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Dieter Reiter: Münchens Oberbürgermeister will weitermachen

2. März 2026 10:59:49

Seit zwölf Jahren lenkt der Sozialdemokrat Dieter Reiter als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt München. Nun bewirbt er sich für eine weitere Amtszeit. In der Stadt ist er beliebt – aus mehreren Gründen.

Dieter Reiter im Gespräch mit einem Mann

Dieter Reiter, Münchner Oberbürgermeister, während einer SPD-Wahlkampfveranstaltung am 19. Februar 2026

Den Fußstapfen von Christian Ude ist Dieter Reiter längst entwachsen. Ude war von 1993 bis 2014 Oberbürgermeister von München, er füllte dieses Amt mit viel Charisma und Humor aus. Doch auch Dieter Reiter ist nun schon seit zwölf Jahren Rathauschef in der bayerischen Landeshauptstadt. Sollte es anfangs Menschen gegeben haben, die ihm diese Rolle nicht zutrauen, so hat er sie längst widerlegt.

Reiter kommt auf hohe Zustimmungswerte

Am 8. März finden in Bayern Kommunalwahlen statt und Dieter Reiter will sich ein drittes Mal zum Oberbürgermeister wählen lassen. Dem SPD-Politiker werden gute Chancen eingeräumt, auch wenn seine Partei im Stadtrat längst nicht mehr die größte Fraktion stellt. Doch der Rathauschef ist beliebt, bei einer im Januar durchgeführten Umfrage wollten ihm 45 Prozent der Münchner*innen ihre Stimme geben. Seine Kontrahenten Clemens Baumgärtner (CSU) und Dominik Krause (Grüne) kamen nur auf jeweils 20 Prozent.

Christian Ude, Sohn eines Kulturredakteurs, gab sich gerne intellektuell und tritt heute als Kabarettist auf. Dieter Reiter dagegen kommt aus der Verwaltung: Nach dem Studium an einer Fachhochschule begann er 1981, in der Münchener Stadtkämmerei zu arbeiten. Dort arbeitete er sich über Jahrzehnte nach oben, bis er 2008 Dezernatsleiter für Arbeit und Wirtschaft wurde. 2012 übernahm er die operative Zuständigkeit für das Oktoberfest, Münchens Aushängeschild in der Welt, und konnte sich so für seine erste OB-Kandidatur warmlaufen.

Der Oberbürgermeister gilt als bürgernah

Christian Köning, Co-Vorsitzender der SPD-Fraktion im Münchener Stadtrat, beschreibt Reiter als „auf eine spezifische Art Münchnerisch“. Damit meint er eine gewisse Lässigkeit, aber auch Bürgernähe. Den Oberbürgermeister zeichne aus, „dass er innerhalb von kürzester Zeit mit dem Arbeiter am Band, der Einzelhandelskauffrau, der älteren Dame mit den Tüten und dem CEO eines großen Unternehmens auf Augenhöhe sprechen kann“. Dabei gebe er allen das Gefühl, ernstgenommen zu werden.

Diese Fähigkeit sei in Krisenzeiten besonders gefragt, ist Köning überzeugt. Und durch Krisen musste Reiter die Münchener*innen schon häufig führen. Kaum im Amt, galt es 2014 die Folgen der sogenannten Flüchtlingskrise zu managen. Der Sozialdemokrat sprach sich für eine aktive Willkommenskultur aus und machte die Unterbringung der Geflüchteten zur Chefsache.

Ruhig ging es auch in den nächsten Jahren nur selten zu. 2016 wurde München von einem rassistischen Anschlag erschüttert, ein Amokläufer erschoss neun Menschen und tötete sich selbst. Mit Reiters Wiederwahl im Frühjahr 2020 rückte die Corona-Pandemie in den Mittelpunkt der Rathaus-Arbeit. München musste zweimal das Oktoberfest absagen, auch die Fußball-EM 2021 konnte nur in abgespeckter Form gefeiert werden. 2022 weitete Russlands Präsident Wladimir Putin seine Invasion in die Ukraine aus. München ist Partnerstadt von Kyiv, dessen Bürgermeister Vitali Klitschko sprach per Videoschalte im Münchener Stadtrat. Wieder war es Reiter, der sich für Zusammenhalt und Solidarität starkmachte. Und dass die deutschen Kommunen derzeit fast flächendeckend in finanzielle Schwierigkeiten geraten, ist sogar im wohlhabenden München zu spüren. Der Haushalt 2026 sieht umfangreiche Sparmaßnahmen vor, unter anderem im Kulturbereich.

Die Stadt kämpft gegen Wohnungsnot

Trotz all dieser Krisen kümmerte sich Reiter auch um die grundlegenden Probleme der Stadt, etwa die grassierende Wohnungsnot. München verfügt über eine „städtische Eingriffsreserve“. Gemeint sind stadteigene Wohnungen sowie geförderte Wohnungen von Privaten mit Belegungsbindung, auf die das Wohnungsamt zugreifen kann. Diese städtische Reserve ist seit 2015 von 76.000 auf mehr als 92.000 Wohnungen gewachsen. Die Stadt hat Wohnungen gekauft und neue Erhaltungssatzungsgebiete geschaffen, um Mieter*innen vor überhöhten Mieten zu schützen.

In der Wirtschaftspolitik setzt Reiter auf die „Münchener Mischung“: Große Konzerne wie Google oder Apple betreiben hier Standorte, doch von ihnen allein will die Stadt sich nicht abhängig machen. Deshalb setzt sie gleichermaßen auf Industriearbeitsplätze, Gewerbehöfe, Handwerksbetriebe und kleine Start-ups.

Als Verwaltungschef führe Reiter „ein klares Wort“, berichtet SPD-Fraktionschef Köning. „Er kennt die Abläufe und er weiß auch, welche Schalter er drücken muss, damit etwas vorwärts geht.“ Zu beobachten sei das in von Reiter moderierten Arbeitskreisen, in denen beispielsweise darum geht, die Baukosten für neue Schulen und Kitas zu senken oder ein U-Bahn-Projekt voranzubringen.

Dieter Reiter will das Miteinander stärken

Nun bewirbt sich Reiter für sechs weitere Amtsjahre. In seiner Partei bekommt er dafür viel Zuspruch: Mehr als 95 Prozent stimmten bei einem Nominierungsparteitag im November 2025 für Reiter als OB-Kandidaten. Der Gewählte erklärte: „München ist stark, weil so viele Menschen Verantwortung übernehmen – in den Vereinen, in den Betrieben, in den Kitas und Schulen, in der Nachbarschaft. Ich kandidiere erneut, weil ich genau dieses Miteinander weiter stärken möchte.“

Den Weg freigemacht hat eine Gesetzesänderung. Denn in Bayern galt für Landrät*innen und Bürgermeister*innen eine Altersgrenze von 67 Jahren, die sie bei Amtsantritt nicht überschritten haben durften. Das Kabinett hat die Regelung vor drei Jahren abgeschafft. Reiter kann also mit seinen 67 Jahren noch einmal antreten – eine Möglichkeit, die seinem Vorgänger Christian Ude noch verwehrt war.

Autor*in
Porträtfoto Mann mit Brille und dunkelblonden Haaren
Carl-Friedrich Höck

ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.

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