt zurück und von den Landgemeinden nicht einmal jede fünfte.

Große Städte nutzen E-Partizipation häufiger

Eine Erkenntnis: Ein Drittel der Kommunen (33 Prozent) in der Stichprobe bietet derzeit digitale Bürgerbeteiligung an. In Großstädten werden diese Instrumente fast flächendeckend genutzt, in kleineren Städten und vor allem Landgemeinden dagegen seltener. Von letzteren gaben nur 15 (Westdeutschland) beziehungsweise 16 Prozent (Ostdeutschland) an, elektronische Partizipationsformate zu nutzen.

Mit anderen Worten: Einwohnerstarke Kommunen mit hoher Steuerkraft und entsprechenden Personalressourcen in den Verwaltungen sind auch Vorreiter bei der digitalen Beteiligung. Der Leipziger Kommunikationswissenschaftler Christian Pentzold betont allerdings, er wolle „nicht normativ“ an das Thema herangehen. Fehlende E-Partizipation müsse nicht unbedingt ein Mangel sein, dies hänge von den Erwartungen der Bürger*innen ab.

Aufgefallen ist dem Projektteam: Im Umfeld von Kommunen, die digitale Beteiligung einsetzen, gibt es häufig weitere Anbieter-Kommunen. Es scheint einen Cluster-Effekt zu geben – Städte und Gemeinden schauen auf die Nachbarregionen und tauschen sich aus.

Ost-West-Unterschiede bei digitaler Bürgerbeteiligung

Ein weiteres Ergebnis habe das Projektteam überrascht, berichtet die Sozialwissenschaftlerin Nadja Wilker aus Düsseldorf. Die Daten haben einen deutlichen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland sichtbar gemacht. So bieten 62 Prozent der ostdeutschen Kleinstädte E-Partizipation an, im Westen sind es nur 43 Prozent. Bei den Mittelstädten beträgt die Quote 85 (Ost) und 70 (West) Prozent.

Was die Forscher*innen außerdem herausgefunden haben:

  • In kleinen Kommunen wird die digitale Beteiligung häufig von Bürgermeister*innen forciert. In 62 Prozent der Landgemeinden sind sie die wesentlichen Treiber*innen der Entwicklung. In Großstädten ist dies dagegen mehrheitlich die Aufgabe von Fachabteilungen (64 Prozent). In der Mehrheit der Mittelstädte (57 Prozent) kümmern sich einzelne Mitarbeitende um das Thema.
  • Landgemeinden setzen häufiger auf Apps und Messengerdienste. Jede vierte Landgemeinde, die elektronische Beteiligung anbietet, nutzt dafür Messengerdienste wie WhatsApp. Bei den anderen Gemeindetypen sind es nur jeweils zehn Prozent.
  • Auch bei den Zielen gibt es Unterschiede zwischen großen und kleinen Kommunen. Zwar eint sie mehrheitlich das Ziel, Entscheidungsprozesse mittels E-Partizipation transparenter zu machen. Doch an zweiter Stelle geht es Großstädten darum, unterrepräsentierte Gruppen besser zu erreichen. Kleinere Gemeinden finden es wichtiger, generell mehr Menschen an Politik zu beteiligen.
  • Inhaltlich geht es bei der digitalen Beteiligung in kleinen Gemeinden häufig um Mängelmanagement oder die Stadt- und Gemeindeentwicklung. In Großstädten dominieren Themen wie Verkehrsentwicklung, Klima- und Umweltschutz oder Lärmaktionspläne.

Deutschlandkarte zeigt Beteiligungsprojekte

Die Daten stammen aus dem Zeitraum März bis Oktober 2025. Das Projekt wurde von der Mercator-Stiftung gefördert.

Die Initiator*innen wollten nicht nur Erkenntnisse über die Rahmenbedingungen digitaler Bürgerbeteiligung sammeln, sondern auch den Austausch über gute Praxis-Beispiele forcieren. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden in eine digitale Deutschlandkarte eingepflegt. Über verschiedene Filter lässt sich damit schnell ermitteln, welche Gemeinden in einer Region bereits E-Partizipation anbieten, auf welche Verfahrensarten und Technologien eine Kommune setzt oder ob sie schon mit Künstlicher Intelligenz (KI) experimentiert. Teilweise sind sogar E-Mail-Adressen der jeweils Verantwortlichen hinterlegt, sodass sich diese schnell und unkompliziert kontaktieren lassen.

Link zur Website:
lokale-partizipation.de

Autor*in
Porträtfoto Mann mit Brille und dunkelblonden Haaren
Carl-Friedrich Höck

ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.

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