Neues Handbuch: Komplexe Digitalisierung
Das Praxishandbuch Verwaltungsinformatik soll Inspiration liefern für die Digitalisierung der Behörden.
transcript Verlag/utb.
Cover Praxishandbuch Verwaltungsinformatik von Tim Pidun und Gunnar Auth
Die Bezeichnung „Praxishandbuch“ ist etwas irreführend für das Werk, das Tim Pidun und Gunnar Auth herausgegeben haben. Beide sind Wirtschaftsinformatiker und befassen sich als Professoren in Dresden und Meißen schwerpunktmäßig mit digitaler Verwaltung und E-Government. Ihr Buch ist weder eine Anleitung noch ein lexikalisches Nachschlagewerk. Es vermittelt vielmehr schlaglichtartige Einblicke in die Digitalisierungsprozesse der Verwaltungen. Dabei wird deutlich, wie komplex, anspruchsvoll und gleichzeitig chancenreich diese sind.
Verwaltungen sind schon sehr digital
Behörden seien bei der Digitalisierung übrigens gar nicht so verschlafen, wie viele meinen. Das machen die Herausgeber gleich zu Beginn deutlich. Viele Prozesse seien bereits digitalisiert „und alle Forschenden, Lehrenden, Praktiker – Informatiker wie Verwaltungswissenschaftler – sind aufgerufen, noch mehr Macheten für das Dickicht der Verwaltungsleitungen zu schmieden“, schreiben Pidun und Auth. Ihr Sammelband soll dazu beitragen. Dessen Ziel war es, Ideen, Praxisbeispiele, Hinweise und Diskussionsgrundlagen für die tägliche Praxis zusammenzustellen.
Daran haben zahlreiche Autorinnen und Autoren mitgewirkt. Viele Beiträge sind im Rahmen von Tagungen, Workshops und Konferenzen der „Gesellschaft für Informatik“ entstanden.
Zum Beispiel enthält das Buch einen Praxisbericht über „Potenziale und Grenzen beim Einsatz von Methoden der Künstlichen Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung“. Hier werden Erfahrungen aus dem Sächsischen Staatsministerium für Regionalentwicklung zusammengefasst. Ein anderer Text analysiert, wie sogenannte „Digitale Zwillinge“ (also virtuelle Modelle) Kommunen unterstützen können, ihre Aufgaben wahrzunehmen. Ein weiterer Beitrag geht der Frage nach, wie die Blockchain-Technologie digitale Behördengänge vereinfachen kann, und veranschaulicht das anhand von Online-Elterngeldanträgen in Hessen.
Etwas Informatik-Grundwissen ist hilfreich
Der überwiegende Teil des Buches befasst sich mit Verwaltungsinformatik. Aber auch rechtliche Aspekte wie das Onlinezugangsgesetz (OZG) und damit verbundene „Komplexitätsprobleme“ werden untersucht. Die abschließenden Texte wagen einen Ausblick, wie die Aus- und Weiterbildung an die neuen Herausforderungen angepasst werden kann.
Wer das Praxishandbuch Verwaltungsinformatik zur Hand nimmt, sollte schon etwas Vorwissen mitbringen. Für Laien sind manche Texte zu sperrig, da nicht alle Grundbegriffe erklärt werden. Denjenigen, die sich in der Materie etwas auskennen, bietet das Buch viele wertvolle Anregungen.
Tim Pidun, Gunnar Auth (Hg.):
Praxishandbuch Verwaltungsinformatik
Transcript Verlag Bielefeld, 2025, 240 Seiten, 40,00 Euro,
ISBN: 9783825264314
Dirk Bleicker
ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.