Wie Kommunen sich auf einen Blackout vorbereiten können
Der Stromausfall in Berlin hat gezeigt, wie verletzlich eine hochgradig elektrifizierte Gesellschaft ist. Trotz hoher Versorgungssicherheit sind längere Blackouts möglich. Wie Kommunen sich auf eine solche Lage vorbereiten, zeigen beispielhaft der Landkreis Oberhavel und die Stadt München.
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Eine dunkle und unbeleuchtete Straße während des großflächigen Stromausfalls in Berlin. Kommunen sind unterschiedlich auf einen länger andauernden Blackout vorbereitet.
Der tagelange Stromausfall in Berlins Südwesten hat rund 100.000 Menschen in kalte Dunkelheit versetzt. Durch den Angriff auf wichtige Stromleitungen wurde einmal mehr offenbar, wie abhängig die Gesellschaft in vielen Bereichen von der Stromversorgung ist. Ihre Qualität ist laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) außerordentlich hoch. Im Durchschnitt war in Deutschland 2024 die Stromversorgung je Verbraucher*in insgesamt nur 11,6 Minuten unterbrochen. Gleichwohl sind, wie sich in Berlin gezeigt hat, länger andauernde Stromausfälle möglich.
Geteilte Zuständigkeiten für Notfälle
Für eine Notfallplanung bei einem Blackout gibt es in Deutschland nicht eine einzelne spezialisierte Behörde, die zuständig ist. Laut BBK setzen „staatliche Akteure in Bund, Ländern und Kommunen jeweils in eigener Zuständigkeit Maßnahmen um“. Genauer tragen die Bundesländer als Aufsichtsbehörden Verantwortung, doch die operative Einschätzung der Lage und die Koordination liegt bei den Landkreisen und kreisfreien Städten als untere Katastrophenschutzbehörden.
Tritt der Notfall ein, müssen in den Landkreisen und kreisfreien Städten Krisenstäbe eingerichtet werden, die sich mit dem Land abstimmen können und auch ohne Strom arbeitsfähig bleiben. Bürger*innen müssen gewarnt und informiert werden, die öffentliche Sicherheit und Ordnung muss aufrechterhalten werden.
Laut einer Umfrage von Report Mainz und SWR Data Lab, über die tagesschau.de berichtet hat, sind nicht alle Kommunen gleichermaßen vorbereitet. Rund 80 Prozent der insgesamt 411 angefragten Kreise und Städte hatten teilgenommen. 26 Prozent gaben an, keinen „Einsatzplan Stromausfall“ zu haben, 14 Prozent keine binnen weniger Stunden einsatzfähigen „Katastrophenschutz-Informationspunkte.“ Hier können Bürger*innen Informationen bekommen und einen Notruf absetzen.
Krisenmanagement: Blick nach Oberhavel und München
Um herauszufinden, welche Notfallmaßnahmen bei einem Blackout greifen, hat die DEMO im Landkreis Oberhavel und in der Stadt München nachgefragt. In der bayerischen Landeshauptstadt „wird im Katastrophenfall auf Grundlage des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes die Führungsgruppe Katastrophenschutz einberufen“, heißt es auf Anfrage. Sie setze sich aus dem Stab außergewöhnliche Ereignisse (SAE) als politisch-administrativer Komponente und der Gefahrenabwehrleitung (GAL) als operativ-taktischer Komponente zusammen. Für die Abstimmung mit dem Land gebe es definierte Meldewege. Neben den standardmäßig integrierten Stellen würden je nach Situation auch weitere für die Krisenbewältigung notwendige Stellen eingebunden.
Wie die Pressesprecherin des Landkreises mitteilt, werde „im Falle eines voraussichtlich länger anhaltenden Stromausfalls der Führungsstab einberufen; im Falle einer Verschärfung der Lage kommt die Katastrophenschutzleitung sowie der Verwaltungsstab zum Einsatz“. Alle Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten, einschließlich der Erreichbarkeit der beteiligten Akteure, seien bereits im Vorfeld klar geregelt.
Notstromversorgung bei Blackout
Bei einem Blackout stellt sich die wichtige Frage nach ausreichenden Notstromkapazitäten. Für die Notstromversorgung von Leitstellen, Befehlsstellen und Notunterkünften seien entsprechende Kapazitäten vorhanden und im Bedarfsfall sofort einsatzbereit, versichert der Landkreis Oberhavel. Auch München hat vorgesorgt: „Die Leitstelle der Kommune ist bereits notstromversorgt, was die Reaktionsfähigkeit im Krisenfall sicherstellt.“ Das versichert die Pressestelle des Kreisverwaltungsreferats der bayerischen Landeshauptstadt. Für die Notunterkünfte würden derzeit Konzepte erstellt, um die Stromversorgung sicherzustellen.
Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen: „Verantwortung bei Betreibenden“
Bei Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen liegt die Verantwortung für die Notstromversorgung grundsätzlich bei den Betreibenden selbst, betonen beide Kommunen. Diese seien verpflichtet, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass ihre Einrichtungen im Notfall ausreichend mit Strom versorgt sind, heißt es aus München. Der Landkreis Oberhavel unterstützt nach eigenen Angaben diese Einrichtungen bei der Planung und um „eine enge Zusammenarbeit und einen reibungslosen Austausch“ sicherzustellen.
Testlauf für den Ernstfall
Übungen zu Szenarien wie „mehrtägiger Stromausfall im Winter” hält der Landkreis nicht nur für sinnvoll, sondern für „absolut notwendig“, wie die Brandenburger*innen betonen. Solche Szenarien würden regelmäßig geübt, zuletzt im Rahmen einer groß angelegten Katastrophenschutzübung des Landkreises Oberhavel 2025, bei der die Zusammenarbeit mit externen Partnern wie der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk THW erfolgreich geprobt wurde. Das stelle sicher, dass Abläufe und Strukturen in Krisensituationen reibungslos funktionierten.
Auch die Stadt München hält eine Vorbereitung auf verschiedene denkbare Szenarien anhand von Übungen grundsätzlich für sinnvoll. An diesen Übungen sollten die für das jeweilige Krisenszenario relevanten Stakeholder beteiligt sein, führt die Pressestelle des Kreisverwaltungsreferats aus. Ein „mehrtägiger Stromausfall im Winter” könne ein relevantes Krisenszenario in einem Katalog von verschiedenen, unterschiedlich gelagerten Krisenszenarien darstellen, heißt es.
Information und Kommunikation
Wie kann die Bevölkerung bei einem Blackout informiert werden? In München stehen der Branddirektion dafür „vielfältige Kommunikations- und Warnwege” zur Verfügung, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Als Beispiel werden Social Media, Pressearbeit, das Modulare Warnsystem des Bundes („MoWas“ mit WarnApps und Callbroadcast) sowie mobile Lautsprecheranlagen, Posteinwürfe und Fußtrupps sowie der Rundfunk genannt.
Wird die Lage stabsmäßig geführt, bildet die Presse- und Medienarbeit einen eigenen Stabsbereich: „Die Pressestelle der Branddirektion bildet dabei aufgrund ihrer Erfahrung und Expertise in der Krisenkommunikation die Arbeitsgruppe für diesen Bereich.“ Sie schlage Kommunikationsmaßnahmen vor und setze diese nach Freigabe der Einsatzleitung um. Art und Umfang der Kommunikationsmaßnahmen seien dabei immer lageabhängige Einzelentscheidungen. Natürlich könnten auch bei nicht stabsmäßig geführten Lagen Kommunikationsmaßnahmen erfolgen.
Oberhavel: Netz von Katastrophenschutz-Leuchttürmen
Im Landkreis Oberhavel gibt es ein Netz von Katastrophenschutz-Leuchttürmen, die als wichtige Informations- und Notfallzentren dienen. „Hier können Bürger Informationen erhalten, Notrufe absetzen und einfache Erste-Hilfe-Maßnahmen in Anspruch nehmen“, erläutert die Sprecherin. Zudem werde ein Bürgertelefon eingerichtet und es würden die Medien genutzt, um eine schnelle und umfassende Information der Bevölkerung zu gewährleisten. Die operative Kommunikation unter den Einsatzkräften erfolge über ein sicheres, separates Funksystem, das laut Pressestelle „auch in Krisensituationen zuverlässig arbeitet“.
Prüfung und Weiterentwicklung der Krisenpläne
„Die bestehenden Krisenpläne werden regelmäßig geprüft und weiterentwickelt“, führt der Landkreis Oberhavel aus. Dennoch gebe der jüngste Stromausfall in Berlin zusätzlich Anlass, Abläufe noch einmal kritisch zu evaluieren und Optimierungspotentiale zu identifizieren. Die Erkenntnisse aus solchen Ereignissen würden in die Krisenmanagementstrategien einfließen, um auf künftige Herausforderungen bestmöglich vorbereitet zu sein.
Auch in München werde an der kontinuierlichen Evaluierung und Verbesserung der Krisenpläne gearbeitet, heißt es. Auf den Blackout in Berlin Anfang Januar gehen die Münchner*innen auf Nachfrage nicht direkt ein, bestätigen indes, dass regelmäßige Überprüfungen stattfinden. „Sie sind entscheidend, um sicherzustellen, dass die Strategien aktuell und effektiv sind, insbesondere in Anbetracht sich verändernder Rahmenbedingungen, Technologien und potenzieller Bedrohungen.“ Langfristige Planung und Vorbereitung seien unerlässlich, „um auf unvorhergesehene Ereignisse wie Stromausfälle oder andere Krisen angemessen reagieren zu können“.
Ralf Bauer
ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.