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Nationaler Hitzeplan: Neuer Service für Kommunen

Jahr für Jahr sterben im Sommer tausende Menschen in Deutschland an extremen Temperaturen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach entwickelt deshalb einen „nationalen Hitzeplan“. Im Mittelpunkt dabei: die Kommunen
von Kai Doering · 27. Juni 2023
Steigende Temperaturen sind eine Gefahr für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will sie besser schützen.
Steigende Temperaturen sind eine Gefahr für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will sie besser schützen.

Der vergangene Sommer war der viertwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts starben 2022 rund 4.500 Menschen aufgrund der extremen Temperaturen. Nach dem Willen von Karl Lauterbach soll sich ähnliches in diesem Jahr nicht wiederholen. „Es muss aufhören, dass jedes Jahr tausende Menschen den Hitzetod sterben“, sagte der Bundesgesundheitsminister am Montag.

Lauterbach hatte Vertreter*innen aus der Pflege, aus den Kommunen und der Wissenschaft sowie Ärzt*innen zu einem Auftaktgespräch über einen „nationalen Hitzeplan“ eingeladen. Der soll schnell greifen. Die Grundzüge stehen deshalb bereits fest.

Warum braucht Deutschland einen Hitzeplan?

Der heißeste Sommer in Deutschland war im Jahr 2003. Doch in den Jahren 2018, 2019 und 2022 lagen die Durchschnittstemperaturen nur knapp unter der des „Jahrhundertsommers“. Der Trend ist also deutlich: Die Anzahl extrem heißer Tage mit Temperaturen von mehr als 35 Grad nimmt Jahr für Jahr zu – und damit die Belastungen für die Menschen. Um sie zu schützen und vorzusorgen, dass sich Städte auch bei extremen Temperaturen gar nicht erst so stark aufheizen, entwickelt das Bundesgesundheitsministerium einen nationalen Hitzeplan. Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder hatte bereits 2020 beschlossen, bis 2025 eine flächendeckende Erstellung von Hitzeaktionsplänen in den Kommunen voranzutreiben.

Gibt es dafür ein Vorbild?

Ja. In Frankreich hatte die Regierung nach zahlreichen Hitzetoten im Sommer 2003 einen Plan zum Schutz der Bevölkerung erstellt. In den Grundzügen soll sich auch der nationale Hitzeplan in Deutschland daran orientieren.

Was soll der nationale Hitzeplan leisten?

Es geht um zwei Dinge: Reaktion und Prävention. Zum einen sollen die Warn- und Reaktionsmöglichkeiten bei Hitzewellen verbessert werden. So sollen Menschen – ähnlich wie im Katastrophenfall – über das Radio, das Fernsehen und per SMS vor extremer Hitze gewarnt werden. Ähnlich wie in Frankreich sollen die zu ergreifenden Maßnahmen je nach Außentemperatur gestaffelt ergriffen werden. Darüber hinaus soll der Hitzeplan konkrete Handlungsempfehlungen geben, wie sich Kommunen auf Hitze vorbereiten und verhindern können, dass die Menschen dieser ungehindert ausgesetzt sind, etwa über neue Konzepte der Stadtgestaltung oder Maßnahmen zur Stad-Begrünung.

Wird es einen einheitlichen Plan für ganz Deutschland geben?

Nein. Das Bundesgesundheitsministerium begründet das damit, dass die Zuständigkeit für den Schutz der Bevölkerung Aufgabe der Länder und der Kommunen ist. Zudem könne der Hitzeschutz so auch besser an regionale Gegebenheiten angepasst werden. „Hitzeschutz wird vor Ort konkret“, sagt Karl Lauterbach. Der Bundesgesundheitsminister plant dennoch eine „bundeseinheitliche Empfehlung für Hitzeschutzpläne in Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten“.

Welche Maßnahmen gegen Hitze gibt es bereits?

In der vergangenen Woche hat das Robert-Koch-Institut einen Hitzeradar gestartet, in dem wöchentlich die sogenannte Übersterblichkeit ins Verhältnis zu steigenden Temperaturen gesetzt wird. Damit soll sich die Gefahr der Hitze besser einschätzen lassen. Am Montag ist zudem die Internetseite Hitzeservice.de online gegangen. Hier können sich Kommunen über einen besseren Hitzeschutz informieren. Erklärt wird etwa, wie sich Gebäude vor Wärme schützen lassen und warum es sinnvoll ist, Trinkwasser im öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen.

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts. Der studierte Politikwissenschaftler twittert unter @kai_doering.

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