Was eine Studie zum Ehrenamt bei der Feuerwehr herausgefunden hat
Wie das Engagement in freiwilligen Feuerwehren attraktiver werden kann, hat eine Studie im Auftrag des rheinland-pfälzischen Innenministers Michael Ebling untersucht. Nun liegen die Ergebnisse vor.
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Feuerwehreinsatz in Schwabenheim an der Selz: Zehntausende Freiwillige engagieren sich in den Feuerwehren des Bundeslandes.
Sie sind da, wenn es brennt. Rund 56.400 Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen sorgen in Rheinland-Pfalz für die Sicherheit der Bürger*innen – und das ehrenamtlich. Bundesweit sind es nach Zahlen des Deutschen Feuerwehrverbandes sogar mehr als eine Million. Das System funktioniert aber nur, wenn sich auch in Zukunft genügend Freiwillige finden, die ihre Freizeit mit Kamerad*innen auf der Feuerwache verbringen, an Übungen teilnehmen oder im Ernstfall rund um die Uhr zu Bränden oder Unfällen ausrücken.
12.500 Feuerwehrleute wurden befragt
Der rheinland-pfälzische Innenminister Michael Ebling (SPD) wollte herausfinden, wie das Ehrenamt in den Freiwilligen Feuerwehren gestärkt werden kann. Sein Ministerium hat beim Stifterverband für die deutsche Wissenschaft eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Dazu gehörte eine Online-Befragung, an der sich 12.500 Feuerwehrangehörige aus Rheinland-Pfalz beteiligt haben. Die Ergebnisse hat Ebling in dieser Woche vorgestellt, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landesfeuerwehrverbandes Frank Hachemer, dem Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebundes Moritz Petry und dem Präsidenten des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz René Schubert.
Die Zahlen stimmen zuversichtlich: Rund 80 Prozent der Befragten wollen ihr Engagement in der Feuerwehr im bisherigen Umfang fortsetzen. Mehr als ein Drittel kann sich sogar vorstellen, sich künftig noch stärker einzubringen. Besonders viele junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren haben Lust, noch mehr Verantwortung zu übernehmen.
Kritik an Feuerwehr-Ausrüstung und Schulungen
Trotzdem befürchten viele Einsatzkräfte, dass es in Zukunft schwieriger werden wird, neue Mitglieder zu gewinnen. Unzufrieden waren sie mit dem Zustand der Dienstkleidung, der persönlichen Schutzausrüstung und der Feuerwehrgerätehäuser. Dabei fiel auf: Je kleiner die Gemeinde oder Stadt ist, in der sich die Feuerwehreinheit befindet, desto kritischer wurde die Ausstattung bewertet.
Kritisiert wurden auch die Aus- und Weiterbildungsangebote. Nur rund die Hälfte der Befragten war damit zufrieden. Bedarf sahen sie in den Bereichen taktisches Einsatztraining, technische Schulungen und Umgang mit Stresssituationen. Viele Einsatzkräfte wünschen sich zudem, die Grundausbildung flexibler zu gestalten. Der Landesfeuerwehrverband schlägt unter anderem mehr digitale und modulare Ausbildungsformate vor.
Anerkennung erfahren die Einsatzkräfte vor allem durch die eigenen Kamerad*innen. Von der Öffentlichkeit und behördlichen Stellen fühlen sie sich deutlich weniger wertgeschätzt. Was außerdem auffiel: Nur zehn Prozent der ehrenamtlichen Einsatzkräfte in Rheinland-Pfalz sind Frauen.
Empfehlungen zur Stärkung des Ehrenamtes
Die Autoren der Studie haben zehn Empfehlungen erarbeitet, um Einsatzkräfte zu gewinnen und langfristig an die Feuerwehren zu binden:
- Präsenz der Feuerwehr in Bildungseinrichtungen ausbauen
- Einsatzkräfte gezielt in die Mitgliedergewinnung einbinden
- Frauen für die Feuerwehr gewinnen
- Ausbau von Bambini-Feuerwehren fördern
- Grundausbildung flexibler gestalten
- Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehren professionell unterstützen
- Talente fördern und Verantwortungsübernahme ermöglichen
- Beschaffung der Ausrüstung zentralisieren und bedarfsgerecht gestalten
- Finanzielle Anerkennung für Einsatzkräfte ausbauen
- Attraktivität der Ehrenamtskarte steigern
Forum soll Empfehlungen umsetzen
„Die Studie bietet uns eine fundierte Grundlage für die nächsten Schritte“, sagte Minister Ebling. „Entscheidend ist jetzt, dass wir mit Kommunen und dem Feuerwehrverband handeln.“ Alle drei Seiten wollen nun ein gemeinsames „Forum Ehrenamt Feuerwehr“ etablieren, das die Handlungsempfehlungen prüft, priorisiert und konkrete Umsetzungsvorschläge erarbeitet. Das soll bis Ende 2026 passieren. Erste Maßnahmen wie der Ausbau der Bambini-Feuerwehren oder die stärkere Verankerung von Feuerwehr und Bevölkerungsschutz in Schulen und Kitas würden besonders zeitnah angestoßen, kündigte das Innenministerium an.
„Wir brauchen keine weiteren Analysen, wir brauchen Entschlossenheit“, kommentierte Frank Hachemer vom Landesfeuerwehrverband die Studie. Man müsse nun gemeinsam dafür sorgen, dass aus den Empfehlungen konkrete Verbesserungen entstehen.
Link zur Studie:
mdi.rlp.de
Dirk Bleicker
ist Leitender Redakteur der DEMO. Er hat „Public History” studiert.