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Ahmetovic: „Gleiche Chancen für jeden, unabhängig von Herkunft und sozialer Ausgangslage“

Warum Adis Ahmetovic als Kandidat für die Bundestagswahl antritt: Ahmetovic, Jahrgang 1993, ehemaliger Juso-Vorsitzender in der Region Hannover, ist seit 2016 Bezirksratsherr im Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide und seit 2020 Vorsitzender der SPD Hannover. Soziale Gerechtigkeit ist das Kernthema seines politischen Handelns.
von Karin Billanitsch · 22. September 2021
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Was treibt Sie an, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren?

Ich arbeite seit meinem 16. Lebensjahr. Einerseits, weil ich mir neben der Schule etwas dazu verdienen wollte, aber auch, um meine Eltern finanziell zu entlasten. Das alles hat mich damals sehr stark geprägt, sozialisiert und vor allem sozialdemokratisiert. Dazu war die Bildungspolitik der damaligen schwarz-gelben Landesregierung ein Auslöser, mich gesellschaftspolitisch zu engagieren. Ich habe an Bildungsdemonstrationen teilgenommen und für die Abschaffung der Studiengebühren und gegen das Turbo-Abitur demonstriert.

Diese Ereignisse waren mein Antrieb, mich in einer Partei zu engagieren. Die Entscheidung ist auf die SPD gefallen, weil diese die Themen Bildung und sozialen Aufstieg in ihrer DNA trägt. Dieser Grundgedanke, durch Chancengerechtigkeit seine Ziele zu erreichen, ist der tägliche Ansporn meiner politischen und ehrenamtlichen Arbeit. Seit dem vergangenen Jahr bin ich Vizepräsident des DRK Region Hannover e. V. und seit mehr als zwölf Jahren in der Kommunalpolitik aktiv, inzwischen auch als Vorsitzender der SPD Hannover.

Welche Themen prägen Ihr kommunalpolitisches Wirken besonders?

Soziale Gerechtigkeit ist das Kernthema meines politischen Handelns. Ich möchte, dass jeder unabhängig von Herkunft und sozialer Ausgangslage die gleichen Chancen erhält. Dies gilt insbesondere für den Bildungsbereich – und zwar von der Kita bis zur Universität oder der Berufsausbildung. Und die SPD trägt mein Herzensthema Bildung quasi in der DNA. Als Stephan Weil Ministerpräsident von Niedersachsen wurde, haben wir auch z. B. direkt die Studiengebühren abgeschafft – das ist tatkräftige Politik, wie ich sie machen möchte.

Dazu zählen die Bereiche Klima- und Umweltschutz und Mobilität zu meinen Schwerpunktthemen. Für eine klimafreundliche und vor allem bezahlbare Stadt-Umland-Mobilität setzte ich mich nun seit gut fünf Jahren ein. Damals habe ich mit anderen jungen Menschen erfolgreich dafür gekämpft, dass Schüler*innen und Azubis mit der Jugend-Netz-Card (15 Euro im Monat für alle Zonen) günstiger von A nach B kommen. Jetzt wollen wir mit dem 365-Euro-Jahresticket für den ÖPNV noch einen Schritt weiter gehen. Dazu setze ich mich seit Jahren für bezahlbare Mieten gerade für Menschen mit geringem Einkommen ein.

Welche politische Forderung für die Bundesebene leiten Sie aus ihren kommunalpolitischen Erfahrungen ab?

Meine Ziele sind klar formuliert: Wir müssen mit Tempo aus der Corona-Krise heraus. Diese ist die schwierigste Herausforderung für unsere Wirtschaft und Gesundheit, aber auch für das soziale und gesellschaftliche Zusammenleben. Besonders hart hat die Krise Kinder und Jugendliche getroffen, unter anderem durch die Schließung der Schulen und das Distanzlernen. Hier gilt es, insbesondere im Bereich der Digitalisierung der Schulen, zügig besser zu werden. Wir benötigen höhere Investitionen für Bildung und weitere Mittel für die offene Kinder- und Jugendarbeit in den Kommunen.

Dazu macht sich der Klimawandel immer unaufhaltsamer bemerkbar und birgt ebenso große Risiken, unsere Gesellschaft zu spalten. Wir können den Klimawandel nur zusammen stoppen und müssen Anreize schaffen, damit wir mehr Menschen zum Umdenken bewegen. Daher setze ich mich – wie gesagt – für ein 365-Euro-ÖPNV-Jahresticket ein. Außerdem benötigen wir eine Pflege-Offensive, die den Fachkräften gute Arbeitsbedingungen bietet, z. B. durch eine bessere Bezahlung, aber auch eine Pflege, die für die ältere Generation bezahlbar und vor allem würdevoll ist. Der Bund muss auch Politik für die Kommune machen und das möchte ich als möglicher Vertreter im Bundestag auch tun. Wenn man will, dass die Politik, die in Berlin beschlossen wird, auch ankommt, muss das Ohr an der Kommunalpolitik sein.

Warum kandidieren Sie für den Bundestag?

Ich bin ein Kind der Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Bildungspolitik, die seit Jahrzehnten auf Chancengleichheit setzt, hat es mir mit ermöglicht, dorthin zu kommen, wo ich heute bin. Und das ist einer der vielen Gründe, warum ich kandidieren möchte. Ich möchte etwas zurückgeben und politische Inhalte so gestalten, dass viele Menschen von ihnen profitieren. Viele Menschen – Kinder und Jugendliche ebenso wie Ältere, Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte – brauchen die SPD. Unser täglicher Ansporn als Sozialdemokrat*innen ist es, Verbesserungen für unsere Mitbürger:innen zu erreichen. Diese Motivation treibt mich täglich in der politischen Arbeit an.

Welche Ideen haben Sie für den Wahlkampf in Corona-Zeiten umgesetzt?

Als Vorsitzender der SPD Hannover gemeinsam mit Ulrike Strauch, meiner Co-Vorsitzenden, haben wir insbesondere durch unsere zahlreichen Initiativen deutlich gemacht, dass die Bürger*innen insbesondere in herausfordernden Zeiten wie diesen auf die SPD zählen können. In der Corona-Krise haben wir z. B. Menschen in sozialen Notlagen, (Solo-) Selbstständigen, Kulturschaffenden und Sportvereinen finanziell unter die Arme gegriffen sowie unsere Wirtschaft unterstützt. Wir haben die Quartiersarbeit ausgebaut und den sozialen Wohnungsbau vorangetrieben.

 

Autor*in
Karin Billanitsch

ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.

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