Gemeinsames Windpark-Projekt bringt Vorteile
Ein Kommunales Gemeinschaftsprojekt über Grenzen einer Verbandsgemeinde hinweg ist der Windpark in sechs Ortsgemeinden im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Auf diese Weise birgt die Energiewende großes Potential für die regionale Wertschöpfung.
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Blick über die Gemeinde Arzfeld im Eifelkreis Bitburg-Prüm.
Interessen bündeln und kommunale Wertschöpfung schaffen: Unter dieser Maxime wird aktuell im Eifelkreis Bitburg-Prüm in der Verbandsgemeinde Arzfeld im Dreiländereck Luxemburg-Belgien-Deutschland ein gemeinsamer Windpark mit voraussichtlich insgesamt zwölf Windkraftanlagen der neuesten Generation entwickelt. Die Besonderheit dabei: Es handelt sich um fast ausnahmslos kommunale Flächen von sechs Ortsgemeinden, die allerdings zwei verschiedenen Verbandsgemeinden angehören.
Initiative der Verbandsgemeinde Arzfeld
Bereits im Sommer 2023 trafen sich auf Initiative von Bürgermeister Johannes Kuhl, VG Arzfeld, und dem Landtagsabgeordneten Nico Steinbach fünf Ortsgemeinden der VG Bitburger-Land und die Ortsgemeinde Plütscheid aus der VG Arzfeld, um das gemeinsame Projekt Windpark Geweberwald umzusetzen. Die Besonderheit: die insgesamt rund 94 Hektar Gemeindeflächen gehören zu etwa drei Viertel den Ortsgemeinden der VG Bitburger-Land, liegen aber (planungsrechtlich) in der Verbandsgemeinde Arzfeld.
Die Flächen waren bereits bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes der VG Arzfeld 2016 näher betrachtet worden, aufgrund verschiedener Restriktionen war eine Ausweisung als Sondergebietsflächen Windenergie damals nicht möglich. Einige dieser Einschränkungen waren jedoch entfallen, und so startete der Verbandsgemeinderat Arzfeld die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes zur Ausweisung dieser neuen Windstandorte.
Leuchtturmprojekt der Energiewende
Schnell war man sich einig, die Flächen an die Verbandsgemeinde Arzfeld zu verpachten und in Abstimmung mit der Kommunalberatung Rheinland-Pfalz einen gemeinsamen Pachtvertrag abzuschließen. Die beteiligten Ortsbürgermeister, allen voran Ortsbürgermeister Nico Steinbach aus Oberweiler, sahen hierin eine riesige Chance, ein Leuchtturmprojekt der Energiewende und der kommunalen Zusammenarbeit zu realisieren.
So konnte im Dezember 2023 ein gemeinsamer Pachtvertrag unterzeichnet werden. Im Frühjahr 2024 wurde, wiederum mit Unterstützung der Kommunalberatung Rheinland-Pfalz, ein bundesweites Interessenbekundungsverfahren zur Vermarktung der Windenergieflächen gestartet. In diesem zweistufigen Verhandlungsverfahren legte die Firma Vattenfall, Mainz, das wirtschaftlichste Angebot vor und konnte sich damit die Flächen für eine Nutzung mit Windenergie sichern.
Zwölf Windkraftanlagen
Auf den im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Sondergebietsflächen von insgesamt etwa 94 Hektar sollen zwölf Windkraftanlagen mit jeweils sieben Megawatt Leistung und einer Nabenhöhe von bis zu 180 Metern entstehen. Der entsprechende Genehmigungsantrag wurde bereits Mitte 2025 vorgelegt. Die Firma Vattenfall geht davon aus, Mitte 2026 die entsprechenden gesetzlichen Genehmigungen zu erhalten.
Neben den Pachten für die Windenergieanlagen erhalten die beteiligten Ortsgemeinden für jede Windkraftanlage eine Entschädigung nach § 6 EEG, zusammengerechnet insgesamt Beträge in Höhe von sechsstelligen Entschädigungszahlungen, die auf die Gemarkungsbereiche verteilt werden.
Die Verbandsgemeinde Arzfeld, bzw. deren Gesellschaft, die Windkraft Arzfeld GmbH, erhält für Ihr Engagement im Zuge der Vermarktung der Flächen und des Baus der Windkraftanlagen einen Pachtanteil und verteilt diesen wiederum im Rahmen eines Solidarpaktes auf die Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Arzfeld. Insgesamt für alle Beteiligten somit eine win-win Situation mit Vorbildcharakter.
Bürgerbeteiligung geplant
Aber auch die Bürgerinnen und Bürger vor Ort sollen beim Betrieb des Windparks die Möglichkeit erhalten, sich an den Anlagen zu beteiligen. So beabsichtigt Vattenfall eine direkte Beteiligungsmöglichkeit über eine Eigenkapitalbeteiligung an der Windparkgesellschaft und die Gewährung von Nachrangdarlehen mit fester Laufzeit. Ebenfalls soll ein Bürgerstromtarif mit Windstrombonus geschaffen werden. Mit den Gemeinden wurde vereinbart, an geeigneten Stellen Ladesäulen zur Elektromobilität zu errichten.
Insgesamt gesehen bietet das Windparkprojekt damit die Gewähr, nicht nur die Kommunen an der regionalen Wertschöpfung zu beteiligen, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger mit einzubeziehen und damit eine hohe Akzeptanz zu schaffen.
Es zeigt einmal umso mehr, dass die Energiewende ein großes Potential an regionaler Wertschöpfung hat und die Chance bietet, alle Akteure auch über kommunale Grenzen hinweg zusammen zu bringen.