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Kitaleitungs-Studie: Personal unter Druck

In den deutschen Kitas gibt es laut der neuen Kitaleitungs-Studie viel Handlungsbedarf: Personalmangel, geringe Wertschätzung der Arbeit und ein hoher Verwaltungsaufwand belasten die Beschäftigten. Der Verband Bildung und Erziehung fordert Lösungen von der Politik.

von Karin Billanitsch · 26. März 2025
Mutter bringt ein Kind zur Kita.

Eine Mutter bringt ihr Kind in den Kindergarten. Viele Kitas leiden laut einer neuen Studie unter einem Mangel an Personal und hohem Arbeitsdruck. 

Akuter Personalmangel, zu wenig Zeit für Leitungsaufgaben, wenig Wertschätzung von der Politik: Die neue Studie, die auf dem Deutschen Kitaleitungskongress (DKLK) am Dienstag in Düsseldorf präsentiert wurde, offenbarte große Probleme in den Kitas. Den schwierigen Rahmenbedingungen zum Trotz machen laut der DKLK-Studie 2025 zwar mehr als 80 Prozent der 2.659 befragten Kitaleitungen in Deutschland ihren Job sehr gern – allerdings würde nahezu die Hälfte ihren Beruf nicht weiterempfehlen. „Dieser Befund lässt aufhorchen und macht nachdenklich“, stellte Anne Deimel, Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE NRW), fest. 

Geringe Wertschätzung durch die Politik

Deimel betonte insbesondere, die Wertschätzung sei der „Dreh- und Angelpunkt“ für mehr Unterstützung der Arbeit der Beschäftigten. Dabei fehlt es weniger an der gesellschaftlichen Anerkennung, wie die Ergebnisse zeigen: Laut der Umfrage fühlen sich die Kitaleitungen von Kindern und Mitarbeitenden, Fachberatungen und Eltern sowie von den Trägern fast alle sehr wertgeschätzt. 

Eine geringere Wertschätzung nehmen sie seitens der Medien (43 Prozent) wahr, von der Kommunalpolitik fühlen sich immerhin noch 40 Prozent anerkannt. Aber die Wertschätzung von Landespolitik (20 Prozent) oder Bundespolitik (14 Prozent) ist laut der Umfrage gefühlt noch geringer.

Hoffen auf höhere Löhne

Mehr als 65 Prozent der befragten Kitaleitungen haben angegeben, dass ein angemessenes Gehalt den Beruf attraktiver machen würde. Tomi Neckov, stellvertretender VBE-Bundesvorsitzender, sagte mit Blick auf die anstehenden Schlichtungsverhandlungen für den öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen: „Natürlich wissen auch wir, dass die Kassen leer sind. Gerade klamme Kommunen haben daher ihre liebe Not, den gestiegenen Lohn zu zahlen“, wie er einräumte. 

Doch mit der gelockerten Schuldenbremse böte sich ein Hoffnungsfenster, so Neckow. Eine finanzielle Entlastung bei Ausgaben für Infrastruktur ermögliche Kapazitäten für Personalausgaben, lautete sein Argument.  

Personal unter Druck

Dass die Personalnot in den Kitas groß ist, spiegelten die Zahlen wider: Die Hälfte der Kitaleitungen gab an, im letzten Jahr an durchschnittlich einem Tag in der Woche in Personalunterdeckung gearbeitet zu haben. 13 Prozent haben dies nach eigenen Aussagen sogar an über 60 Prozent der Tage – also mindestens an drei Tagen der Woche – getan. 

Fast alle Kitaleitungen stimmten außerdem der Aussage zu, dass die hohe Arbeitsbelastung der pädagogischen Fachkräfte zu höheren Fehlzeiten und Krankschreibungen führt. Es sei eine Art Teufelskreis, kommentierte Anne Deimel dieses Ergebnis.

Verschärfter Fachkräftemangel 

Darüber hinaus hat sich der Personalmangel in den Kitas in den vergangenen zwölf Monaten verschärft: Rund 60 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage zu und gaben an, es sei noch schwieriger geworden, offene Stellen mit passenden Bewerber*innen zu besetzen.

Dass es schwierig ist, genügend Personal zu bekommen, zeigt sich auch in der Statistik: Laut einem Arbeitsmarktbericht der Arbeitsagentur vom Februar 2025 im Bereich Kinderbetreuung und -erziehung ist die Arbeitslosenquote deutschlandweit mit 1,7 Prozent sehr gering. Der Erzieher*innenberuf gilt als „Engpassberuf“. 

Dabei ist die Zahl der pädagogischen Kräfte in Kindertagesstätten bundesweit zwischen 2014 und 2024 um 251.000 auf 778.000 Personen gestiegen, ein Plus von 48 Prozent. In der gleichen Zeit stieg aber auch die Zahl der betreuten Kinder erheblich, insbesondere die Betreuung von Kindern unter drei Jahren (plus 187.000 beziehungsweise plus 28 Prozent). Bei den betreuten Kindern von drei bis unter sechs Jahren gab es ein Plus von 15 Prozent auf 293.000. 

Arbeitsumfang nimmt zu

Ein weiteres Ergebnis der Kitaleitungs-Studie: Fast 60 Prozent der Kitaleitungen verbringen mehr Zeit mit Leitungsaufgaben, als ihnen vertraglich dafür eingeräumt wird. Die Auswirkungen sind entweder Überstunden oder oder gehen zu Lasten der pädagogischen Angebote für die Kinder. „Wer gerade Verträge sichten und das Mittagessen bestellen, Elterngespräche führen oder sich durch die neuesten Richtlinien lesen muss, kann kein Kind betreuen, keine AG leiten und keine individuelle Förderung gewährleisten“, kritisierte Tomi Neckov.

Lösungen sehen die Befragten dementsprechend in einem besseren Personal-Kind-Schlüssel (63 Prozent), kleineren Gruppengrößen (55 Prozent) sowie weniger Verwaltungsaufwand (43 Prozent.) 

Die DKLK-Studie gibt den durchschnittlichen Fachkraft-Kind-Schlüssel im U3-Bereich mit 1:5,1 und im Ü3-Bereich mit 1:10,5 an. Die Situation ist allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Wissenschaftlich empfohlen sind 1 zu 3 (U3) sowie 1 zu 7,5 (Ü3).

Politische Lösungen gefordert

Gerade im Rahmen der Koalitionsverhandlungen müsse die Gewinnung von Personal eine Rolle spielen, forderte Tomi Neckov. Auch das Thema Leitungszeit müsse auf die politische Agenda. Er lobte indes auch, dass es viele Themen der frühkindlichen Bildung auf das Tableau der Verhandelnden geschafft hätten, „zum Beispiel die Wiedereinführung der Sprachkitas und die Ausweitung des Startchancen-Programms“. Der VBE kämpfe darüber hinaus für eine Fortführung des Kita-Qualitätsgesetzes.

Autor*in
Karin Billanitsch

ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.

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