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Frankfurt wagt den großen Wurf bei den Theaterbühnen

31. März 2026 13:19:53

Oper und Schauspiel entstanden in der Nachkriegszeit und werden neu gebaut. Die Stadt am Main bringt die Kosten auf. Sanierung oder Abriss von Kulturstätten beschäftigen derzeit viele Kommunen in Deutschland. 
 

Frankfurter Oper

Die Frankfurter Oper, Teil einer Theaterdoppelanlage, stammt weitgehend aus den 50er und 60er Jahren. 

Lange wurde im Frankfurter ­Magistrat gerungen, ehe sich im ­Januar 2020 eine Mehrheit gegen eine Sanierung der Theaterdoppelanlage Oper und Schauspiel und für die Untersuchung verschiedener Neubauoptionen entschied. Beide Bühnen sind am ­Willy-Brandt-Platz in einem gemeinsamen ­Gebäude untergebracht, das in die Jahre gekommen ist und erheblichen Sanierungsbedarf aufweist. In einer Machbarkeitsstudie wurde im Jahr 2017 errechnet, dass eine Sanierung in etwa gleich teuer wäre wie ein Neubau. 

„Schauspiel und unsere Oper gehen weitgehend auf Bauten aus den 50er und 60er Jahren zurück. Von den Resten des Schauspiels von 1902 sind nur noch 15 Prozent erhalten“, sagt Ina ­Hartwig, Kulturdezernentin in Frankfurt am Main. Das schöne Glasfoyer, das Schauspiel und Oper verbindet, sei damals ein architektonisches Statement gewesen. „Der Rest des Gebäudes ist ein ziemliches Tohuwabohu, ein Labyrinth, kein ganzheitlicher architektonischer Entwurf, anders als beispielsweise in Düsseldorf, wo das Schauspiel ein wunderschöner, in sich geschlossener Entwurf ist.“ Sie findet es richtig, dass man sich dort für eine Sanierung entschieden hat, so Hartwig.

Wachsender Investitionsstau in Deutschland

Sanierung oder Abriss und Neubau von Kulturstätten beschäftigen derzeit viele Kommunen in Deutschland. „Die Städte sehen mit Sorge den wachsenden Sanierungsbedarf von prägenden Kulturbauten in Deutschland“, erklärte der Deutsche Städtetag Ende Januar 2026. Hauptgeschäftsführer Christian ­Schuchhardt forderte eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen, um diese einzigartigen Kulturbauten zu sanieren und zu erhalten. Laut Kommunalpanel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 2024 beträgt der bundesweite Investitionsstau im Kulturbereich 6,61 Milliarden Euro, das sind rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Deutsche Städtetag hält diese Zahl sogar für zu niedrig. Außerdem weist er darauf hin, dass die Kommunen – besonders die großen Städte – mit fast 40 Prozent den größten Teil der öffentlichen Kulturausgaben in Deutschland tragen, deutlich mehr als Länder und Bund.

Ina Hartwig ist Kulturdezernentin in Frankfurt am Main. Foto: Salome Rössler

 Ein zentraler Grund für den wachsenden Sanierungsbedarf ist die Bauwelle der Nachkriegszeit, während der viele neue Kunst- und Kulturbauten entstanden sind. „Gerade diese architektonische Zeitschicht ist in vielen Städten stark betroffen“, weiß Hartwig. Zudem haben sich viele Vorschriften geändert, die eine Sanierung herausfordernd und teuer machen: Brandschutz-Vorgaben, Regeln zur Barrierefreiheit, Arbeitsstättenrichtlinien, um einige zu nennen. Bei der Entscheidung für den Neubauvon Oper und Schauspiel ist das Kostenargument ein ganz entscheidendes gewesen, weil „der Risikofaktor bei einer Sanierung enorm hoch ist: Man weiß vorher nicht, was einen erwartet“, meint Hartwig.

Für die komplexen Neubauten muss die Stadt Frankfurt als Bauherrin tief in die Kasse greifen. Die Kosten werden auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt. „Die Investition wird sich über zehn bis 20 Jahre strecken“, so Hartwig. Die neuen Bühnen sollen in den 2030er Jahren entstehen und bis 2040 in Betrieb gehen. Landesmittel gibt es jedoch nicht. „Wir erhalten sehr wenig Unterstützung vom Land – anders als beispielsweise Wiesbaden mit seinem Staatstheater“, kritisiert Hartwig. Allerdings kann die Bankenstadt das Projekt dennoch stemmen. Frankfurt sei in der glücklichen Situation, sehr gute Gewerbesteuereinnahmen zu haben, so die Kulturdezernentin. 3,17 Milliarden Euro erreichten allein die Gewerbesteuererträge in 2024. Zugleich weist die Kulturdezernentin auf den Aspekt der Nachhaltigkeit hin: „Beim Neubau gibt es natürlich die Möglichkeit, energetisch nachhaltige Gebäude zu bauen. Das bedeutet, dass wir perspektivisch auch wieder einsparen.“

Orte der Begegnung

Wie wichtig Kunst- und Kulturbauten als Orte der Begegnung und Identität sind, zeigen zahlreiche Beispiele: So wird in Leipzig ein ehemaliger Bowlingtreff, der seit den 90er Jahren leer steht, denkmalgerecht saniert und zum neuen Naturkundemuseum umgebaut. Das Theater Oberhausen wurde seit 2020 in mehreren Bauabschnitten technisch modernisiert und barrierefrei gestaltet. Auch Frankfurts Kunsthalle Schirn wird derzeit energetisch saniert – eine weitere Investition in die Modernisierung von Frankfurts Kulturbauten.

Solche Bauten seien sehr wichtig für die eine Stadt, betont die Hartwig. „Und ich würde fast sagen, sie prägen weit mehr – nämlich die Stadtlandschaft insgesamt und gehören zur kulturellen Identität europäischer Städte.“

Autor*in
Karin Billanitsch

ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.

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