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Sylke Otto: Warum die Olympiasiegerin SPD-Kommunalpolitik macht

Sylke Otto war zweimal Olympiasiegerin im Rodeln. Heute engagiert sie sich kommunalpolitisch für die SPD in Bayern. Sie ist froh, in Peking nicht starten zu müssen.
von Jonas Jordan · 18. Februar 2022
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Wie verfolgen Sie aktuell die Olympischen Spiele?

Sylke Otto: Wenn es möglich ist, am Fernseher. Ansonsten per Livestream auf dem Handy, wenn ich im Geschäft bin.

Sind Sie froh in Peking nicht starten zu müssen?

Ich beneide die Sportler, die dort jetzt starten müssen, nicht. Es ist ein sportlicher Höhepunkt, auf den jeder Sportler hinfiebert und vier Jahre oder länger hart dafür trainiert. Dort jetzt solche olympischen Spiele ohne Zuschauer und ohne jegliche Emotionen zu erleben, ohne etwas von Land und Leben kennenzulernen, ist auf der einen Seite schon traurig. Auf der anderen Seite sollten sich die Sportler auf ihre Wettkämpfe konzentrieren. Denn dort zu gewinnen ist trotzdem ein Olympiasieg. Was die politische Situation angeht: Man sollte künftig sehr genau überlegen, wohin man Olympische Spiele vergibt.

Sie sind 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin jeweils Olympiasiegerin im Rodeln geworden. Was waren im Zusammenhang damit die schönsten Erlebnisse und Emotionen?

Das war ganz eindeutig in Salt Lake City. Dort hat das ganze Land das Event mitgelebt. Es waren außergewöhnlich schöne Spiele, auch wenn die Wettkampfstätten teilweise sehr weit auseinander lagen, aber die Menschen, die dort waren, waren alle begeistert. Es war so etwas Schönes für das Herz. Das fehlt jetzt in Peking.

Sportlich gesehen sind auch die Spiele in Peking aus deutscher Perspektive mit vier Goldmedaillen im Rodeln sehr erfolgreich. Was ist das Erfolgsrezept der deutschen Rodler?

Wir sind vom großen Konzept gut aufgestellt. Wir haben im Normalfall vier Bahnen, super Trainer, ein bombastisches Umfeld und immer sehr viele gute Sportler, die sich gegenseitig nach vorne bringen. Bei uns ist es nicht nur eine, die rodeln kann, sondern jedes Training ist vom Leistungsniveau her schon wie eine Weltmeisterschaft. Das bringt uns extrem vorwärts. Hinzu kommt die sehr, sehr gute Sportförderung mit Bundeswehr und Polizei im Hintergrund, die uns absichern, dass wir den Sport machen können.

Wie Sie eben angesprochen haben, verfügten die deutschen Rodler*innen bislang über vier Bahnen. Im vergangenen Sommer ist die Kunsteisbahn am Königssee komplett zerstört worden. Wie wichtig ist deren Wiederaufbau für die Nachwuchsförderung?

Grundsätzlich müsste man sagen, drei Bahnen würden in Deutschland auch reichen, aber die Bahn in Königssee hat so viel Historie. Dort wurde der Grundstein für das Rodeln in Deutschland gelegt. Rodeln gehört dort auch zum Schulsport. Deswegen wäre es unwahrscheinlich schade, wenn die Bahn nicht wieder aufgebaut würde.

Mit Frank Ullrich ist seit einigen Monaten ein früherer Olympiasieger und Biathlon-Bundestrainer für die SPD Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag. Ein wichtiges Signal für den Sport?

Ich finde es schön, dass er es bis dahin geschafft hat. Hoffentlich kann er seine Vorstellungen durchsetzen. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man in der Politik häufig nicht eins zu eins das umsetzen kann, was man möchte, sondern viele Kompromisse machen muss. Deswegen hoffe ich, dass die Kollegen ein bisschen auf ihn hören.

Wie hat es Sie eigentlich in die Kommunalpolitik verschlagen?

Ganz einfach, indem ich hier vor Ort war und die SPD mich angesprochen hat, ob ich mir vorstellen könnte, hier mitzuwirken. Dann habe ich für mich entschieden, das zu machen, obwohl Politik vorher nicht so mein Ding war, auch weil ich da aus der DDR-Zeit sehr enttäuscht war. Allerdings habe ich dann gedacht: Ich wohne hier, ich möchte meine Kinder hier aufziehen und habe die Chance, etwas zu bewegen. Also warum nicht?

Warum die SPD? Hatten Sie vorher schon einen Bezug zur Partei?

Das war mehr oder weniger Zufall. Wenn mich jemand anders gefragt hätte, hätte ich es mir vielleicht genauso vorstellen können. Ich bin persönlich kein Parteimensch. Für mich ist es gerade auf kommunalpolitischer Ebene wichtig, dass die Themen gemeinsam angepackt und die Defizite erkannt werden und nicht das parteipolitische Geplänkel im Vordergrund steht. Das habe ich in meiner Heimat Oberwiesenthal sehr oft erlebt und finde es sehr, sehr traurig, wenn es so ist. Gerade auf kommunalpolitischer Ebene sollten alle an einem Strang ziehen.

Welche Rolle spielt das Thema Sport in Ihrem politischen Ehrenamt?

Hier in Zirndorf ist der Sport sehr, sehr gut vertreten. Wir haben viele Vereine. Ich persönlich würde deren zahlreiche freiwilligen Leistungen gerne noch mehr unterstützen, was aber politisch nicht immer möglich ist. Es ist manchmal ein bisschen traurig, dass man da nicht so unterstützen kann, wie ich es als ehemalige Sportlerin gerne würde.

Wir haben eben schon über Frank Ullrich gesprochen. Könnten Sie sich eine ähnliche Karriere auf Landes- oder Bundesebene auch vorstellen?

Ich glaube nicht. Ich bin hier auf meinem Weg ganz glücklich. Wenn man weiter oben in der Politik ist, ist man auch sehr, sehr viel unterwegs und ich habe noch zwei Kinder. Ich hätte beispielsweise auch Trainerin werden können, habe mich aber für meine Kinder entschieden.

 

Das Interview ist zuerst auf vorwaerts.de erschienen.

Autor*in
Jonas Jordan

ist Redakteur des vorwärts im Berliner Vorwärts Verlag. Er hat Politikwissenschaft studiert.

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