Trotz Geldmangel: Wie Bad Soden-Salmünster ein Schwimmbad saniert hat
Ein Freibad im Stadtteil Mernes war marode, Geld für die Sanierung fehlte. Also haben die Bürger*innen in Bad Soden-Salmünster selbst Hand angelegt. Mit viel ehrenamtlicher Unterstützung wurde die Anlage zu einem Naturbad umgebaut.
Bund der Steuerzahler Hessen
Das Naturbad in Mernes nach dem Umbau
Bad Soden-Salmünster ist eine 14.000-Einwohner*innen-Stadt im Südosten von Hessen. Und sie hatte bis vor Kurzem ein Problem, das so oder ähnlich auch viele andere Kommunen kennen. Das kleine Freibad im Stadtteil Mernes war völlig marode, eine Sanierung „eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit“. So erinnerte sich Bürgermeister Dominik Brasch (CDU) kürzlich bei einer Veranstaltung in Berlin.
Trotzdem konnte das Bad gerettet werden. Das liegt vor allem an dem Gemeinsinn der Bewohner*innen von Mernes. Der Stadtteil liegt im Süden der Kommune, hat rund 900 Einwohner*innen und ist dörflich geprägt. Die Menschen hier nehmen die Dinge gerne selbst in die Hand, auch um gegenüber den anderen Stadtteilen nicht abgehängt zu werden. „Ein reges Völklein“ seien die Merneser*innen, erzählt der SPD-Stadtrat Godehard Goralewski. Der Ortsbeirat sei sehr aktiv und habe bei der Stadt immer wieder nachgebohrt, dass mit dem Bad etwas passieren müsse.
Bevölkerung half bei Umbau zu Naturbad
So entstand die rettende Idee: Das Freibad sollte zu einem ökologisch geprägten Naturbad umgebaut werden. „Aus rein monetären Gründen, weil wir sagten, dann können wir es uns noch leisten“, wie Bürgermeister Brasch erklärt. „Die Bürger haben da wirklich alle mit angepackt und über Monate hinweg jedes Wochenende Arbeitseinsätze geliefert.“ 50 Helfer*innen aus Mernes leisteten insgesamt 4.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Dank dieser Hilfe gelang es der Kommune, mit nur rund einer Million Euro ein neues Freibad zu bauen.
„Wir haben die Materialkosten bezahlt“, ansonsten sei vieles durch die Bürger*innen geleistet worden, so Brasch. Auch der Betrieb werde durch deren Engagement sichergestellt. Ein ehrenamtliches Team habe das Bad vor der Saison vorbereitet, den Rasen gemäht, die Klos geputzt und das Bad am Ende der Saison abgeschlossen. Der Bürgermeister muss nur selten seine Fachleute ins Bad schicken: „Ich habe ein bis zweimal im Jahr den Bauhof drin, das wars“, berichtet Brasch. Das Bad sei energieautark und „fast ein Selbstläufer“. Sonst hätte man heute in dem 900-Einwohner*innen-Ort kein Freibad mehr.
Das Wasser kommt aus einer Quelle
Den Umbau plante die Kommune mit Bedacht. „Man musste nicht das alte Bad abbrechen oder ein neues Loch buddeln, sondern hat in das alte Becken ein neues hineingesetzt“, erklärt der SPD-Stadtrat Goralewski. Das Bad werde durch eine Quelle gespeist. Diese sei zwar kühl, doch dafür müsse man kein teures Leitungswasser kaufen.
Begonnen haben die Arbeiten im Jahr 2022, mit Unterstützung des Ortsbeirates und weiterer Bürger*innen. „Man hat eine Grasnarbe weggemacht oder das Baufeld geräumt, also viel selbst erledigt, und so die Kosten gesenkt“, schildert Goralewski. Die Stadt habe beim Land Hessen Zuschüsse beantragt. 565.000 Euro konnte die Kommune so einwerben. Auch lokale Firmen hätten sich beteiligt und auf Honorar verzichtet, um die Kosten zu senken. „Die haben gesagt: Wir machen jetzt am Samstag mal eine Aktion zum Selbstkostenpreis“, erzählt Goralewski.
Erhalt des Freibads hat sich für Kommune gelohnt
Nach knapp zwei Jahren, im August 2024, konnte das Bad eingeweiht werden. Ein Schwimmbadverein betreibt den Kiosk. Größter Kostenpunkt seien die Bademeister, sagt Goralewski. Um diese Kosten zu senken, werden derzeit alternative Konzepte rechtlich geprüft. Angedacht ist eine hybride Lösung, die Zeiten mit und ohne Badeaufsicht vorsieht.
Die Preise für das Bad sind moderat: Erwachsene zahlen vier Euro, Kinder zwei und mit Zehner- oder Saisonkarten wird der Besuch noch etwas günstiger. Genutzt wird das Freibad hauptsächlich von den Menschen aus Mernes und Umgebung, gelegentlich kommen auch mal ein paar Kurgäste. „Im Sommer war das Bad sehr gut frequentiert“, berichtet Goralewski.
Was die Mernesser*innen geleistet haben, sprach sich in der Region bald herum. Im Oktober 2025 wurde Bad Soden-Salmünster mit dem „Spar-Euro“ ausgezeichet – einem Preis, den der Bund der Steuerzahler Hessen gemeinsam mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund vergibt. „Aus Sicht der Jury vereint das Projekt Tradition, bürgerschaftlichen Zusammenhalt und Wirtschaftlichkeit“, teilten die beiden Verbände mit.
Dirk Bleicker
ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.