Sportmilliarde: Ein Schub für Hallen, Plätze und Bäder
Mit dem Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ fördert der Bund Investitionen in den Kommunen. Die Nachfrage nach der „Sportmililliarde“ ist groß. Nach dem ersten Projektaufruf gibt es Anträge im Gesamtwert von 7,5 Milliarden Euro.
Ulf Buschmann
Die Bremer Burgwallhalle ist seit langem für den Sport gesperrt. Ein notwendiger Neubau könnte aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ finanziert werden.
Die Burgwallhalle im Bremer Stadtteil Blumenthal ist eine der typischen Sportstätten, wie sie in den 1960er Jahren errichtet wurden: Stahlträger als Gerüst, dazwischen Betonsteine, ein Einfachdach sowie ein Anbau mit Umkleidekabinen und Duschen. Dazu ein einfacher, mit Linoleum beschichteter Betonboden. Generationen vor allem von Hand- und Fußballern brachten in der Burgwallhalle ihre Sportwochenenden zu. Damit ist es seit einigen Jahren vorbei – die Halle ist wegen baulicher Mängel gesperrt. Ein Neubau müsste her. Doch dafür hatte die hochverschuldete Stadtgemeinde Bremen bislang kein Geld.
Mit einer gehörigen Portion Glück könnte es alsbald einen Ersatz-Neubau für die Burgwallhalle geben. Bremen hat sich nämlich wie zahlreiche weitere Kommunen um Geld aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS) beworben. Es ist Teil des Sondervermögens „Infrastruktur und Klimaneutralität“. Für das Haushaltsjahr 2025 gibt es eine erste Tranche von 333 Millionen Euro. Die gleiche Summe gibt es für 2026. Hinzu kommen 250 Millionen speziell für Schwimmstätten. Das SKS ist besser bekannt als „Sportmilliarde“. Darauf haben sich SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt. Danach soll ab 2025 über vier Jahre verteilt eine Milliarde Euro in sanierungsbedürftige Sportstätten fließen
Gewaltige Nachfrage
In den Kommunen wird das Geld dringend benötigt. Laut einer Befragung der Kämmereien durch die KfW und das Deutsche Institut für Urbanistik lag der kommunale Investitionsrückstand im Jahr 2025 bei 215,7 Milliarden Euro. Im Bereich der Sportstätten waren es mehr als 15 Milliarden. Wie groß die Not in Städten und Gemeinden ist, zeigt die Reaktion auf den ersten Projektaufruf für das SKS vom Oktober vergangenen Jahres. Der ersten Tranche von 333 Millionen stehen Anträge im Gesamtwert von 7,5 Milliarden Euro gegenüber. Welche Kommunen in den Genuss der Berliner Milliarden kommen werden, entscheidet der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages nach Ostern. Bezuschusst werden Projekte von minimal 250.000 bis maximal acht Millionen Euro beziehungsweise mit einer Quote von 45 Prozent Bundesanteil. Hat eine Kommune jedoch einen anerkannten Haushaltsnotstand, gibt es einen 75-Prozent-Zuschuss aus Berlin – unter diese Regelung fällt unter anderem die Stadtgemeinde Bremen.
Dies gilt auch für die Stadt Neumünster in Schleswig-Holstein. Sie hat insgesamt drei Förderanträge eingereicht. „Dazu zählen zwei Sportfreianlagen-Projekte sowie die Sanierung einer Sporthalle an der Gemeinschaftsschule Neumünster-Brachenfeld. Alle Projekte dienen der Sicherung und Weiterentwicklung einer leistungsfähigen, barrierearmen und zukunftsfähigen Sportinfrastruktur für Schule, Vereinssport und den nichtorganisierten Sport“, sagt eine Sprecherin. Die 75-Prozent-Förderung sei Voraussetzung dafür, zentrale Sanierungs- und Neubauprojekte in der Sportinfrastruktur überhaupt realisieren zu können.
Bund will Zeichen für Bürokratieabbau setzen
Für die Kommunen ist die Sportmilliarde grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung. „Das SKS setzt hier ein klares Signal, indem es den Stellenwert von Sport, Bewegung und sozialer Infrastruktur anerkennt. Gleichzeitig ist richtig, dass die zur Verfügung stehenden Mittel den tatsächlichen Bedarf nicht vollständig abdecken können. Das Programm kann daher nur ein Baustein sein und ersetzt keine langfristige, strukturelle Förderung“, sagt René Möller. Er ist Pressesprecher der Bremer Senatorin für Inneres und Sport, Eva Högl.
Ähnliches ist aus Neumünster zu hören. „Für eine nachhaltige Wirkung braucht es aus kommunaler Sicht vor allem langfristig angelegte, verlässliche Förderprogramme mit ausreichendem Finanzvolumen.“ Die Fachleute im hohen Norden plädieren für „realistische Förderquoten, die die Haushaltslage vieler Kommunen berücksichtigen, sowie vereinfachte und beschleunigte Antrags- und Bewilligungsverfahren“. Die Sportministerinnen und -minister machen sich für eine Förderquote seitens des Bundes von mindestens 55 Prozent stark. Die Regierungskoalition im Bund will mit der Sportmilliarde auch ein Zeichen für den Bürokratieabbau setzen. Die Fördermittel würden den Kommunen pauschal zugewiesen, versprachen die Bundestagsfraktionen von Union und SPD vor dem Start des Programms. Damit würden ausufernde Förderbestimmungen, Zweckverwendungsnachweise und weitere Formalitäten reduziert.
Dieser Artikel stammt aus der DEMO-Heftausgabe 1/2026.
Torsten Kropp
Ulf Buschmann ist freier Journalist in Bremen. Für die DEMOKRATISCHE GEMEINDE ist er seit 1998 als Autor tätig.