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Homeoffice: Ein Weckruf für die Verwaltung?

Eine Studie von PwC und der Uni Potsdam untersucht, wie gut das Homeoffice in der Verwaltung während der Corona-Pandemie funktioniert. Die Befragten waren selbst überrascht, wie schnell die Prozesse angepasst werden konnten. Doch die Untersuchung zeigt auch Grenzen auf.
von Harald Lachmann · 9. Juli 2021
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Vor der Pandemie klang Homeoffice eher wie das Gegenteil von effizientem Arbeiten: Der Wecker klingelt später, man trägt Jogginghose statt Büro-Outfit, und nebenher läuft gar noch TV. Doch eine Studie „Die Verwaltung im Homeoffice“ widerlegt dies.

Rund zwei Drittel der hierfür befragten mehr als 1.200 Mitarbeiter aus Landes- und Kommunalämtern meint, dass „die Effizienz der Arbeitsabläufe im Homeoffice gleich oder sogar besser“ sei. Inzwischen plädieren laut der ­Untersuchung 61 Prozent der öffentlich Beschäftigten für mehr Telearbeit – bei den unter 40-Jährigen sogar 70 Prozent. 85 Prozent empfinden diese ­Alternative gar als „motivierend“. Die Hälfte der Befragten gab an, ihre Aufgaben grundsätzlich auch daheim erledigen zu können, während nur 16 Prozent Schwierigkeiten haben, hierbei Berufliches und Privates zu trennen. Drei Viertel verfügen über einen geeigneten Arbeitsplatz.

Überraschung für alle Befragten

Erarbeitet wurde die Studie von PwC und der Universität Potsdam. Autoren sind Thomas Kralinski (SPD), vormals Staatskanzleichef in Potsdam, der Verwaltungswissenschaftler Prof. Dr. John Siegel und PwC-Berater Adrian Gelep. Gemeinsam loteten sie 2020 aus, wie Führungskräfte und Beschäftigte mit der neuen Arbeitssituation zurecht­kamen, wie sich Arbeitsprozesse und -bedingungen veränderten und wie sich der Blick auf das Homeoffice wandelte. Und unabhängig von Größe und Ausstattung der Verwaltung, so fanden sie heraus, seien ausnahmslos alle Befragten überrascht gewesen, wie schnell und flexibel die Regeln zur Telearbeit verändert, die technische Ausstattung verbessert sowie Arbeitsprozesse angepasst wurden. Limitierend hätten sich jedoch die finanziellen Ressourcen ausgewirkt: Für ärmere Landkreise und Kommunen sei „Digitalisierung ein ­Luxusprojekt“.

Als positiv werten die Autoren, dass in der Krise Mitarbeiter und Führungskräfte zusammengerückt wären. Dieses ­Vertrauensverhältnis gelte es weiter als Ressource zu nutzen, um ein gemeinsames Verständnis über zukünftige ­Arbeitsformen herzustellen.

Risiken und Nebenwirkungen

Zugleich zeigt die Studie auch Grenzen auf. So bestünden Behörden „nicht nur aus Strukturen, Prozessen und Techniken“. Es seien zuerst Menschen, die sie prägten und lebten. Und während zu Beginn des Lockdowns Hilfsbereitschaft und wechselseitiges Verständnis groß gewesen seien, was sich in höhere Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit sowie niedrigere Krankenstände niederschlug, habe sich mit zunehmender ­Homeoffice-Erfahrung der Blick auch auf soziale ­Nebeneffekte gerichtet. So wirkte sich das Fehlen sozialer Interaktion und Kommunikation sowohl intern als auch extern negativ auf die Arbeit aus.

Dennoch erwarten die Befragten, dass es künftig mehr Homeoffice gibt, etwa „zwei Tage im Büro, drei Tage zu Hause“. Als Hindernis hierfür betrachten vor allem Jüngere die Betreuung ihrer Kinder. Die „Dreifachbelastung durch Homeschooling, Kinderbetreuung und Arbeit“ sei für viele auf Dauer nicht tragbar, sagen viele. Es führe „oft zum Arbeiten in Randzeiten“. Vor allem junge Eltern gehörten darum zu jenen 35 Prozent, die die Effizienz von Homeoffice als schlechter gegenüber der Tätigkeit im Büro werteten. Als weitere Herausforderung für Homeoffice kristallisiert sich die Kundenzufriedenheit heraus. Denn während des Lockdowns hatte man ­Bürgerdienstleistungen teils komplett eingestellt. Hier brauche es neue Modelle, etwa Video- und Telefonsprechstunden.

Chance für kommunale Arbeitgeber

Die Studie wertet die Pandemie als „Weckruf für die öffentliche Hand, um weiter auf dem Arbeitskräftemarkt zu bestehen“. Denn mit flexibleren Homeoffice-Regelungen, so Thomas Kralinski, werde sie zur attraktiven Arbeitgeberin. Er sieht gute Rahmenbedingungen und funktionierende Homeoffice-Regelungen als zentrale Faktoren hierfür. In Zeiten von Fachkräftemangel könne das entscheidend sein. Zudem vergrößerten solche neuen Arbeitsmodelle die Chancen des ländlichen Raums als Ort zum Leben und Arbeiten. Nicht zuletzt helfe Homeoffice den Verwaltungen, Kosten zu sparen.

Prof. Siegel konstatiert indes, dass „die Verwaltung in Deutschland nach wie vor nicht so innovativ ist, wie sie sein müsste“. Vieles dauere noch zu lange. Kralinski plädiert deshalb für mehr digitale Kompetenz in den Ämtern. Zudem rät er zu flexibleren Dienstvereinbarungen für die Arbeit daheim. Um die Veränderungen „verpflichtend und messbar“ zu machen, sollten Verwaltungen einen „Pakt für die Verwaltung von morgen“ schließen“. Der müsse Regelungen zur besseren Ausstattung der Arbeitsplätze, verpflichtende Fort- und Weiterbildungen, flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte und mehr Raum für ­Innovationen beinhalten. Zudem sollten Effizienz- und Innovationsgewinne teils in den Verwaltungen bleiben.

Autor*in
Harald Lachmann

  ist diplomierter Journalist, arbeitete zunächst als Redakteur bei der Leipziger Volkszeitung, zuletzt als Ressortleiter Politik, und schreibt heute als freier Autor und Korrespondent für Tages-, Fach- sowie Wirtschaftszeitungen. Für die DEMO ist er seit 1994 tätig.
 
 

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