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Wie KI die Fachkräftelücke im öffentlichen Dienst verkleinern kann

Künstliche Intelligenz könnte den Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst um fast ein Drittel reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey. Besonders großes Potenzial bestehe für Kommunalverwaltungen.

von Carl-Friedrich Höck · 15. Juli 2024
Android vor Laptop

Künstliche Intelligenz könnte helfen, die Fachkräftelücke in Kommunalverwaltungen zu verkleinern.

Laut einer McKinsey-Studie hat Generative künstliche Intelligenz (GenAI) das Potenzial, den Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst deutlich zu verringern. Demnach fehlen heute auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene rund 550.000 Vollzeitkräfte. Mit einem umfassenden Einsatz von GenAI könne diese Lücke um bis zu 165.000 Vollzeitkräfte verkleinert werden.

Mehr Automatisierung möglich

Wie die Autor*innen der Studie betonen, ermögliche GenAI neue und weitergehende Möglichkeiten der Automatisierung. Bislang hätten nur 20 Prozent der Aufgaben bei Tätigkeiten, die die Anwendung komplexen Fachwissens erfordern, Automatisierungspotenzial aufgewiesen. Nun könnten 55 Prozent dieser Aufgaben automatisiert erledigt werden. Bei administrativen Aufgaben ließen sich im Extremfall sogar 85 Prozent der Aufgaben mittels GenAI automatisieren.

„GenAI ermöglicht es, komplexe Aufgaben zu lösen, bei denen zum Beispiel spezifischer Output zu generieren ist – etwa die Erstellung eines auf eingegangenen Antragsdaten basierenden Bescheidentwurfs, der anschließend allerdings selbstverständlich noch von Beschäftigten der Verwaltung zu prüfen und freizugeben ist“, heißt es im McKinsey-Papier.

Generative künstliche Intelligenz kann außerdem einen Teil der Kommunikation mit den Bürger*innen übernehmen (Chatbots), Inhalte zusammenfassen und aufbereiten (zum Beispiel Texte, Bilder, Audiodateien), bei kreativen Aufgaben wie der Erstellung von Informationsmaterial unterstützen oder die Software-Entwicklung beschleunigen.

Hunderte Berufe untersucht

Um das Potenzial der Künstlichen Intelligenz zu berechnen, wurden für die Studie 2.100 unterschiedliche Arbeitstätigkeiten und die dafür erforderlichen Fähigkeiten analysiert. Auf dieser Grundlage wurden Produktivitätspotenziale für rund 850 Berufe ermittelt. „Dabei zeigte sich, dass in der öffentlichen Verwaltung vor allem die Steuer- und Kommunalverwaltungen vom Einsatz von GenAI profitieren würden“, schreiben die Autor*innen. Das liege daran, dass hier der Fachkräftemangel besonders gravierend sei und zugleich besonders große Automatisierungspotenziale vorhanden seien. 

Mit dem Einsatz von KI verändern sich die Stellen- und Aufgabenprofile der Beschäftigten. „Fachkräfte in diesen Bereichen könnten sich in der durch den Einsatz von GenAI freigewordenen Arbeitszeit verstärkt den anspruchsvollen Aufgaben aus ihrem Stellenprofil zuwenden“, meinen die Autor*innen der Studie. Mitarbeitende von Kommunalverwaltungen könnten die Zeit zum Beispiel nutzen, um den Dialog mit den Bürger*innen zu intensivieren.

Kommunen brauchen Strategie

Julia Klier, eine der Autor*innen der McKinsey-Studie, erklärt: „Um GenAI in der öffentlichen Verwaltung erfolgreich zu implementieren, braucht es einen strategischen Ansatz. Dieser umfasst die Identifikation geeigneter Anwendungsfälle, den Aufbau erforderlicher GenAI-Fähigkeiten bei den Beschäftigten sowie die Berücksichtigung von GenAI-Risiken und Datenschutz“.

Die Studie zählt auch einige Beispiele auf, wo GenAI bereits erfolgreich in der öffentlichen Verwaltung eingesetzt wird. Die Stadt Heidelberg hat den Chatbot „Lumi“ eingeführt, der Bürger*innen und Besucher*innen Fragen rund um die Stadt beantwortet. In Singapur gibt es mit „Ask Jamie“ bereits seit 2014 ein KI-Tool, das Anfragen von Bürger*innen beantwortet. Mittlerweile kann er 50 Prozent der Fragen beantworten, die zuvor ein Callcenter hätte bearbeiten müssen. Die britische Rentenbehörde nutzt ein GenAI-Modell, um Änderungsanträge für Renter*innen automatisch zu verarbeiten. Und das US-amerikanische Verteidigungsministerium setzt GenAI ein, um Beschaffungsverträge zu erstellen.

Autor*in
Porträtfoto Mann mit Brille und dunkelblonden Haaren
Carl-Friedrich Höck

ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.

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