SPD siegt in Offenbach deutlich – bestes Ergebnis seit 25 Jahren
Die SPD hat mit 35 Prozent der Stimmen die Stadtverordnetenwahl in Offenbach deutlich gewonnen und stellt künftig die stärkste Fraktion im Stadtrat. Oberbürgermeister Felix Schwenke und seine Partei profitieren offenbar von einer starken lokalen Verankerung, klaren Themen und sinkender Arbeitslosigkeit in der Stadt.
Imago/Norbert Neetz
Eingang des Rathauses in Offenbach am Main. In dem Anfang der 70er Jahre errichteten Bau ist die Stadtverordnetenversammlung untergebracht. Die SPD stellt nach den Wahlen am 15. März mit 25 Mandaten die stärkste Fraktion.
In Offenbach am Main hatte die SPD nach der Wahl am 15. März 2026 allen Grund zu feiern: Die sozialdemokratische Partei stellte laut dem vorläufigen Ergebnis mit 35 Prozent der Stimmen die mit Abstand größte Fraktion im Stadtrat. Im Vergleich zu der Kommunalwahl im Jahr 2021 legte sie um 6,6 Prozentpunkte zu. Die CDU errang 18,7 Prozent der Wählerstimmen, die Grünen haben das drittbeste Ergebnis mit 13 Prozent eingefahren. Knapp dahinter folgt Die Linke mit 12 Prozent. Unter den hessischen Großstädten hat die SPD-Fraktion in Offenbach damit am besten abgeschnitten.
Grünewald: „Bestes Ergebnis seit 25 Jahren“
Auffällig war in Offenbach das mit rund 3,4 Prozent schlechte Abschneiden der AfD. Sie macht seit Monaten Schlagzeilen wegen eines Streits zwischen Landes- und Kreisvorstand. Der komplette Offenbacher Kreisvorstand wurde Medienberichten zufolge abgesetzt. Die Partei hat erst Anfang Januar eine gültige Liste mit nur 7 Kandidaten aufgestellt.
25 Sitze besetzen die Sozialdemokraten damit im Stadtrat, 13 die CDU, Grüne und Linke jeweils neun Sitze. „Wir haben in Offenbach das beste Ergebnis seit 25 Jahren“, freut sich Christian Grünewald, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Offenbach. Denkbar sind nun eine SPD-Grüne-FDP-Ampel, also eine Fortsetzung der bisherigen Rathaus-Koalition. Weitere denkbare Varianten sind Rot-Grün-Rot oder eine große Koalition aus SPD und CDU. Eine rot-schwarze Koalition wäre indes ein politischer Kurswechsel.
Viele Gründe führen zum Erfolg
Der klare Erfolg, den sich die Sozialdemokraten auf die Fahnen schreiben dürfen, ist für Grünewald das Resultat verschiedener Faktoren: „Es ist eine Mischung aus vielen Dingen, die damit einhergehen, dass wir hier vor Ort wirklich versuchen, überall aktiv zu sein, den Offenbachern zuzuhören, sie ernst zu nehmen, Sorgen auch aussprechen zu lassen.“ Außerdem lobt er das Engagement aller: „Es ist immer auch ein Teamergebnis“.
Außerdem habe Offenbach mit Felix Schwenke einen bekannten und engagierten Oberbürgermeister. Schwenke hatte zuvor schon als Kämmerer die Geschicke der Stadt beeinflusst und dürfte zum guten Abschneiden seiner Partei bei den Stadtverordnetenwahlen beigetragen haben. Die Stadt wirtschaftlich zu stärken und gute Arbeitsplätze zu schaffen, gehört zu seinen wichtigsten Zielen.
Gelungene Listenaufstellung
Aufgegangen scheint auch das Kalkül bei der Aufstellung der Liste. Die SPD Offenbach punktete mit bekannten Persönlichkeiten wie der SPD-Fraktionschefin Helena Wolf, der Spitzenkandidatin auf der Liste, die 2025 auch für den Bundestag kandidiert hatte. Populär ist ebenfalls Kämmerer Martin Wilhelm. Auch Hibba Kauser, die Preisträgerin des Helene-Weber-Preises für engagierte Kommunalpolitikerinnen, findet sich auf der Liste.
Es sei extra darauf geachtet worden, dass neben Parteimitglieder*innen auch andere kandidierten, um die Stammwählerschaft der Arbeiter*innen, aber auch die bunte Stadtgesellschaft abzubilden, merkt Grünewald an. Zum Beispiel eine Bäckereifachverkäuferin oder der selbstständige Ladenbesitzer Eyad Hamadei aus Syrien. Auch ehemalige Mitglieder anderer Parteien – zum Beispiel Sven Malsy, Ex-Linker, oder Hanif Aroji, gebürtiger Iraner, ehemals Grüne – stehen auf der Liste.
Bezahlbares Wohnen und Bildung im Fokus
Darüber hinaus hat die Offenbacher SPD im Wahlkampf folgende Themen in den Fokus gestellt: Erstens bezahlbares Wohnen, „das ist ja immer ein Dauerbrenner“, so Grünewald. Außerdem habe man Bildung, sprich die Sanierung von Kitas und Schulen, nach vorne gestellt. Wichtig seien außerdem die Themen Sauberkeit und Sicherheit gewesen. „Wir müssen den Leuten erst einmal zuhören und dürfen sie nicht belehren. Wenn es heißt, wir brauchen mehr Licht und Sauberkeit, dann ist das ein Thema, das wir annehmen müssen“, betont Grünewald. Wenn die SPD sich nicht um gute Arbeitsplätze oder Alltagssorgen kümmere, dann machten das eben andere.
Stadt im Strukturwandel
Die Stadt neben der glitzernden Bankenmetropole Frankfurt hatte wie andere Industriestädte wegen des Strukturwandels viele Probleme, wie etwa eine hohe Arbeitslosigkeit und Armutsquote. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen hat sich die soziale Lage der Stadt verbessert, was aus dem Sozialbericht 2023 hervorgeht: So betrug der Anteil von Bürgergeld-Empfänger*innen an der Gesamtbevölkerung im Dezember 2023 rund 11 Prozent – 2013 lag die Quote noch bei rund 18 Prozent. Positiv hat sich laut dem Sozialbericht auch die Kinderarmutsquote entwickelt: Im Jahr 2023 lag der Anteil an Kindern, die in Bedarfsgemeinschaften leben, bei 33 Prozent – „damals trauriger Spitzenwert“, wie es heißt. Bis Ende 2023 sank sie auf 19,3 Prozent – Platz 42 in Deutschland.
Auch an der wirtschaftlichen Entwicklung ist abzulesen, dass es aufwärts geht: Aus dem Jahresbericht Wirtschaft der Stadt, der im März 2025 veröffentlicht wurde, geht hervor, dass es zum ersten Mal seit 1991 wieder mehr als 52.000 Arbeitsplätze gibt. Für OB Felix Schwenke belegten diese Zahlen „einen großen Fortschritt, der nach 30 harten Jahren strukturellen Wandels jetzt sogar eine historisch und symbolisch wichtige Schwelle überschritten habe“, wie er laut einer Mitteilung sagte. An diese Entwicklungen kann der neue Rat mit der SPD als größte Fraktion künftig weiter anknüpfen.
Ralf Bauer
ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.