Wie Städte beim Karneval für Sicherheit sorgen
In Aschaffenburg fällt der Fastnachtszug dieses Jahr aus, München sagt große Faschingsfeiern ab. Andere Städte legen Konzepte vor, um die Feiernden zu schützen. In Marburg gibt es statt eines Umzugs nur eine Festmeile.
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Menschen feiern Karneval. In diesem Jahr gibt es insbesondere in den Karnevalshochburgen wie etwa Köln hohe Sicherheitsvorkehrungen.
Karneval, Fasching oder Fastnacht: Jetzt beginnt die heiße Phase des bunten Treibens der Kostümierten auf den Straßen. Allerdings nicht überall: Der Aschaffenburger Fastnachtszug wird in diesem Jahr nach einer tödlichen Messerattacke auf mehrere Menschen, darunter Kinder, nicht stattfinden.
Aschaffenburg und München trauern
„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Angesichts der großen Trauer ist für uns ein Fastnachtszug um den Park Schöntal herum aber nicht vorstellbar“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD) bereits Anfang Februar. Herzig habe sich mit der Interessengemeinschaft Ascheberscher Fastnacht auf diesen Schritt geeinigt, hieß es in einer Mitteilung der Stadt. Das geschehe aus Rücksicht auf die Betroffenen und auch auf teils traumatisierte Hilfs- und Sicherheitskräfte.
Auch die Landeshauptstadt München hat große traditionelle Faschingsveranstaltungen nach einem Auto-Anschlag auf eine Verdi-Kundgebung abgesagt. „Als Stadtfamilie erscheint es uns im Angesicht des Anschlags und insbesondere aufgrund des gewaltsamen Todes unserer Kollegin aus der Stadtverwaltung und ihrer kleinen Tochter unvorstellbar, unbeschwert auf dem Viktualienmarkt Fasching zu feiern“, teilte die Landeshauptstadt mit. Das bedeutet, dass der traditionelle Tanz der Marktweiber auf dem Viktualienmarkt ebenso ausfällt wie das traditionelle Ritual des Geldbeutelwaschens am Aschermittwoch.
Blick nach Marburg und Köln
Kommunen und Veranstalter passen vielerorts ihre Sicherheitskonzepte an. Beispiel Marburg: Dort gibt es ein neues Konzept für den Rosenmontag. Statt eines Zuges soll es laut einer Pressemitteilung eine „Festmeile“ für Feiernde geben. „Die Stadt unterstützt das neue Format bestmöglich“, bekräftigte Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD). Die Stadt ermögliche unter anderem, dass die betreffende Straße für die Party den Nachmittag über gesperrt werde und eine Bühne aufgebaut werden könne. Sie wirkte auch unterstützend beim Sicherheitskonzept der Veranstalter – dem Festausschuss Marburger Karneval (FMK) – mit. Der bisherige Zug sei aktuell einfach nicht finanzierbar, hieß es seitens des FMK.
Auch in anderen Städten herrscht Wachsamkeit. „Um die Feiernden zu schützen und bestmöglich die Interessen der Anwohnenden im Bereich der Karnevals-Hotspots zu wahren, setzen wir ein umfassendes Sperr- und Sicherheitskonzept um“, teilte Köln mit. Mehr als 300 Mitarbeitende des Ordnungsamtes werden demnach im Einsatz sein, unterstützt von weiteren 1.200 Mitarbeitenden privater Sicherheitsunternehmen. In Karnevals-Hotspots werden Zugänge kontrolliert und Straßen mit Sperren gesichert. Um Verletzungen möglichst gering zu halten, ist es in stark besuchten Vierteln verboten, Glas mitzubringen.
„Keine Hinweise auf konkrete Gefahr“
Die Kölner Polizei rüstet sich mit einem „Großaufgebot“ für ihren Einsatz, wie sie am gestrigen Montag mitteilte. Polizei, Ordnungsamt und die Veranstalter stünden 2025 vor großen Herausforderungen. „Wir haben uns in den letzten Wochen intensiv vorbereitet“, so der leitende Polizeidirektor Martin Lotz. Die Sicherheitslage sei nach den Anschlägen der vergangenen Monate angespannter als in den Jahren zuvor.
Alle verfügbaren Einsatzkräfte werden in Köln auf der Straße sein, wenn am kommenden Donnerstag der Straßenkarneval startet, hieß es. Zusätzlich kündigte die Polizei an, vor dem Hintergrund der zunehmenden Messergewalt im öffentlichen Raum wieder Personen- und Taschenkontrollen durchzuführen. Seit das Waffengesetzes im Oktober 2024 geändert wurde, ist das Mitführen von Messern aller Art bei öffentlichen Veranstaltungen verboten. Lotz bekräftigte aber auch, es gebe momentan keine Hinweise auf eine konkrete Gefahrenlage.
Düsseldorf stockt Straßensperren auf
In der Nachbarstadt Düsseldorf sorgen Polizei und Ordnungsamt gemeinsam für Sicherheit an Karneval. „Auch in diesem Jahr sind wieder über 200 Kräfte des Ordnungsamtes im Einsatz, um gemeinsam mit der Polizei für Sicherheit an den tollen Tagen zu sorgen“, sagte Düsseldorfs Ordnungsdezernent Christian Zaum laut einer Mitteilung der Stadt. Das Glasverbot, das es seit 2011 gebe, werde konsequent kontrolliert.
Thorsten Fleiß von der Düsseldorfer Polizei sagte laut Antenne Düsseldorf, man habe das Sicherheitskonzept nach den Attentaten von Aschaffenburg und München nochmals angepasst. Auch die Zahl der Anti-Terror-Straßensperren sei aufgestockt worden. Das Sicherheitskonzept werde laut Fleiß jedes Jahr aufs Neue geprüft. „Schon vor den „Anschlägen hatten wir ein sehr hohes Sicherheitsniveau, weil wir mit solchen Thematiken immer rechnen“, sagte Zaum. Absolute Sicherheit gebe es aber nie.
Ralf Bauer
ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.