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Studie zeigt: die psychische Belastung bei Schülern steigt

18. März 2026 17:12:33

Schüler*innen wünschen sich mehr Einfluss auf den Unterricht und zeigen zunehmend psychische Auffälligkeiten. Jede*r Dritte erlebt Mobbing. Das geht aus dem Deutschen Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung hervor.

Junger Mann im Vordergrund, Lehrer, Schultafel

Unterricht in einer Schule

Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen an deutschen Schulen nimmt zu. So lautet eine zentrale Erkenntnis aus dem Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung. Für die repräsentative Studie wurden im vergangenen Jahr rund 1.500 Schüler*innen im Alter von acht bis 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil befragt.

Ein Viertel der Schüler*innen (25 Prozent) gab an, psychisch belastet zu sein. Gegenüber dem Vorjahr ist dieser Wert um vier Prozentpunkte angestiegen. Auffällig ist, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien überdurchschnittlich häufig betroffen sind. In dieser Gruppe klagten 31 Prozent der Schüler*innen über psychische Belastung, 29 Prozent über ein geringes schulisches Wohlbefinden und 36 Prozent über niedrige Lebensqualität.

Robert-Bosch-Stiftung spricht von Warnsignal

Die zunehmende psychische Belastung bewertet Anna Gronostaj als „Warnsignal, das wir nicht ignorieren dürfen“. Sie ist Bildungsexpertin bei der Robert-Bosch-Stiftung. „Unsere Studie zeigt, was hilft: Wenn Lehrkräfte unterstützen und sie fordern, ohne zu überfordern, und zudem das Klassenklima gut ist, geht es den Kindern besser.“

Ähnlich äußerte sich der Verband Bildung und Erziehung (VBE): „Schule ist für junge Menschen der zentrale Lebensraum, in dem sie einen großen Teil ihres Tages verbringen“, betonte Anne Deimel, Vorsitzende des VBE-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. Schule müsse ein Ort des Miteinanders und des Füreinanders sein. Dazu bräuchten die Schulen genügend ausgebildete Lehrkräfte und multiprofessionelle Teams, wozu zum Beispiel Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und Gesundheitsfachkräfte gehörten.

Mobbing an Schulen weit verbreitet

Die Studie der Robert-Bosch-Stiftung belegt, dass viele Schüler*innen Mobbing erleben. Ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen gab an, mindestens einmal im Monat von Mitschüler*innen schikaniert zu werden. Der Anteil ist bei Jugendlichen rund um das 14. Lebensjahr am höchsten (38 Prozent). „Mobbing im direkt-persönlichen Kontakt wird häufiger erlebt als
Cybermobbing, tritt aber oft in Kombination mit diesem auf“, heißt es im Schulbarometer.

Die Autor*innen betonen, es sei entscheidend, wie Schulen mit dem Thema umgehen und welche Strukturen und Maßnahmen es zur Prävention sowie bei Hilfebedarf gebe. Bereits in der Grundschule sei es wichtig, für die Themen Mobbing und Cybermobbing zu sensibilisieren. Immerhin berichtete die überwiegende Mehrheit der Schüler*innen und Eltern, dass es an ihrer Schule Unterstützungsangebote gebe.

Schüler*innen wünschen mehr Mitbestimmung

Ein weiterer Befund des Schulbarometers: Die Schüler*innen sehen große Mängel bei der Mitbestimmung. Drei Viertel der befragten Kinder und Jugendlichen wünschten sich, Einfluss auf Unterrichtsthemen oder Prüfungsformate nehmen zu können. Gleichzeitig gaben vier Fünftel an, hier kaum mitreden zu können. 43 Prozent der Befragten hatten den Eindruck, etablierte Gremien wie Schüler*innenvertretungen seien wirkungslos.

Damit weicht die Wahrnehmung der Schüler*innen erheblich von der Meinung der Lehrkräfte ab. In einer früheren Befragung hatten 55 Prozent der Lehrer*innen angegeben, dass sie die vorhandenen Mitbestimmungsmöglichkeiten für ausreichend halten. Anna Gronostaj hält deshalb einen Dialog zwischen beiden Seiten für dringend notwendig. Kinder und Jugendliche seien die Expert*innen, wenn es um ihre Anliegen gehe. „So müssen wir sie auch behandeln“, forderte die Expertin der Bosch-Stiftung.

Die Befragungen wurden zwischen dem 9. Mai und dem 3. Juni 2025 durchgeführt. Das Deutsche Schulbarometer ist als Langzeit-Untersuchung angelegt. 2019 wurden erstmals Lehrkräfte zur Situation der Schulen befragt. Seit 2024 werden auch die Schüler*innen in die Studie einbezogen. Für die aktuelle Ausgabe wurden Schüler*innen und ihre Eltern befragt.

Weiterführende Informationen:
bosch-stiftung.de

Autor*in
Porträtfoto Mann mit Brille und dunkelblonden Haaren
Carl-Friedrich Höck

ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.

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