Steigende Mieten: Mietrechtsnovelle soll Mieter*innen besser schützen
Die Wohnungsnot in Deutschland spitzt sich zu. Laut dem neuen Mietpreisindex des Kiel Instituts für Weltwirtschaft stiegen die Angebotsmieten zu Ende 2025 um 4,5 Prozent. Das Bundesjustizministerium will mit einem Gesetzentwurf zum Mietrecht künftig Mieter*innen besser schützen.
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Blick über die bayrische Landeshauptstadt München. Hier sind die Angebotsmieten im letzten Quartal 2025 mit plus 1,9 Prozent kräftig gestiegen. Mit einer durchschnittlichen Kaltmiete pro Quadratmeter liegt München mit 23,35 Euro an der Spitze.
Die Suche nach bezahlbaren Wohnungen gestaltet sich in Deutschland immer schwieriger. Neue Zahlen des Mietpreisindex GREIX des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigen, dass die Angebotsmieten zum Jahresende 2025 deutlich angestiegen sind. Im Vergleich zum Vorjahresquartal lagen sie um 4,5 Prozent höher – das ist doppelt so hoch wie die allgemeine Teuerung. Seit 2015 sind die Angebotsmieten sogar um 14 Prozent stärker gestiegen als die allgemeine Teuerung, teilte das Institut mit.
Jonas Zdrzalek, Projektleiter des GREIX, spricht von einer zunehmend belastenden Situation: „Wohnungssuchende haben es aktuell schwer. Das klassische Angebot geht zurück, die Preise steigen und die Konditionen werden härter.“ Die Zahl der Wohnungsinserate ist gegenüber dem Vorjahresquartal um sieben Prozent gesunken, gegenüber dem dritten Quartal 2025 sogar um mehr als zehn Prozent.
Befristete und möblierte Wohnungen auf Rekordhoch
Zugleich erreichte der Anteil befristeter Verträge und möblierter Wohnungen ein Rekordniveau: Bundesweit entfielen im Jahr 2025 inzwischen über 17 Prozent aller Inserate auf dieses Segment, also mehr als jedes sechste Inserat, hieß es. In dem Index werden die Daten in 37 Städten und Regionen ausgewertet.
Besonders deutlich fielen die Mietanstiege in Köln mit plus 3,4 Prozent und in München mit plus 1,9 Prozent aus. In Hamburg und Frankfurt am Main entsprachen die Werte in etwa dem Bundesdurchschnitt von rund einem Prozent.
München bleibt Spitzenreiter bei Kaltmieten
Am teuersten bleibt München mit durchschnittlich 23,35 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, gefolgt von Frankfurt am Main mit 17,36 Euro. Leipzig ist mit 10,22 Euro die günstigste Stadt unter den Top 8-Metropolen. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 14,41 Euro pro Quadratmeter.
Zdrzalek sieht das sinkende Mietangebot als „ein Zeichen dafür, dass Menschen mit Altverträgen ihre Wohnung nach Möglichkeit halten, oder viele Objekte mittlerweile ohne Inserat vergeben werden“. Seiner Ansicht nach dürften bei Neuvermietungen in Großstädten gerade Geringverdienende beziehungsweise Menschen in Ausbildung und Studium zunehmend an ihre Belastungsgrenze stoßen. Sogar auf die Wirtschaftsentwicklung könnte die Wohnungsnot sich auswirken: „Auch Fachkräfte aus dem In- und Ausland tun sich mit einem Umzug vermutlich oft schwer“, so Zdrzalek.
Mieterbund fordert entschiedenen Mieterschutz
Der Deutsche Mieterbund (DMB) warnte angesichts dieser Zahlen „vor einer weiteren Verschärfung der Wohnungsnot in deutschen Städten“. Bundesweit sei inzwischen mehr als jedes sechste Wohnungsinserat befristet oder möbliert, in Metropolen wie München sogar rund ein Drittel.
„Befristete und möblierte Wohnungen sind häufig nichts anderes als ein Instrument zur Umgehung des Mieterschutzes“, sagte die Präsidentin des deutschen Mieterbundes, Melanie Weber-Moritz. „Hier werden überhöhte Preise verlangt und der Kündigungsschutz ausgehebelt, alles auf dem Rücken der Mieterinnen und Mieter, die auf den überhitzten Mietmärkten oft keine andere Möglichkeit haben, als solche Angebote anzunehmen.“
Geplante Mietrechtsnovelle soll Mieter entlasten
Die Bundesregierung arbeitet derzeit am Gesetzentwurf „Mietrecht II“, um Mieter besser zu schützen und Rechtsunsicherheiten zu beseitigen. Der Referentenentwurf befindet sich derzeit in der Abstimmung innerhalb der Ressorts. Der Entwurf des Bundesjustizministeriums (BMJV) unter der Federführung von Bundesministerin Stefanie Hubig (SPD) enthält unter anderem strengere Regeln für möblierte Wohnungen und Kurzzeitmietverträge.
Wie aus dem BMVJ verlautet, sollen Vermieter*innen in angespannten Wohnungsmärkten den Zuschlag für Möbel gesondert ausweisen. Wie es aus dem BMJV heißt, soll für vollmöblierte Wohnungen künftig eine Pauschale von fünf Prozent der Nettokaltmiete angesetzt werden können.
Geplant ist demnach auch eine Höchstgrenze für Kurzzeitvermietungen. Verträge sollen einmalig maximal für sechs Monate abgeschlossen werden können.
Darüber hinaus geht es nach den Plänen auch um einen Deckel für Indexmieten: In angespannten Wohnungsmärkten sollen Mieterhöhungen künftig auf maximal 3,5 Prozent pro Jahr begrenzt werden können.
Die Wertgrenze für Modernisierungsmieterhöhungen nach dem
vereinfachten Verfahren soll von 10.000 auf 20.000 Euro angehoben werden, heißt es.
Ralf Bauer
ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.