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Aufs Rad gesetzt

Wie Glückstadt in drei bis vier Jahren eine beliebte Radreiseregion werden will.
von Carsten Wittmaack · 15. Juli 2019
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Glückstadt hat viel zu bieten: ­einen ungemein positiven Eigennamen, eine dänisch geprägte Geschichte, einen schmucken Hafen, die Elbe als Segelrevier und viele historische Bauten. Doch die bekannten Nordsee­bäder sind zu weit weg, und Hamburg ist fast schon wieder zu nah, um sich als Langzeit-Urlaubsziel zu etablieren. Entsprechend setzt Glückstadt auf Tages­touristen – und seit Neuestem auch verstärkt auf Radfahrer. Nicht nur die Elbestadt, auch ihre Umgebung ist reizvoll.

Auf den Radtourismus setzen

Kein Wunder also, dass Glückstadts Politikerinnen und Politiker auf die ­Karte Radtourismus setzen. Allen voran SPD-Chef Michael Seifert. „Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer“, betont der 33-jährige OV-Vorsitzende. Mit Rennrad und Mountainbike erkundet der gebürtige Bamberger regelmäßig seine norddeutsche Wahlheimat. „Ich finde die Idee, dass Glückstadt aufs Rad setzt, richtig“, betont Seifert.

Die Region habe ja auch viel zu bieten, vom Moor im Süden über den Elbe-Deich bis hin zu den Binnendünen bei Nordoe. Die Glückstädter SPD habe das Projekt „sinnvoll ergänzt und fachlich begleitet“. So sei beispielsweise die Fahrradstraße im Norden der Stadt auf Initiative der Sozial­demokraten verlängert worden.

Zusammenarbeit mit Fachhochschule Westküste für ein neues Konzept

Glückstadt soll zur Fahrradhochburg werden. Um das hochgesteckte Ziel auch zu erreichen, wollen Politik und Verwaltung mit den heimischen Gastronomen, ­Hoteliers und Fahrradhändlern an einem Strang ziehen. „Wir planen langfristig, hoffen in drei bis vier Jahren, Erfolge zu sehen“, zeigt sich Bürgermeisterin Manja Biel optimistisch. Dass das Ziel erreichbar ist, davon ist auch Frank Simoneit, Dozent der Fachhochschule Westküste, überzeugt. Mit seinen Studenten der Fachhochschule war er schon mehrfach in Glückstadt unterwegs und hat verschiedene Konzepte erstellt, um das Potenzial der Elbestadt besser ausnutzen zu können.

Bei Sandra Kirbis und Vanessa ­Klamka laufen die Fäden zusammen. Kirbis ist Chefin der Glückstadt Destination Management (GDM), der Tourismuszentrale der Stadt. Klamka wurde extra als Rad­expertin hinzugezogen. „Simoneit war ­eigentlich derjenige, der die Kompassnadel in Richtung Radtourismus gelenkt hat“, sagt Kirbis. Nun müssen die Konzepte realisiert werden.

Radwebsite geplant

Aktuelles Projekt ist eine Radwebsite, die gerade vorgestellt wurde. Fröhliche Farben, amüsante Sprüche und eine direkte Ansprache (es wird geduzt, nicht gesiezt) ziehen sich durch die Seiten und sollen die Radfahrer ansprechen. Unter gluecks-routen.de sind die Radtouren, Radfernwege und Service für Fahrer zu finden, mit einem Klick ist die die gewünschte Tour abrufbar. Klamka ist selbst alle Törns abgefahren.
Beispielsweise gibt es einen „Storchentörn“ und eine Segeltour mit Rad. Dabei wird jeweils auf den Radrouten­planer Outdooractive verwiesen. Ähnlich ist es bei den durch Glückstadt verlaufenden Radfernwegen wie Mönchsweg und Elberadweg.

Im Bereich Service finden die Nutzer ausgewiesen radfreundliche Gastgeber und Gastronomiebetriebe sowie wichtige Hinweise wie Sperrwerkszeiten und Fährbeschreibungen. „Ganz besondere Highlights sind die beiden Blogs Glückstadt-Liebe und Radverliebt“, betont Klamka. Hier können Besucher hautnah die Erlebnisse in der Radreiseregion nachlesen oder Geheimtipps finden.

2018: Teilnahme am „Stadtradeln“

Weitere Ideen wurden bereits umgesetzt. „Wir haben bei unseren Matjeswochen eine Radmeile organisiert und 2018 zum ersten Mal am „Stadtradeln“ teilgenommen – und gleich kreisweit den dritten Platz belegt.“ In diesem Jahr wolle die Stadt wieder mitmachen – „und natürlich gewinnen“. Gefragt, wo Glückstadt in drei bis vier Jahren auf seinem Weg zur Rad-metropole stehen werde, sagt Klamka: „Dann ist Glückstadt eine bekannte und beliebte Radreiseregion – und zwar nachhaltig. Das dafür nötige Potenzial ist vorhanden.“ Arbeit stehe noch zur Genüge an. Angefangen bei der Verbesserung der Radwegequalität über mehr Radständer in der Innenstadt bis hin zu einer neuen Radwanderkarte, die bereits in Arbeit sei.

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Carsten Wittmaack

schreibt als freier Autor regelmäßig für die DEMO

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